Erster europaweiter Tag der Frühgeborenen

Erster europaweiter Tag der Frühgeborenen

"Kleine Helden haben viel zu kleine Stimmen", sagte Entertainer Alfons Haider, der die Aktion sowie den Verein "Unser Kind" unterstützt. Der Tag des Frühgeborenen wird am 17. November europaweit erstmals begangen.

"Rund 8.000 Frühgeborene kamen im Vorjahr in Österreich zur Welt", berichtete Arnold Pollak, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder-und Jugendheilkunde am AKH Wien. Rund jedes elfte Neugeborene habe damit einen schwierigen Start ins Leben. Grundsätzlich gilt jede Geburt vor Beendigung der 37. Schwangerschaftswoche als Frühgeburt. Als Hochrisikopatienten gelten trotz aller medizinischer Fortschritte Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm. Aber auch von diesen Kindern würden fast zwei Drittel den Start ins Leben ohne gesundheitliche Schäden über stehen, berichtete Pollak.

Ab der 23. Woche haben Frühgeborene heute eine reelle Chance zu überleben, so die Mediziner. Selbst Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 1.000 Gramm könnten so "erfolgreich ins Leben begleitet werden", betonte Angelika Berger, Leiterin der Neonatologischen Intermediate-Care-Station am AKH Wien.

In Sachen Forschung habe es in den vergangenen Jahren aber nicht nur bei diesen Hochrisikopatienten neue Erkenntnisse gegeben, berichtete Berger. So habe sich gezeigt, dass auch relativ spät - also etwa in den Wochen 33 bis 35 - Geborene ein höheres Risiko für Gesundheitsprobleme hätten. Häufig sind etwa Lungenfunktionen betroffen, das Risiko für Infektionen steigt.

Neue Arbeiten gebe es auch zur Gehirnentwicklung, sagte die Expertin. So falle in die Phase zwischen der 23. Schwangerschaftswoche und dem errechneten Geburtstermin ein wichtiger Teil dieser Entwicklung. Langsam beginnen die Wissenschafter zu verstehen, inwieweit sich äußere Reize wie Licht, Lärm oder Stress auswirken. Als mögliche Spätschäden gelten Lernstörungen, Konzentrationsschwächen oder auch Störungen der Motorik bis hin zu Intelligenzdefiziten.

Die Wissenschafter kritisierten die generell geringen Mittel für die Grundlagenforschung in Österreich. Noch prekärer sei die Situation für klinische Prüfungen. Hier gebe es kaum Fördertöpfe. Auch die Pharmaindustrie habe aus ökonomischen Gründen wenig Interesse, Medikamente speziell für Frühgeborene klinisch zu testen.

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