Uschi Fellner

Kein Tag wie der Andere

Warum man sich oft aus ganz banalen Gründen trennt.

Gestern las ich unter dem Titel „Seltsame Trennungen“ die Geschichte eines Münchner Ehepaares, das sich nach sechzig
Jahren trennte, weil die Frau es nicht mehr ertrug, dass ihr Mann vor jeder Mahlzeit sagte: „Mampfi-Pampfi, pack mas an!“

Die Frau reichte mit dem Argument die Scheidung ein, sie sei durch diesen Ausspruch über die Jahre so aggressiv geworden, dass sie für nichts
garantieren könne. Sie wird mit dem Satz zitiert: „Ich will nicht als Giftmörderin enden!“
Spontan fiel mir ein Bekannter aus Tirol ein, der immer, bevor er isst, den Ausspruch „Brotzeit, Leit“ tätigt. Egal, wo, was und mit wem er isst, „Brotzeit, Leit“. Man weiß dann nie, was man antworten soll. Ich nicke immer. Wäre ich mit
diesem Mann verheiratet, puh!

Dabei ist weder „Mampfi-Pampfi“ noch „Brotzeit, Leit“ besonders schlimm, beide Aussprüche sind eigentlich rührend (vielleicht aber nur, wenn man Sie nicht sechzig Jahre lang hört). Ich zum Beispiel sage sicher Dutzende Male  täglich „Schau ma mal“. In jeder Situation. Rückwirkend kann ich von Glück reden, dass sich mein Erstgeborener nicht sofort von mir trennte, als ihn mir der Arzt mit den Worten hinhielt: „Auf den können Sie wirklich stolz sein!“ Meine Reaktion war offenbar vernichtend.
Man registriert ja so eine Gewohnheit irgendwann nicht mehr. Hans Krankl z. B. sagt dauernd „hurch zua“. Dagegen ist „schau ma mal“ echt belanglos. Ich finde es aber genauso entbehrlich wie „hurch zua“, deswegen sage ich es auch ganz schnell.

Also: „Schau m ml“, bzw. „sch ml“. Und der Mampfi-Pampfi-Münchner hat vermutlich die letzten dreißig von den sechzig Jahren auch nur mehr „Mpf pmpf“ genuschelt. Das war’s dann. Die Verschlampung von Unarten ist ja für den Partner noch schwerer erträglich, als die Unart selbst. Was lernen wir daraus, wenn wir nicht riskieren wollen, dass man uns Gift ins Müsli streut?
Wenn schon, dann deutlich sprechen!