Zu viel Sauberkeit schadet Gesundheit

"Hysterie Hygiene"

Zu viel Sauberkeit schadet Gesundheit

Hygiene kann dazu beitragen, den Einsatz von Medizin auf Krisenfälle zu reduzieren. Dass sich das Reinlichkeitsverhalten vieler Menschen aber bereits zu einer regelrechten Hysterie ausgeweitet hat, geht aus dem Buch „Hysterie Hygiene“ von Autor Manfred F. Berger hervor. "Übertriebene Hygiene ist genauso gefährlich wie gar keine Hygiene“, sagte Berger der APA.

Hier wimmelt es vor Bakterien 1/5
Waschmaschine Die Waschmaschine ist ein kuscheliges Nest für zahlreiche Bakterien. Bei Waschtemperaturen unter 40 Grad haben Erreger ideale Bedingungen, um sich auszubreiten. Handtücher und Unterwäsche sollten mit 60 Grad gewaschen werden, um die Krankheitserreger unschädlich zu machen.
Kühlschrank Die meisten Bakterien lauern in der Küche. Bis zu 11,4 Millionen Keime pro Quadratzentimeter befinden sich im Kühlschrank. Was kann man tun? Lebensmittel sollten stets verschlossen gehalten werden. Außerdem freut sich der Kühlschrank über eine wöchentliche Reinigung. Verdorbene Lebensmittel sofort wegwerfen!
Küchenschwamm Besonders unhygienisch sind feuchte Geschirrtücher und Schwämme. Hier tummeln sich besonders viele Keime. Wechseln Sie Ihre Geschirrtücher regelmäßig und waschen Sie diese mit 60 Grad.
Duschköpfe Bakterien lieben Duschköpfe. In der warmen, dunklen und feuchten Umgebung im Inneren der Brausen können sich sogenannte Biofilme bilden, in denen sich Bakterien konzentrieren. Ein Essigbad tut Ihrem Duschkopf gut und vertreibt die Keime.
Bankomat Manchmal holt man sich beim Bankomat nicht nur Geld, sondern auch eine Krankheit. Englische Wissenschaftler haben nämlich herausgefunden, dass Geldautomaten wahre Keimschleudern sind. Auf den Eingabetasten lauern oft mehr Bakterien als auf öffentlichen Toiletten.


Zu viel Reinlichkeit
"Wenn man sich jedes Mal, wenn man aus dem eigenen Auto aussteigt, die Hände desinfiziert, dann ist das definitiv übertrieben. Wenn man nach einer U-Bahn-Fahrt etwas essen möchte, würde ich aber schon empfehlen, sich zuvor gründlich die Hände zu waschen", erklärte Berger. Ausschlaggebend dafür, an welchen Orten man sich besonders vor Bakterien schützen müsse, sei die sogenannte Hygieneeinheit: „Wo Menschen schon über längere Zeit zusammen leben, bildet sich eine Keimstruktur aus, die uns schützt. Daher ist es wichtig, die eigene Wohnung nicht permanent mit Unmengen von Chemikalien zu attackieren.“ So würde man sich nämlich nicht vor Bakterien schützen, sondern nicht schädliche Bakterien abtöten, die zur Erhaltung des Immunsystems beitragen.

Hygiene Hysterie
Das wachsende Bewusstsein über Krankheiten, die heute vor allem durch zunehmende Mobilität über Landesgrenzen hinweg übertragen werden, sei maßgeblich an der Hygiene-Hysterie beteiligt, meint der Autor. "Wenn irgendwo auf der Welt der Verdacht auf Vogelgrippe auftaucht, erfahren wir das heute in Echtzeit. Diese Informationen können wir oft nicht richtig zuordnen, daraus entsteht eine undefinierte Angst und die führt zu diesem übertriebenen Verhalten", so Berger.

Was man tun kann
Vor allem im alltäglichen Leben gebe es aber viele Situationen, in denen man zu hohe Bakterienbelastung vermeiden könne. So sollten etwa Lebensmittel nach dem Kauf schnell transportiert und gekühlt werden, in öffentlichen Toiletten solle man anstelle des Handföhns lieber auf Papierhandtücher zurückgreifen und der Kühlschrank solle mindestens einmal pro Monat komplett gereinigt werden. Anders als oftmals angenommen reduzieren Kühlschränke zwar die Keimbildung durch ihre niedrigen Temperaturen, können jedoch, wenn die Geräte nur selten gesäubert werden, eine höhere Keimbelastung aufweisen als eine WC-Brille.

Um das Hygienebewusstsein der Österreicher zu stärken, müsse man bereits in der Schule ansetzen: "In Fächern, in denen man sich über den Körper unterhält, sollte auch das Thema Hygiene Platz finden. Das setzt sich dann positiv fort, denn wenn die Kinder zuhause etwas sehen, was die Eltern falsch machen, werden sie sie darauf hinweisen", sagte Berger. Vor allem das richtige Händewaschen würden nur noch Mediziner lernen. Hygienevorschriften, wie es sie etwa in Restaurantküchen oder Schwimmbädern gibt, sollten noch ergänzt werden: "Das würde Österreich zu einem Musterland in Sachen Hygiene machen", meinte Berger.

Buchtipp: Manfred F. Berger, "Hysterie Hygiene", Echomedia Buchverlag, 19,80 Euro, ISBN 978-3-902900-34-0)

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