Karrieresprungbrett oder Ausbeutung?

Generation Praktikum

Karrieresprungbrett oder Ausbeutung?

In den Ferien, während oder nach dem Studium – die Möglichkeiten, ein Praktikum zu absolvieren sind vielfältig. Ob freiwillig oder verpflichtend, die Zahl der Praktikanten ist in den letzten Jahren enorm angestiegen. Firmen nutzen diese Chance, um jungen Menschen einen Einblick in verschiedenste Unternehmensbereiche zu gewähren, ihnen bei der Berufsorientierung zu helfen, das Potential zukünftiger Mitarbeiter vorher genau auszutesten, oder reguläre Mitarbeiter durch niedrigoder teilweise unbezahlte Arbeitskräfte zu ersetzen.

Auch die Erfahrungen und Einschätzungen der Praktikanten selbst sind sehr unterschiedlich. So sehen manche ein Praktikum als vielversprechenden Einstieg ins Berufsleben, andere hingegen empfinden es als Ausbeutung der jungen Generation, die darauf angewiesen ist, nach Abschluss des Studiums, Berufserfahrung vorweisen zu können. Das Portal „meinpraktikum.de“ veröffentlicht in ihrem Praktikantenreport 2012 interessante Zahlen rund um das Thema. Grundlage der Studie ist eine Bewertung, welche von 5.547 Praktikanten über 3.840 Unternehmen in Deutschland abegegeben wurde. Durchschnittlich arbeiteten sie rund 7,75 Stunden pro Tag. 65,8 Prozent aller Praktikanten sind - trotz einer im Durchschnitt sehr niedrigen Bezahlung von 290 Euro -mit ihren Erfahrungen zufrieden. Ihre zukünftigen Karrierechancen im Unternehmen schätzen sie hingegen mit 58,9 Prozent nicht sehr vielversprechend ein. Die Zufriedenheit hängt auch sehr deutlich von der Unternehmensbranche ab. Praktikanten in der Konsumgüterindustrie, der Telekommunikation, im Versicherungsbereich oder im Fachgebiet rund um Internet/Multimedia sind mit 84 Prozent besonders zufrieden. Eher unglücklich sind Praktikanten in der Gastronomie oder Metallverarbeitung.

Durchschnittlich sind laut dem Report 40 Prozent aller Praktika unbezahlt. Interessant ist auch, dass Unzufriedenheit und die damit verbundene Negativbewertung oft mit einer unentgeltilichen Anstellung einhergeht. Besonders zufrieden sind die meisten Praktikanten hingegen mit der Arbeitsatmosphäre, die von 80 Prozent als positiv bewertet wird. Außerdem wird der Nutzen von freiwilligen Praktika und jenen mit einer längeren Dauer tendentiell besser eingeschätzt.  Hinsichtlich der Wertschätzung ist zu erkennen, dass diese in größeren Unternehmen bzw. in größeren Stadten höher ist.

Die Meinungen über Praktika klaffen auch bei Experten sehr weit auseinander. Während manche von ihnen Unternehmen vorwerfen, gut qualifizierte Hochschulabsolventen als billige Hilfskräfte auszunutzen, befürworten andere, dass Unternehmen jungen Menschen die Chance geben, erste Berufserfahrung durch ein Praktikum zu sammeln. Unternehmen argumentieren damit, dass Praktika für die Rekrutierung von Fachkäften notwendig sind und Praktikanten durch gute Behandlung frühzeitig ans Unternehmen gebunden werden.

Manchmal ist eine Praktikumsstelle für Uni-Absolventen die einzige Möglichkeit, um den Einstieg ins Berufsleben zu schaffen. Dabei ist die Gefahr, ausgebeutet zu werden, sehr groß. Viele Unternehmen nutzen die Zwangslage der Arbeitssuchenden schlichtweg aus. Dabei sind gerade junge Uni-Abgänger hochmotiviert, ihre Ideen in die Praxis umsetzen zu können und nehmen dafür schlechte Bezahlung und widrige Arbeitsbedingungen in Kauf. Dennoch raten Experten davon ab, aus Stolz Praktika abzusagen und so Karrierechancen ungenützt zu lassen. Denn jede Erfahrung stellt eine Chance dar und wertet den Lebenslauf auf.