Politisches Erdbeben

Zehntausende kämpfen für Recht auf Abtreibung

Teilen

In den USA könnte der legale Zugang zu Abtreibungen bald der Vergangenheit angehören.

In Teilen der USA drohen Verschärfungen des Abtreibungsrechts, was einem Rückschritt des Feminismus gleichkäme. Damit wird Frauen nämlich nicht nur das Recht auf Selbstbestimmung abgesprochen – es kann auch gefährlich werden.

Entscheidung Ende Juni

Die Demokrat:innen versuchten letzte Woche im Senat, das Recht auf Abtreibung mit einem bundesweiten Gesetz zu festigen. Doch die Republikaner:innen sowie der Demokrat Joe Manchin blockten ab – jetzt fürchten viele Amerikaner:innen, dass das Oberste Gericht das Recht auf Abtreibung voll und ganz verbieten will. Denn in Amerika sind Abtreibungen prinzipiell bis zur 24. Woche, der Lebensfähigkeit des Fötus, erlaubt. Dies basiert auf dem Urteil von 1973 – der Fall „Roe gegen Wade“ legalisierte den Schwangerschaftsabbruch. Nun soll Ende Juni die höchstrichterliche Entscheidung fallen, ob dieses Grundurteil aufgehoben wird. Dann hätten alle 50 Bundesstaaten die freie Wahl, Abtreibungen zu verbieten oder zu erschweren – und das bringt Tausende von Menschen auf die Straße, die fordern: „Mein Körper, meine Entscheidung!“

Zehntausende kämpfen für Recht auf Abtreibung
© Getty
× Zehntausende kämpfen für Recht auf Abtreibung

Bald könnten US-Staaten selbst entscheiden, ob sie Abtreibungen verbieten. Demonstrant:innen gehen auf die Barrikaden.

Keine Ausnahme bei Vergewaltigung und Inzest

In konservativen Staaten ist der Zugang zu Abtreibungen schon jetzt mit sämtlichen Hürden verbunden. Alabama, Texas oder Ohio verbieten jede Abtreibung ab dem Zeitpunkt, „an dem bekannt ist, dass eine Frau schwanger ist“. Keine Ausnahme gibt es bei Vergewaltigung oder bei Inzest – unglaublich: Die Abgeordnete Jean Schmidt bezeichnete eine Schwangerschaft nach einem Missbrauch sogar als „Chance für das Mädchen“. In Oklahoma droht Taxifahrer:innen eine saftige Geldstrafe, wenn sie Betroffene in Kliniken fahren – Fahrtenvermittler wollen für sämtliche Anwaltskosten ihrer Lenker:innen aufkommen. Auch große Firmen wollen ihre Mitarbeiterinnen finanziell unterstützen, sollten sie in andere Bundesstaaten reisen müssen, um den medizinischen Eingriff wahrnehmen zu können.

Rechte der Frauen stehen am Spiel

Amnesty International warnt: „Anti-Abtreibungsgesetze stoppen oder reduzieren Abtreibungen nicht, aber sie machen sie gefährlich.“ Sollten Abbrüche eingeschränkt oder verboten werden, müssen Frauen nach unsicherenAlternativen suchen. Das weiß auch die demokratische Politikerin Nancy Pelosi, 82: „In einer republikanischen Zukunft würden unsere Töchter zum ersten Mal weniger Freiheiten haben als ihre Mütter. In diesem Kampf stehen die Rechte der Frauen – und aller Amerikaner – auf dem Spiel.“ Düstere Aussichten ...

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten