Anja Leuenberger über den Missbrauch im Modelbusiness

Biografie des Schweizer Topmodels

Anja Leuenberger über den Missbrauch im Modelbusiness

Selbstbewusst und stark wirkt sie, wenn sie über den Laufsteg geht – Anja Leuenberger ist eine der wenigen jungen Frauen, die sich den Traum vom Topmodel-Dasein erfüllen konnten. Die Schweizerin lebt und arbeitet seit acht Jahren in New York. Jetzt sorgt die 27-jährige Schönheit jedoch mit gar nicht Schönem für Aufmerksamkeit. Leuenberger hat soeben ihr Buch The Depths of My Soul veröffentlicht und schockiert mit ihren Erzählungen, bereits zwei Mal vergewaltigt worden zu sein.

 


Verdrängungsversuch
Im Alter von 15 Jahren wurde die Aargauerin zum ersten Mal Opfer sexueller Gewalt – in einem Zürcher Klub. „Alles geschah so schnell und aggressiv, dass ich im ersten Moment gar nicht wirklich wahrnahm, was mir gerade widerfuhr. Heute weiß ich, dass ich alles verdrängte, und zeitweise meinte ich sogar, es vergessen zu haben. Bis es ein zweites Mal geschah“, erzählt Anja. Beim zweiten Mal ist Leuenberger 18 Jahre alt und bereits ein kleiner Star in der Model­szene – und ebendort widerfährt ihr auch das zweite Mal das Verbrechen, das sie beinahe für immer zerstört. „Ich schämte mich danach noch viel mehr, ekelte mich vor mir selbst, wollte nur noch weg, gab mir die Schuld dafür, erneut vergewaltigt worden zu sein. Ich redete mir ein, dass es vielleicht an meiner Kleidung lag, die den Mann provoziert hätte“, beschreibt die Autorin ihre Schuldgefühle nach dem tätlichen Angriff. Verarbeiten konnte sie ihre Erlebnisse mit dem Schreiben von Gedichten, das sie schließlich so stark machte, dass sie ihren Beruf als Model nicht aufgeben musste.

 

Mit ihrem Buch „The Depths of My Soul“ will Anja Leuenberger mit einem Tabuthema brechen: Schamgefühle nach einem Gewaltverbrechen.

Buch Cover © Buch Cover

Stärker denn je fühle sie sich heute. „Ich weiß, dass ich mich niemals von irgendwem oder durch irgendwas unterkriegen lasse“, versichert das Model im Interview mit der Schweizer Illustrierten. „Ich sage mir heute oft: Die hellsten Sterne am Himmel leuchten nur so hell, weil die Dunkelheit sie umgibt. Manchmal muss man Dunkles erleben und schlechte Erfahrungen machen, um zu der Person zu werden, die man ist.“

Und als solche möchte die 27-Jährige anderen Missbrauchsopfern und auch Modelkolleginnen Mut machen. Denn, wie auch kürzlich Austro-Topmodel Nadine Leopold thematisierte, werden in der Modebranche junge Frauen immer wieder mit Sexismus bis hin zu Gewalt konfrontiert. „Verbale Anzüglichkeiten musste ich anfangs immer wieder mal über mich ergehen lassen“, so Anja Leuenberger, die – wie auch Kollegin Nadine Leopold – dazu aufruft, in solch einem Fall keinesfalls zurückhaltend zu sein. „Fühle ich mich heute bei einem Job unwohl, verlasse ich das Set und informiere sofort meinen Agenten.“ Das Positive sei aus ihrer Sicht, dass sich immer mehr Models zu Wehr setzen – und auch viele Kunden inzwischen hinter dem Kampf gegen Sexismus in Branche stehen. Das macht tatsächlich Mut.

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