Anästhesie: Zielsuche per Ultraschall

Anästhesie: Zielsuche per Ultraschall

"Unsere ältesten und unsere jüngsten Patienten machen uns ein wenig Sorge", konzedierte Gerhard Redl, leitender Anästhesist am Orthopädischen Spital Speising in Wien, im Zusammenhang mit Vollnarkosen bei Operationen anlässlich einer Pressekonferenz. Trotz der Fortschritte in der Pharmakologie der Anästhetika in den vergangenen zwei Jahrzehnten, die einen weitgehend sicheren Einsatz ermöglichen, bestehen bei den ganz jungen und besonders betagten Patienten immer noch Rest-Risiken.

Ältere Personen leiden unmittelbar nach einer Vollnarkose vereinzelt an Bewusstseins-Störungen, die sich ähnlich wie Demenzen darstellen. "Das sind häufig nur leichtere Störungen, welche die Merk- und Konzentrationsfähigkeit einschränken, die aber mitunter auch länger andauern können", erklärte Redl. Bei Hochbetagten treffen solche Probleme oft Personen, die an sich schon Merk- und Konzentrationsstörungen aufweisen. Dann kommen noch die Konsequenzen der Anästhesie dazu.

Bei Kleinkindern wiederum kann es nach mehreren Narkosen mitunter zu Verhaltensstörungen kommen, aber auch zu kognitiven Dysfunktionen. Der Grund: Bei den Kindern sind die Organfunktionen noch nicht voll entwickelt, bei den Älteren wiederum schon wieder eingeschränkt. Der Organismus hat also nur wenige Reservekapazitäten, um Stress-Situationen wie schwere Operationen adäquat zu managen.

Vollnarkose vermeiden

Man bemüht sich deshalb - so oft wie möglich -, eine Vollnarkose zu vermeiden. In Deutschland, etwa, wird schon jeder fünfte chirurgische Eingriff ohne Vollnarkose durchgeführt - auch in Österreich ist die Zahl im Steigen begriffen.

Eine Alternative für manche Fälle ist die Regionalanästhesie. Sie hat mit ihren peripheren Nervenblockaden insbesondere in der orthopädischen Chirurgie und in der Unfallchirurgie in den vergangenen zehn Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Von den Vorteilen der Regionalanästhesie sollen nun verstärkt auch die besonders jungen sowie betagten Patienten profitieren.

Bei der Regionalanästhesie lassen sich die Ärzte bei der Betäubung von Nerven und bei der Anlage von Gefäßzugängen von modernsten Ultraschallgeräten den Weg weisen. Die Narkosemittel werden direkt an die Nerven herangebracht. Mit Hilfe dieser Methode benötigen die Anästhesisten nur noch einen Bruchteil der bisher erforderlichen Narkosemittel. Das Anlegen von Arterien- und Venenkathetern wird damit beispielsweise praktisch schmerzfrei und ist schnell erledigt. Der Vorteil für die Patienten: Sie nehmen von der Prozedur kaum etwas wahr, die Dosierung von Narkose- und lokalen Betäubungsmitteln kann deutlich reduziert werden. "Der Einsatz von Ultraschall ist ohne Zweifel die wichtigste aktuelle Entwicklung in der Regionalanästhesie und hat das Potenzial, die Regionalanästhesie zu revolutionieren", ist Redl überzeugt.

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