Krankes Barbie-Leben

Daniela Schimke

Krankes Barbie-Leben

Ich sehe sie noch genau vor mir. Lange blonde Wallemähne, große, wasserblaue Augen, eine Topfigur – und einen mit atemberaubenden Roben bestückten Kleiderschrank. Am liebsten hüllte sie sich (oder besser gesagt, ich sie) in einen pfirsichfarbenen, nach Pfirsichblüten duftenden Tülltraum. Oh, wie habe ich sie geliebt, meine Pfirsich-Barbie, sie gehegt und gepflegt. Zugegeben, sie hat viel mitgemacht mit mir – unzählige dramatische Storys ließ ich ihrem armen Puppenleben angedeihen.

Sie wurde belogen, betrogen, manchmal sogar verhauen... bis sie in ihren rosa Koffer verbannt wurde und ich Schluss mit dem Barbie-Wahnsinn machte. Keine Selbstverständlichkeit, wie ich nun lernen musste. Valeria Lukyanova (21) ist hängen geblieben – auf dem Barbie-Trip. Sie sieht aus wie eine Barbie, wohnt wie sie und hat inzwischen fast so viel Plastik an und in ihrem Körper wie sie. So unfassbar wie ihre Story (S. 22 ) ist die Tatsache, dass Valeria nicht alleine ist mit ihrem Wunsch nach einem Puppen-Leben. Dutzende Mädchen eifern ihr nach – und Hunderte Männer erfreuen sich daran.

Klar, ist ja praktisch eine Frau mit Plastik im Kopf an seiner Seite zu haben. Die kann man belügen, betrügen – und manchmal sogar verhauen... Wollte meinen Patenmädels Barbies zu Weihnachten schenken – es wird jetzt doch ein Sparbuch für’s Psychologie-Studium. Patienten gäbe es ja genug.

Daniela Schimke ist MADONNA 
Chefredakteurin. d.schimke@oe24.at

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