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Wird zu oft operiert?

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BANDSCHEIBEN-OP:
Der Eingriff: Beim Bandscheibenvorfall verrutscht der Kern der Bandscheibe (die knorpelige Verbindung zwischen den Wirbelkörpern). Sie drückt dann auf das Rückenmark oder die austretenden Nerven – das schmerzt. Per Operation kann der „vorgefallene“ Teil der Bandscheibe entfernt werden.  Die Risiken: Oft bleiben die Beschwerden trotz des Eingriffs bestehen oder kehren zurück. Etwa die Hälfte der Patienten ist mit dem Ergebnis nicht zufrieden.
Alternativen: Die beste Therapie lautet: Bewegung. Ideal: Schwimmen, moderates Laufen. Selbst bei sehr großen Bandscheibenvorfällen verschwinden die Schmerzen dann häufig. Weniger gut: Tennis oder Golf.
 

SCHILDDRÜSEN-OP:
Der Eingriff: Bei Gewebeknoten und autonomen Funktionsstörungen, wie etwa einer Überfunktion oder einer Vergrößerung der Schilddrüse, wird diese teilweise oder vollständig entfernt.
Die Risiken: Nachblutungen, Stimmbandlähmung, Wundinfektion oder Taubheitsgefühl im Operationsbereich sowie kosmetische Probleme (Narben in der mittleren Halsregion). Auch eine Beeinflussung der Nebenschilddrüsen, die den Kalziumstoffwechsel regulieren, ist möglich. „Allerdings sind die Risiken derzeit extrem selten“, erklärt Dr. Bamdad Heydari von Woman&Health, Facharzt für Nuklearmedizin und Schilddrüsendiagnostik. Er glaubt auch nicht, dass viele der durchgeführten Operationen unnötig sind: „Manchmal ist die operative Sanierung der Schilddrüse die einzige und lebensrettende Maßnahme – wie etwa bei einem Schilddrüsenkarzinom. Pro und Contra müssen hier genau abgewogen werden.“
Alternativen: Vor einer Operation der Schilddrüse sollten nach einer genauen Untersuchung sämtliche Möglichkeiten ausgeschöpft werden: „Dazu zählen medikamentöse Therapie, in speziellen Fällen auch eine Radiojod-Therapie. Aber auch Medikamente können Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen. Bei jahrelanger Einnahme bestimmter Medikamente gegen Schilddrüsenüberfunktion wird zum Beispiel die Leber geschädigt. Das sollte unbedingt vermieden werden“, warnt der Experte. Der häufigste Grund dafür, dass bei vielen Menschen die Schilddrüse vergrößert ist oder Knoten bildet, ist Jodmangel. Wer viel Seefisch isst und Jodsalz verwendet, kann der Veränderung des Organs vorbeugen.



HALLUX-VALGUS-OP:

Der Eingriff: Der verdrehte oder verbogene große Zeh wird bei einer der gängigen OP-Methoden „gerichtet“, indem der Knochen im Mittelfuß durchtrennt und in geradem Winkel wieder zusammengesetzt wird.
Die Risiken: Die OP ist relativ kompliziert, an sich aber risikoarm. Es dauert jedoch oft lange und ist unangenehm, bis der Fuß wieder normal belastet werden kann.
Alternativen: Hallux valgus ist zum Teil Veranlagung – zum Teil auch durch enge Schuhe oder zu hohe Absätze bedingt. Daher kann eine Therapie mit Einlagen helfen. Auch Gymnastik kann verhindern, dass die Fehlstellung weiter fortschreitet. Auch hilfreich ist es, so oft wie möglich barfuß zu laufen!
GEBÄRMUTTER-OP:
Der Eingriff: Bei Krebs muss das Organ, meist mit den Eierstöcken, fast immer entfernt werden. Viele Operationen werden jedoch aufgrund gutartiger Befunde gemacht und wären oft vermeidbar.  
Die Risiken: „Blutungen, Verletzungen anderer Organe oder Entzündungen können auftreten. Darüber muss der Arzt die Patientin aufklären“, sagt der Wiener Gynäkologe Dr. Andreas Nather. „Bei einer so genannten Schlingenkonisation ist das Operationsrisiko minimal. Allerdings steigt danach das Frühgeburtenrisiko leicht an.“
Alternativen: „Bei heutigem Stand der Wissenschaft können Operationen häufig vermieden oder minimiert werden. Wo früher oft großzügig die gesamte Gebärmutter entfernt wurde, kann in der Mehrzahl der Fälle nun entweder organerhaltend oder laparoskopisch operiert werden“, erklärt Experte Nather. Und: Durch den Einsatz der HPV-Impfung sei die Anzahl an operationspflichtigen Gebärmutterhalsveränderungen weltweit rückläufig. „Muss operiert werden, kommt heute zumeist die schonende Schlingentechnik zum Einsatz. So konnte eine Operation, die noch vor wenigen Jahren mit mehrtägigem Spitalsaufenthalt verbunden war, heute zu einem minimalinvasiven ambulanten Eingriff reduziert werden“, verdeutlicht der Gynäkologe.


KNIEGELENKSPIEGELUNG:

Der Eingriff: Über winzige Hautschnitte wird eine Kamera in das Knie geschoben. Bei dem Eingriff wird das Kniegelenk gespült, oft auch der Knorpel geglättet. Sinnvoll, wenn etwa Bänderrisse das Gelenk blockieren, weniger bei Schmerzen und Gelenkverschleiß.
Die Risiken: Infektionen oder Gelenkversteifungen.
Alternativen: Besteht kein Grund zur Operation, helfen oft Schmerztabletten mit entzündungshemmender Wirkung. Plus: Muskeltraining, um das Gelenk wieder zu stabilisieren.