neu 'Frauen gegen Rosenkranz'

Große MADONNA „Wir sagen Nein!"-Aktion

Wir müssen uns wehren

Nach der Kandidatur von Barbara Rosenkranz, diskutieren Nick, Grasgruber & Karmasin: Wie rechts ist Österreich?

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Von Seiten der FPÖ war trotz mehrfacher Einladung niemand zur Diskussion erschienen. Signifikant für die grundsätzliche Haltung der Parteimitglieder? Oder ein klares Zeichen für mangelnde Unterstützungsbereitschaft in den eigenen Reihen? Darüber und über die Auswirkungen der Präsidentschaftskandidatur von Barbara Rosenkranz (51, FPÖ) diskutierten am Runden Tisch Bühnen-Star Désirée Nick (49), „Lichtertanz gegen Rosenkranz“-Mitinitiatorin Romy Grasgruber (25) und Motiv- und Meinungsforscherin Dr. Sophie Karmasin (42).

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Trotz mehrfacher Nachfrage wurde uns von Seiten der FPÖ für heute ein klare Absage erteilt – wie würden Sie das Fernbleiben von der heutigen Diskussionsrunde bewerten?
Dr. Sophie Karmasin:
Es ist schwierig, die tiefenpsychologischen Gründe zu erahnen. Ich kann es nur insofern beurteilen, wie es nach außen wirkt – nämlich nicht sehr positiv. Wenn die FPÖ voll hinter Barbara Rosenkranz‘ Kandidatur stehen würde, die ganze Partei auf einer Linie wäre und nicht teilweise einen Rückzieher machen würde, dann hätte ja niemand ein Problem, hierherzukommen und sich zu stellen. So kann man nur darauf schließen, dass sich einerseits niemand findet, der all das mit Überzeugung vertritt. Und andererseits hat man wohl auch zu wenige Argumente.
Romy Grasgruber: Ich halte es für bezeichnend, dass sich niemand hertraut und auch den Mut hat, über dieses Geschichtsbild, das Frauenbild und über die gesamte Ideologie, die hinter Frau Rosenkranz steht, zu diskutieren.
Karmasin: Was mich persönlich interessiert hätte ist, wie die Partei plausibel erklärt, dass sie eine fragwürdige Person wie sie, aufgestellt hat. Ob man sozusagen das Risiko der großen Aufregung eingeplant oder ob man selbst über die den Effekt überrascht war.
Grasgruber: Meiner Meinung nach ist es ja so, dass sich die FPÖ immer weiter nach rechts bewegt. Vielleicht wollte man so ausloten, wie weit man noch gehen kann.

Frau Dr. Karmasin, wie sehr hat sich die Partei mit dem Skandal laut der aktuellsten Umfragewerte geschadet?
Karmasin:
Vor der Aussage mit dem Verbotsgesetz waren die Werte von Frau Rosenkranz um rund 10 bis 15 Prozent besser als sie es im Moment sind. Die Mehrheit sieht die Debatte um Rosenkranz‘ Positionierung als Schaden für die FPÖ bei den Wiener Wahlen. Also von einem positiven Effekt kann keinesfalls die Rede sein. Würde morgen gewählt werden, würde Rosenkranz ein desaströses Ergebnis einfahren. Aber das kann sich natürlich in den nächsten Wochen auch wieder ändern.

Frau Nick, wie wird in Deutschland die aktuelle Debatte wahrgenommen?
Désirée Nick:
Aus meiner subjektiven politischen Haltung heraus, als österreichische Groteske! Was da bei mir ankommt, ist so wie eine verzerrte Version des braunen Österreichs im Stile des Karikaturisten Manfred Deix. Und es drängt sich die Frage auf: „Wie kann es sein, dass Leute, die aus der Vergangenheit nichts gelernt haben, überhaupt ein Forum erhalten! Warum wird das nicht im Keim erstickt? Und wie können sich solche Leute auch noch auf ihre Schulbildung berufen, denn im Grunde genommen hat Frau Rosenkranz sich damit selbst torpediert, weil sie damit zugibt, dass sie seit ihrer Schulzeit nichts gelernt hat. Damit impliziert sie ja, dass sie damit auf dem Niveau einer Grundschülerin stagniert ist. Und da wird es für mich eine österreichische Theatergroteske und ich stelle mir vor, wie Frau Rosenkranz als selbst ernannte „Politiker-Hausfrau“ Hakenkreuze backt.
Karmasin: Ich muss Ihnen recht geben – dass das von außen in das Stereotyp von Österreich passen muss, dass es hier immer noch Gruppierungen mit problematischem Geschichtsverständnis gibt.
Nick: Die gibt es in Deutschland natürlich auch.
Karmasin: Ja, aber bei uns dürfen die noch auftreten! Das wird in Deutschland schon sensibler gehandhabt. Es ist ja im Grunde absurd, wenn man überlegt, dass wir in einem Land leben, wo eine Präsidentschaftskandidatin eine öffentliche Erklärung abgeben muss, dass sie doch etwas gegen den Nationalsozialismus hat. Genauso gut könnte morgen ein Politiker öffentlich beteuern müssen, dass er nicht lügt, stiehlt und kleine Kinder im Keller hält. Ein Wahnsinn!
Nick: Sie bewegt sich in einer Grauzone, die juristisch gerade vertretbar ist und wie der Wolf im Schafspelz drückt sich Frau Rosenkranz in Idiomen und Metaphern aus, die der rechten Szene verständlich sind. Das Ganze unter dem Deckmantel der Demokratie. Das ist die große Mogelpackung, mit der Frau Rosenkranz daherkommt und das ist im Grunde auch das Teuflische.
Grasgruber: Barbara Rosenkranz ist am rechtsextremsten Rand – aber man sollte schon viel früher ansetzen: bei Strache und seinen Hetzkampagnen. Ich glaube, da kann man nur mit Bildung etwas erreichen. Damit Menschen für solche Botschaften nicht mehr empfänglich sind. Deswegen starten wir wieder eine Protestaktion – den „Lichtertanz gegen Rosenkranz“ am 25. März. Bei dem die Menschen, die sich von der moralischen Seite verpflichtet fühlen, zeigen, dass DAS nicht Österreich ist, sondern dass Österreich auch eine positive Seite hat. Nämlich eine weltoffene, bunte und starke.

Manche meinen, man solle Barbara Rosenkranz gewähren lassen, weil sie sich ja doch nur selbst disqualifiziert...
Karmasin:
Das haben wir lange bei Haider und Strache gesagt. Jetzt sind wir bei 20 bis 25 Prozent rechter Wählerstimmen.
Nick: Gewähren lassen wäre so, wie wenn eine Mutter sagt: solange mein Kind abends noch am Leben ist, habe ich meine Pflicht als Mutter getan. Gewähren lassen beinhaltet auch, ein gewisses Maß der Zustimmung. Was mir an der ganzen Sache überhaupt nicht gefällt ist, dass das eigentlich nicht der Sinn der Politik ist. Frau Rosenkranz macht sich selbst zum Thema, was gar nicht ihre Aufgabe ist. Sie soll das Land gestalten! Aber das Angebot, das sie macht, ist, dass sie dieses Land nationalsozialistisch gestaltet. Sie ist ja keine Grüne, die mit einem Nazi verheiratet ist. Sondern eine berufstätige Frau, die mit ihrem Mann an einem Strang zieht. Und ihr Mann gibt doch diese einschlägige Zeitschrift (Fakten, Anm.) heraus. Erschreckend ist, dass 20 bis 25 Prozent die Partei, die diese Person aufgestellt hat, wählt.

Wie rechts ist Österreich?
Karmasin:
Ich glaube, es ist viel zu einfach zu sagen, alle FPÖler sind wirklich rechts. Wir haben ja die unterschiedlichsten Studien darüber, warum man die FPÖ wählt und die Mehrheit der Motive liegen in einer ganz anderen Ecke.

Liegt es auch daran, dass die anderen Parteien zu wenig Problemlösung anbieten?
Karmasin:
Ja, unter anderem. Dass wir über lange Jahre einerseits das Thema Zuwanderung in vielen Bereichen ignoriert haben, auf der anderen Seite gibt es tatsächlich diese Probleme. Wenn es Volksschulen gibt, in denen die Mehrheit der Kinder mit Migrationshintergrund sind, muss man das Thema ansprechen.
Nick: Was wäre denn Barbara Rosenkranz Lösungsansatz zu 70 Prozent Migrationshintergrund in Volksschulklassen?
Karmasin: Sie sagt: Raus!

Ihr Mann, Horst Rosenkranz, hat 1990 die Liste „Nein zur Ausländerflut“ gegründet.
Nick:
Sie ist also pro Ausländerfeindlichkeit. Das ist schon mal eine klare Ansage.
Karmasin: In den letzten 15 bis 20 Jahren wurde das Zuwanderungsthema rein der FPÖ und dem BZÖ überlassen. Die SPÖ im Speziellen hat sich auch in Wien dem Thema verwehrt. Jetzt versuchen sie es langsam anzusprechen. Die ÖVP hat sowieso Maria Fekter.

Was bewirken Aktionen wie der Lichtertanz tatsächlich?
Grasgruber:
Ich glaube, dass die Zivilgesellschaft schon Macht auf die Politik ausüben kann. Beispiel Hainburg und Frauenbewegung. Dass ein Protest ein gesamtes Klima nicht sofort ändern kann, ist klar.
Karmasin: Es kommt darauf an, ob die Medien darüber berichten. Wenn sie breit berichten, ist es ein großer Effekt.
Nick: Erst sind es 3, dann 3.000, dann 3 Millionen. Der Christopher Street Day ist mittlerweile auch eine Millionenbewegung.

Frau Nick, wäre es in Deutschland denkbar, dass eine Zeitung eine Person wie Barbara Rosenkranz so unterstützt, wie ein hiesiges Kleinformat?
Nick:
Nein, sie würden Frau Rosenkranz als Witzfigur oder Abnormität betrachten, als Randerscheinung skurriler Art. Sie wäre gar nicht als Präsidentschaftskandidatin aufgestellt worden.

Wie sehr schadet sich Österreich mit dieser Kandidatur?
Karmasin:
Ich sehe das wie eine missglückte Werbekampagne. Jeder kennt Rosenkranz, aber sie ist für einen Inhalt bekannt, der in Österreich nur eine kleine Gruppe anspricht.
Nick: Das Dritte Reich, das so viel Schmach und Schande hinterlassen hat, ist in der historischen Zeitrechnung nur eine Sekunde von heute entfernt. Daher ist es oberste Christenpflicht, sich im höchsten Maße aktiv zu distanzieren!

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Diskussion: Frauen gegen Rosenkranz
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Bild: (c) Singer
Frauen über den Fall Rosenkranz. Romy Grasgruber, Dr. Sophie Karmasin und Desirée Nick im Talk mit Herausgeberin Uschi Fellner, A. Stroh und D. Schimke.

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TIPP: Lichtertanz gegen Rosenkranz - Gegen Barbara Rosenkranz als Bundespräsidentin
Donnerstag, 25. März 2010, 19:00 - 22:00, Wien, Ballhausplatz
www.lichtertanz.at