Karl Lagerfeld und seine Muse Baptiste Giabiconi

Newcomer der Model-Branche

Ist er Lagerfelds Erbe?

Für Mode-Fürst Karl Lagerfeld ist Baptiste Giabiconi der Sohn, den er nie hatte und möglicher Erbe seines Imperiums.

"Er ist makellos“, sagte Chanel-Mastermind Karl Lagerfeld in einem Interview über seine neueste Muse Baptiste Giabiconi (20). Auch Kolleginnen wie Topmodel Naomi Campbell beneiden seine Schönheit – bei einem Shooting in London scherzte sie unlängst: „Das ist nicht erlaubt! Wir haben alle irgendeinen Fehler, du hast keinen einzigen!“ Der 20-Jährige wurde 2008 von Lagerfeld während eines Sonnenbrillen-Castings entdeckt und weicht seitdem kaum von seiner Seite.

Newcomer
Noch vor drei Jahren arbeitete der Beau in einer Hubschrauber-Fabrik in Marseille – mittlerweile gilt er als bestbezahltes Männermodel der Welt. Lagerfeld ist überzeugt: „Giabiconi ist die männliche Version von Gisele Bündchen. Dünn, aber mit einem athletischen Körper – gut in Kleidung und toll ohne.“ Hat Lagerfeld sich verliebt? „Verliebt ist das falsche Wort. Er ist mein Schützling. Ich kann mich an ihm nicht sattsehen.“ Für den Mode-Zar ist Giabiconi beinahe wie ein Sohn, auch in Zusammenhang mit seinem Erbe ist der Name schön öfters gefallen. Der Grund? Mit schönen Menschen umgab sich der Meister schon immer, aber einen Beinahe-Sohn wie Giabiconi hatte er noch nie.

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Baptiste Giabiconi bei der Chanel-Show Frühjahr/Sommer 2010
Baptiste Giabiconi bei der Chanel-Show Frühjahr/Sommer 2010
× Baptiste Giabiconi bei der Chanel-Show Frühjahr/Sommer 2010

Baptiste Giabiconi bei der Chanel-Show Frühjahr/Sommer 2010.
Bild: (c) Photo Press Servic, www.photopress.at

Talk
Die deutsche GALA traf den Newcomer bei einem Werbe-Dreh in Auckland und sprach mit ihm über seine Arbeit und sein früheres Leben.

Sie wurden binnen kürzester Zeit vom Monteur zum Model – was hat Ihr Leben heute noch mit dem von damals zu tun?
Baptiste Giabiconi:
Eigentlich ist nichts mehr wie früher. Das Leben ist jetzt wie ein Traum. Früher bin ich morgens um sieben aufgestanden, in die Fabrik gegangen, habe die Stechuhr gedrückt und dann bis abends gearbeitet. Heute gehe ich die Tage gemütlich an. Ich muss auch nicht mehr täglich arbeiten. Durch Karl stehe ich auf einmal im Rampenlicht. Manchmal werde ich auf der Straße erkannt. Das freut mich, vor allem weil die Leute immer unheimlich nett zu mir sind. Aber ich würde nie behaupten, dass ich berühmt bin. Was bedeutet schon „berühmt“? Mir ist vor allem meine Familie wichtig – und, dass ich Spaß an meinem Beruf habe.

Sie fliegen um die Welt, werden auf schicke Partys eingeladen. Wie aufregend ist das?
Giabiconi:
Für mein Gefühl führe ich gar kein Jetset-Leben. Ich trinke keinen Alkohol, nehme keine Drogen und versuche, mich gesund zu ernähren. Von Abendveranstaltungen halte ich mich möglichst fern. Ich gehe eigentlich nur hin, wenn es der Job erfordert. Und wenn ich in Paris arbeite, fahre ich meist am Wochenende nach Hause nach Marseille, um mich zu erholen.

Was genau finden Sie an Ihrem neuen Leben spannend?
Giabiconi:
Es ist toll, so viel zu reisen und seinen Lebensunterhalt auf angenehme Weise zu verdienen. Ich habe mir gerade meine erste Wohnung gekauft. Das war für mich keinesfalls selbstverständlich. Ich weiß noch, wie es war, als ich in der Fabrik für 1.000 Euro im Monat gearbeitet habe. Mit so wenig Geld ist es schwierig, sich ein Leben aufzubauen, Pläne zu verwirklichen, zu reisen. Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie. Meine Eltern haben sich ein Leben lang aufgeopfert, und es hat sehr lange gedauert, bis sie sich ein Haus leisten konnten.

Hat Ihr Beruf auch Nachteile?
Giabiconi:
Eigentlich kaum. Zwar ist man selten zu Hause und oft getrennt von den Menschen, die man liebt, aber das gehört dazu. Man kann nun mal nicht alles haben.

Sie gelten als Muse von Mode-König Karl Lagerfeld…
Giabiconi:
Es schmeichelt mir sehr, wenn man sagt, dass ich Karl inspiriere. Auf der anderen Seite: Was bedeutet der Begriff "Muse“ eigentlich? Ich fühle mich einfach, als würde ich schweben.

Lagerfeld hat mal über Sie gesagt, Sie kämen ihm wie ein Adoptivsohn vor. Wie beschreiben Sie Ihre Beziehung zu ihm?
Giabiconi:
Wir haben nach unserer ersten Begegnung schnell ein sehr enges Verhältnis aufgebaut, viel enger als bei Freunden sonst üblich. In Paris sind wir schon oft miteinander essen oder einkaufen gegangen. Aber ich habe ihn nie wie einen Vater oder einen Onkel gesehen. Man kann unsere Beziehung gar nicht definieren. Sie ist jenseits von allem, was man sonst kennt.

Er hat Sie sogar schon mal als seinen Erben bezeichnet...
Giabiconi:
Darüber möchte ich ungern sprechen, das geht mich auch nichts an. Ich mag Karl, seine Persönlichkeit, und ich bin dankbar für alles, was er schon für mich getan hat. Beruflich wie menschlich.

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Baptiste Giabiconi bei der Chanel H/W 10 Modenschau
Baptiste Giabiconi bei der Chanel H/W 10 Modenschau
× Baptiste Giabiconi bei der Chanel H/W 10 Modenschau

Immer dabei. Giabiconi ist bei jeder Chanel-Show am Start. R.: Herbst/Winter 2010.
Bild: (c) Getty Images

Haben Sie schon vor dem Modeln so viel Wert auf einen perfekten Köper gelegt?
Giabiconi:
Ich habe mich schon immer gerne gepflegt. Im Bad brauche ich morgens mindestens eine Stunde für Kuren, Masken, Föhnen und Styling. Danach muss ich aussuchen, was ich anziehe. Auch das dauert. Ich habe eine ziemlich große Auswahl an Klamotten.

Von Chanel, oder?
Giabiconi:
Es ist viel Chanel dabei. Sachen, die mir Karl geschenkt hat.

So viel Aufwand betreiben normalerweise nur Frauen.
Giabiconi:
Inzwischen gibt es auch immer mehr Männer, die auf sich achten. Dadurch verliert man ja nicht an Männlichkeit. Ich finde es gut, wenn Männer auf sich Achtgeben.

Schönheit vergeht. Denken Sie darüber nach, was Sie später machen wollen?
Giabiconi:
Für die Zukunft habe ich schon eine Menge Projekte geplant. Ich möchte eine Gesangskarriere starten, im Bereich Elektro-Pop-Rock. Es muss nicht unbedingt etwas sein, was eine Botschaft vermittelt – lieber möchte ich Musik machen, zu der getanzt wird. Ich möchte die Menschen in meiner Umgebung lächeln sehen.

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Seinen Entdecker Karl Lagerfeld und Baptiste Giabiconi verstehen sich prächtig
Seinen Entdecker Karl Lagerfeld und Baptiste Giabiconi verstehen sich prächtig
× Seinen Entdecker Karl Lagerfeld und Baptiste Giabiconi verstehen sich prächtig

"Unsere Beziehung ist jenseits von allem, was man sonst kennt.“ Baptiste Giabiconi über seine Beziehung zu Karl Lagerfeld.
Bild: (c) Getty Images