Wie Matti sein Leben mit der Diagnose Krebs meistert

06.12.2019

Bei Matti Salchegger (8) wurde dieses Jahr ein Lymphom diagnostiziert. Im Rahmen der „Aktion Weihnachtsherz“ haben wir den tapferen Jungen und seine Mutter besucht.

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© Wolak
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W ährend sich bei den meisten Krebspatienten gewisse, anfangs vielleicht unerklärliche Symptome bemerkbar machen, schien Matti in seinem gewohnten Alltag eher unauffällig. Der achtjährige Junge hatte bereits vor seiner Diagnose, die diesen Mai gestellt werden konnte, eine Sehschwäche und dass sich diese im Zuge der Krankheit stärker herausbildete, fiel anfangs nicht besonders auf. Heute ist klar, dass er an einem Non-Hodgkin-Lymphom leidet – einer bösartigen, aber statistisch gesehen, gut heilbaren Form von Leu­kämie.       

Schicksalsschlag. Im Rahmen der ­„Aktion Weihnachtsherz“ besuchten wir den aufgeweckten Jungen und seine alleinerziehende Mutter Marlies bei ihnen zu Hause und sprachen mit der kleinen Familie über ihr schwieriges Jahr.  

© Wolak

 
Wie kam es zu Mattis Diagnose ?
Marlies Salchegger:
Matti hatte fast ­keine Symptome, die anfangs auf seine Krankheit hingewiesen hätten, aber was ich schon gemerkt habe, ist, dass er schlechter gesehen hat. Und ich dachte mir o.k., dann mache ich mal einen Termin beim Augenarzt aus. In der Zwischenzeit war aber ein Freund von Matti zu Besuch. Und irgendwann hat Matti ihn gefragt, wo ich denn sei, und das obwohl ich nur ­wenige Meter von den Jungs entfernt stand. Dann hat Matti auch noch gesagt, dass er einen schwarzen Fleck sieht. Also habe ich beim Ärztefunkdienst angerufen. Nachdem ich alle Fragen beantwortet ­habe, hat es geheißen, dass wir innerhalb von einer Stunde ins Krankenhaus kommen sollen. Und da war ich komplett schockiert, als klar wurde, dass er wirklich fast gar nichts mehr sieht.
Matti Salchegger: Aber dafür haben wir das Konzert von Bilderbuch bis ins Spital rein gehört!
Marlies Salchegger: Stimmt, das war an diesem Tag.  

Wie ging es weiter?
Marlies Salchegger:
Ein paar Tage später wurde Matti ins AKH überstellt, wo uns die Ärzte letzten Endes erklärt haben, dass er Leukämie hat. Da kriegt man erst mal einen Schock. Und dann wurde sehr schnell die Therapie gestartet, das aber im St. Anna Kinderspital.      

 
Und wie schlug diese an?
Salchegger:
Die Ergebnisse sind recht gut, schon in sehr kurzer Zeit waren die meisten Krebszellen weg.

Wie lange musstest du dann im Krankenhaus stationär bleiben?
Matti Salchegger:
So drei Wochen.
Marlies Salchegger: Ja, die Therapie war stark eingestellt und hat dann tatsächlich gut angeschlagen.
Matti Salchegger: Und ich habe einen neuen Freund gefunden!    


Kannst du erklären, wie es dir damals ging, als du die Diagnose bekommen hast?
Matti Salchegger:
Hm, weiß nicht.
Marlies Salchegger: Ich kann mich erinnern, dass du dich aufgeregt hast. Du bist nicht gern im Krankenhaus und dann wolltest du die Tabletten am Anfang nicht nehmen. Und am Anfang war es bei ihm so, dass er sehr viel und sehr starkes Kortison nehmen musste, was total auf die Stimmung geht. Das macht aggressiv und depressiv, wie wir jetzt aus eigener Erfahrung wissen. Ich habe es nicht am eigenen Körper gespürt, wie es sich anfühlt, aber es muss schrecklich sein. Normalerweise macht der Matti immer Späße, aber während dieser Zeiten konnte man sagen, was man wollte, er blieb ernst. Und wenn dann der erste Witz gekommen ist, habe ich gewusst, dass die Wirkung nachlässt.  


Können Sie beschreiben, wie es Ihnen ging, als Sie die Diagnose erhalten haben ?
Marlies Salchegger:
Zwei, drei Tage lang war es ein Schock. Als ich zwanzig war, ist nämlich mein damals gleichaltriger Cousin an Leukämie gestorben. Und diese Erinnerung war sofort wieder da. Was dazu kommt, ist, dass ich bis dato immer einen eher alternativen Zugang zur Medizin hatte. Und ich habe mir gedacht, dass ich die Situation jetzt ganz schnell für mich klarkriegen muss. Dann kam es dazu, dass ich ein langes Gespräch mit einem Arzt von der onkologischen Station geführt habe, dem ich alle meine Zweifel geschildert habe. Er ist auf alles eingegangen und konnte sämtliche Fragen klar erläutern, weshalb ich dann letztlich Vertrauen fassen konnte. Außerdem ist diese Form von Krebs bei Kindern, statistisch ge­sehen, gut behandelbar. Und zu dieser Zeit habe ich das dann irgendwie akzeptieren können. Und jetzt... Ich hadere nicht mit unserem Schicksal und ich weiß nicht, ob ich das für dich (blickt auf ihren Sohn) auch sagen kann, aber ich habe das Gefühl, dass sich unsere Lebensqualität verbessert hat. Es ist schwer zu beschreiben, aber es ist viel tiefer und wir verstehen uns noch viel besser als zuvor. Man lernt so viele andere Leute und Schicksale kennen, bei denen es um Leben und Tod geht. Dadurch lernt man, das eigene Leben mehr zu schätzen. Matti und ich haben am eigenen Leibe erlebt: Man kann auch immer und immer wieder glücklich sein trotz/oder mit Krebs! Man durchlebt Leid, aber vielleicht gerade deshalb, tiefe, reine Freude!
Das ist das Leben – pur.        

Wie schaut dein Alltag aus? Kannst du schon wieder in die Schule gehen?
Matti Salchegger:
Nein, ich darf ja nicht mal unter Menschen. Zum Einkaufen darf ich die Mama nur zum Greißer begleiten, im Supermarkt ist die Infektionsgefahr zu groß.
Marlies Salchegger: Also raus gehen wir schon, aber eher dorthin, wo weniger Menschen unterwegs sind.


Was ist deine Lieblingsbeschäftigung aktuell?  
Matti Salchegger:
Hörspiele horchen! Besonders gern mag ich „Die drei Fragezeichen“.  
Marlies Salchegger: Und das Braillern macht dir auch Spaß, oder?
Matti Salchegger: Ja, aber da muss ich mich sehr stark konzentrieren.
Marlies Salchegger: Aber es ist Übungssache. Wenn deine Finger sensibler werden, dann wird es auch besser klappen.   


Wie haben Sie Ihren Alltag eigentlich an die neue Situation adaptieren können?
Marlies Salchegger:
Ja, mei. Der Matti ist jetzt mein Arbeitgeber (lacht). Und wir können von Glück reden, dass wir in ­Österreich sind – sowohl in sozialer als auch medizinischer Hinsicht.

Initiative mit Herz
2013 hat MADONNA gemeinsam mit der Österreichischen Kinder-Krebs-Hilfe die Aktion Weihnachtsherz ins Leben gerufen und in diesem Zuge zahlreiche Familien besucht und ihre Schicksale publik gemacht, um auf die Notwendigkeit dieser Charity aufmerksam zu machen. Denn die von der Kinder-Krebs-Hilfe angebotenen Leistungen, die Leben nachhaltig retten können, können u. a. durch Ihre Großzügigkeit angeboten werden. Dementsprechend bitten wir Sie, auch in diesem Jahr mitzuhelfen, um mit Ihrer Spende jene zu unterstützen, die vielleicht gerade keine Zukunft mehr für sich sehen. Gemeinsam können wir neue Perspektiven schaffen.

 

Das passiert mit Ihrer Spende
- Finanzielle Unterstützung bedürftiger Familien
- Finanzierung des externen onkologischen Pflegedienstes
- Unterstützung der psychosozialen Nachsorge
- Finanzierung zusätzlicher Therapien

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