Anschallen, bitte!

AUA-Streik: Turbulenzen für CEO Annette Mann

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„Fly with a smile“ galt am vergangenen Osterwochenende nicht. Der Streik des Austrian Airlines-Personals vermieste manch einem den Urlaub – auch jenen der Vorstandsvorsitzenden Annette Mann.  

Es sind keine einfachen Zeiten, die sich Top-Managerin Annette Mann (46) für ihre Rolle als Vorstandsvorsitzende von Austrian Airlines ausgesucht hat. Schon der Start am 1. Jänner 2022 gestaltete sich schwierig – mit der Pandemie war die Fluglinie – wie so viele – in heftige Turbulenzen geraten, durch die es das Unternehmen zu führen galt. Nachdem sich die AUA erholt hatte und im letzten Jahr sogar ein Rekordergebnis erzielen konnte, nun die nächste Krise: die Kollektivvertrags-Verhandlungen für das Bordpersonal konnten nach insgesamt 17 Runden nicht abgeschlossen werden. Und mündeten schließlich in einen Streik, der letzte Woche viele Urlauber:innen betraf. Rund 50.000 Passagiere mussten ihre Flüge umbuchen oder gar stornieren. Über 400 Flüge wurden allein von Gründonnerstag auf Karfreitag gestrichen, weil sich das Bordpersonal weigerte, abzuheben.

AUA-Flugausfälle
© APA/GEORG HOCHMUTH
× AUA-Flugausfälle

Worum es geht

Bereits seit Mitte Jänner verhandelt das AUA Management mit den Arbeitnehmervertreter:innen, weil die Gehälter des Bordpersonals unter jenen der Beschäftigten des deutschen Mutterkonzerns Lufthansa liegen. „Fakt ist aber, dass es bei der Bezahlung der AUA-Crews im Vergleich zur Konzernmutter Lufthansa eine eklatante Ungleichbehandlung von bis zu 40 Prozent Unterschied gibt. Und die gilt es bei den KV-Verhandlungen für die österreichischen Belegschaft auszugleichen“, so der vida-Gewerkschaftsvorsitzende Roman Hebenstreit gegenüber Medien. Das Angebot der AUA von einem Gehaltsplus von 18 Prozent für Flugbegleiter:innen und Pilot:innen, sowie bis zu 28 Prozent für Co-Pilot:innen wurde als unbefriedigend ausgeschlagen, weil es sich auf zwei Jahre beziehe und aus nicht nachaltigen Einmalzahlungen bestünde, so der Vorwurf.

Als „absolut unrealistisch“ bezeichnete Annette Mann in einem „Zeit im Bild“-Interview die Forderungen, die „weit über der Leistungsfähigkeit einer AUA liegen.“ Als Vorstandsvorsitzende „liegt es in meiner Verantwortung, dass ich die AUA nach der Corona-Krise und der Aufbauarbeit in eine erfolgreiche Zukunft führe. Das wäre, wenn wir die Forderungen erfüllen würden, mehr als fraglich und gefährdet.“

AUA-Mitarbeiter vor Beginn einer Betriebsversammlung des Betriebsrates
© APA/ROBERT JAEGER
× AUA-Mitarbeiter vor Beginn einer Betriebsversammlung des Betriebsrates

Das Rekordergebnis von Austrian Airlines im letzten Jahr müsse in Relation zu den schlechten Ergebnissen der Vorjahre gesehen werden. „Gleichzeitg haben wir eine Investmentberg von drei Milliarden Euro vor uns“, erklärte Annette Mann, die ihre Karriere vor über 20 Jahren als Trainee bei der Lufthansa begann. „Wir haben also große Herausforderungen vor uns.“ Harter Nachsatz: „Wenn 60 Prozent der Strecken nicht mehr profitabel geflogen werden können, weil wir der Gewerkschaft nachgeben, wird die AUA in ihrer jetzigen Form keine Zukunft haben und ich denke, das ist nicht im Interesse der Mitarbeiter und der Gäste.“

Wie geht es nun weiter?

Mit dieser Frage sah sich CEO Mann nicht nur über Ostern konfrontiert. Am kommenden Montag soll nun weiterverhandelt werden. Fakt ist: viele Fluggäste verbinden derzeit vieles, nur nicht den einstigen Unternehmensslogan „We fly for your smile“ mit der Airline. Übrigens auch Annette Manns Malediven-Urlaub fiel dem Streik zum Opfer – sie sagte ihn aufgrund des Streiks ab und kümmerte sich um die innerbetrieblichen Turbulenzen, die wohl alle dazu zwingt, sich gut anzuschnallen.

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