Danielle Spera im großen MADONNA-Interview

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Danielle Spera im großen MADONNA-Interview

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Danielle Spera lädt mit „Le Chaim!“ ein, die jüdische Kultur kennenzulernen.

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Das weiß auch Danielle Spera, die in ihrem neuen Buch „Le Chaim! – Mit Danielle Spera durch das jüdische Jahr“ den Bräuchen, Gepflogenheiten und Geschichten des Judentums frönt – und dabei teilt die renommierte Journalistin persönliche Anekdoten und Lieblingsrezepte. Die 64-jährige Wienerin moderierte von 1988 bis 2010 die Nachrichtensendung „Zeit im Bild“ – Ende Juni hört die Dreifachmutter (Ehemann ist der Politiker Martin Engelberg) nach 12 Jahren als Direktorin des Jüdischen Museums auf. Wie sehr dieser Abschied schmerzt, was ihr Hoffnung macht und warum sie sich über Familienzuwachs freut: das Interview.

Was bedeutet Glück für Sie?

Danielle Spera: Mit meinem Mann und meinen Kindern vereint zu sein, wie jetzt gerade zum wichtigen Feiertag Pessach.

In Ihrem neuen Buch „Le Chaim!“ nehmen Sie uns mit auf eine Reise in die Welt der jüdischen Bräuche. Was war für Sie der Anlass, diese zu teilen?

Spera: Meine wunderbare Verlegerin Katarzyna Lutecka hat mich nach dem großen Erfolg meines Buches „100x Österreich. Judentum“ gefragt, ob ich ein persönlich gestaltetes Buch über das jüdische Jahr schreiben möchte. Da habe ich gern zugesagt.

Was soll das Buch mit Menschen und Mitgliedern anderer Religionen machen? Was sollen diese für sich mitnehmen?

Spera: Die Fröhlichkeit und das lebensbejahende Moment in der jüdischen Tradition, allerdings immer mit dem Blick auf das Vergangene, das uns geprägt hat.

Was ist Ihre Lieblingstradition an jüdischen Feiertagen?

Spera: Jede Tradition im Judentum hat etwas Spezielles. Alles hat seine Zeit.

Laut des Antisemitismus-Halbjahresbericht von 2021 verdoppelte sich die Zahl der Vorfälle in Österreich im Vergleich zum Vorjahr. Wie oft erleben Sie selbst schwierige Situationen, die mit Antisemitismus verknüpft sind – was sind Ihre persönlichen Beobachtungen?

Spera: Nachdem ich in Wien aufgewachsen bin, hier zur Schule ging und die Universität absolvierte, kann ich aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass sich die Situation wesentlich verbessert hatte. Früher konnte man völlig ungeniert über Jüdinnen und Juden herziehen, es war mehr oder weniger gesellschaftsfähig. Das geht heute alles nicht mehr. Im Jüdischen Museum Wien haben wir tagtäglich mit jungen Menschen zu tun. Das Interesse am Judentum und die Begeisterung für die jüdische Tradition sind enorm. Was wir tun können und müssen, ist, reden und aufeinander zugehen. Das haben wir z. B. mit den Programmen für Flüchtlinge aus dem Nahen Osten (Irak, Syrien, Afghanistan etc.) umgesetzt. Jeder noch so kleine Schritt ist hier essenziell.

Nach 12 Jahren folgt heuer der Abschied vom Jüdischen Museum Wien: Wie schwer fällt Ihnen das Ende, wie lautet Ihre Bilanz – und was wartet in der nahen Zukunft auf Sie?

Spera: Es ist mir gemeinsam mit dem großartigen Team, das ich aufgebaut habe, gelungen, das Jüdische Museum nicht nur auf der kulturellen Landkarte von Österreich zu etablieren. Wir haben das Museum zu einem auch international viel beachteten Haus gemacht, haben herausragende Schenkungen erhalten, um die uns die Museen der Welt beneiden, wie etwa das Archiv der Familie Ephrussi, konnten herausragende Gäste begrüßen (von Prinz Charles angefangen), haben einen Besucherrekord nach dem anderen eingefahren – ich bin also rundum zufrieden. Mein erstes Projekt nach dem Museum ist die Hochzeit meines Sohnes und die damit verbundene Ankunft einer wunderbaren Schwiegertochter in unserer Familie. Dann freue ich mich bereits auf eine ganze Reihe spannender neuer Herausforderungen.

„Furchtlos durch das Leben zu gehen und alles, was uns entgegenkommt, mit einem positiven Engagement zu meistern“, haben Sie Ihrem Nachwuchs mitgegeben. Wie stolz sind Sie auf Ihre drei Kinder – und was bewundern Sie am meisten an Ihnen?

Spera: Mein Mann und meine Kinder geben mir unendlich viel Kraft. Sie haben sich auch unter schwierigen Umständen durchgesetzt, gehen mit offenen Augen durchs Leben, sind engagiert und gleichzeitig bescheiden.

Sie waren lange Zeit selbst das Aushängeschild der österreichischen Nachrichten: Wie geht es Ihnen, wenn Sie aktuell die Nachrichten schauen – was macht die Weltsituation mit Ihnen?

Spera: Wir dürfen nicht aufhören, anderen Menschen Gutes zu tun, jeder kleine Schritt ist wichtig.

Was macht Ihnen Angst – und was macht Ihnen Hoffnung?

Spera: Angst ist niemals ein guter Ratgeber. Hoffnung machen mir unsere Kinder und deren Umfeld. Das Allerwichtigste ist, positiv auf das Leben zu schauen und zu versuchen, in seiner ­eigenen Umgebung mit Respekt und ­liebevoll mit den Menschen, die einem begegnen, umzugehen.

© Amalthea
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„Le Chaim!“ von Danielle Spera ist neu im Amalthea Verlag erschienen. Preis: 29 Euro.

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