Im Februar sollte die Blues-Zeit langsam enden

Winter-Blues: Lichtmangel wirkt auf Hormonspiegel

Wochenlanges eisiges Wetter verlängert nach Meinung von Psychologen die Neigung zum "Winter-Blues". Viele Menschen seien nach Dauerfrost, Schneefall und wenig Sonnenschein spürbar schlechter drauf, sagt der deutsche Diplompsychologe York Scheller.

Im Februar könne dabei auch der erlebte Kontrast zwischen Biorhythmus und Wetter eine Rolle spielen, ergänzt der Berliner Biopsychologe Peter Walschburger. "Durch die längeren Tage kommen wir in vitalere Stimmung, doch die Kälte zwingt uns fröstelnd in die Häuser zurück." Ein Winter-Blues kann sich durch Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit oder auch durch große Stimmungsschwankungen bemerkbar machen. Oft lässt die Konzentrationsfähigkeit nach, das Schlafbedürfnis nimmt zu. Auch plötzliche Heißhungerattacken sind möglich. Walschburger warnt aber davor, miese Stimmung allein auf den Winter zu schieben. "Das Wetter wird manches Mal fälschlich beschuldigt."

Der Winter-Blues gilt Psychologen als Vorstufe zu depressiven Verstimmungen. Ausgelöst wird er hauptsächlich durch den Lichtmangel in der kalten Jahreszeit. Davon wird der Hormonhaushalt des Menschen beeinflusst. Ohne Licht produziert der Körper weniger stimmungsaufhellende Endorphine und schüttet auch geringere Mengen des "Glückshormons" Serotonin aus. Im Februar sollte die Blues-Zeit fast vorbei sein und langsam Frühlingsgefühlen Platz machen. Dieses Jahr funktioniert das bei eisigen Temperaturen oft nicht.

Für Uni-Forscher Walschburger spielen die Jahreszeiten seit Jahrtausenden eine große Rolle für die "innere Uhr" und das Wohlbefinden des Menschen. "Es gibt eine sehr intime Wechselwirkung zwischen der physikalischen Umwelt und menschlichen Stimmungslagen", sagt er. "Im Zweifelsfall sollten wir uns an diese natürlichen Profile anschmiegen und nicht glauben, dass uns die Zivilisation unabhängig davon macht." Im Winter schaltet der Organismus eben einen Gang herunter. Ein Grund zur Klage ist das nicht. Es sei eher die Frage, was man daraus macht, betont Walschburger. "Statt über das Wetter zu lamentieren, sollten wir uns lieber etwas Schönes gönnen". Manchmal helfe schon Schokolade.

"Müde und trübe Stimmung im Winter wird verstärkt, wenn Anregungen aus der Welt da draußen fehlen", berichtet auch Psychologe Scheller. "Oft trifft das Menschen, die nicht durch ihren Beruf gezwungen sind, ihre Wohnung zu verlassen." Im Unterschied zu depressiven Verstimmungen ist ein Winter-Blues oft mit einfachen Hausmitteln zu kurieren. Üblicherweise rät Scheller zu einen 15-minütigen Spaziergang an der frischen Luft. "Das kann ich bei dieser Glätte aber niemandem guten Gewissens empfehlen", sagt er. "Die Bürgersteige sind ja schon vergletschert."

Es gebe aber ungefährlichere Alternativen, um dem Licht- und Luftmangel auch in den eigenen vier Wände entgegenzuwirken. "Ich rate dazu, tagsüber sehr viele Lampen in der Wohnung anzumachen und öfter gut durchzulüften", sagt Scheller. "Auch wenn das dann ein bisschen mehr Strom und Heizung kostet." Farben machten ebenfalls bessere Laune, zum Beispiel eine rote Decke auf dem Sofa oder ein schicker Schal. "Hauptsache nicht grau", ergänzt der Psychologe.

Wichtig sei es, sich dem Winterwetter nicht einfach zu beugen, sondern das Leben aktiv und abwechselungsreich zu gestalten: Abends öfter ausgehen, Freunde einladen, Spiele auspacken oder mal den CD-Spieler aufdrehen. "Laute und fröhliche Musik macht gute Laune", berichtet Scheller. Gegen den Bewegungsmangel helfe Gymnastik auf dem Teppich. Auch ein Besuch im Schwimmbad wirke oft Wunder. Eine schöne Abwechselung sei auch das Kochen, betonte Scheller. "Das regt die Sinne an. Am besten ist etwas Leichtes mit Gemüse, sonst fällt man ja gleich wieder in den Sessel."