Im Tiroler Nassereith tobt wieder der "Bär"

Nach dreijähriger Pause wird am kommenden Sonntag wieder der Bär in Nassereith im Tiroler Oberland toben. Erneut werden Tausende Besucher den jahrhundertealten Fasnachtsbrauch "Schellerlauf" und dessen Höhepunkt, den Kampf des Bärentreibers gegen den Bären (Winter gegen Frühling, Anm.) verfolgen.

Rund 370 Männer des Dorfes werden sich an dem farbenprächtigen nach überlieferten strengen Regeln ablaufenden Schauspiel beteiligen. Wie bei allen Tiroler Fasnachtsbräuchen steht auch beim "Schellerlaufen" der Kampf zwischen dem ersehnten Frühling und dem schwer auf der Natur lastenden Winter im Mittelpunkt. Frühling und Winter finden unter anderem in den kunstvoll geschnitzten Holzlarven und farbenprächtigen Gewändern ihren Ausdruck. Zu den "schönen Masken" gehören die namensgebenden "Scheller", "Roller" und "Kehrer", die jeweils einzigartig kostümiert im Barock- und Rokokostil, bekleidet mit bunten und Pailletten verzierten Seidengewändern durch das Dorf ziehen. Weniger prunkvoll ausgestattet sind die "Spritzer" und "Majen".

Den Beginn machen am Morgen nach der Messe die "Ruaßler", die durch die Straßen ziehen und versuchen, die anwesenden Besucher und Zuschauer im Gesicht zu "ruaßln". Nach und nach erscheinen die anderen Masken. Um Punkt zwölf beginnt der Umzug, bei dem Gruppe auf Gruppe folgt. Die "Scheller" sowie die "Roller", "Kehrer" und "Majer" bilden einen Kreis, in dessen Mitte dann der Kampf zwischen Bär und Bärentreiber ausgetragen wird. Schließlich fällt der Bär den Treiber unter lautem Gebrumm an und wirft ihn zu Boden. Der Winter ist besiegt, die "Scheller" beginnen, mit ihren kiloschweren Schellen zu läuten und auch die andern Masken hüpfen, springen und tanzen.

Die älteste schriftliche Erwähnung findet die Nassereither Fasnacht in einem Kanzleibuch, den "Causa Domini", aus dem Jahre 1740. Die erste schriftliche Aufzeichnung eines "Schellerlaufes" der Moderne ist ein Kassabuch, angelegt am 2. März 1924. Forschern zufolge dürfte der Brauch aber wesentlich älter sein. Die Larven, die den Rest der Zeit im örtlichen Fasnachtsmuseum aufbewahrt werden, wurden zum Großteil von dem Maler und Bildhauer Franz Josef Kranewitter geschaffen. Kranewitter wurde 1893 in Nassereith geboren, studierte mehrere Jahre an der Akademie für bildende Kunst in Wien und ließ sich später in seinem Heimatort nieder.