Auf Spuren illustrer Gäste auf Kuba

"Die schönste Insel, die Menschenaugen jemals erblickt haben", schrieb Christoph Kolumbus (Cristobal Colon; 1451-1506) in sein Bordbuch, als er im Zuge seiner ersten von vier Reisen in westlicher Richtung, um nach Indien zu gelangen, am 28. Oktober 1492 im heutigen Kuba vor Anker ging.

Die Landung dürfte in der heutigen Region Oriente erfolgt sein, wo sich dann später auch die ersten spanischen Siedler niederließen. Um die Ehre, erste Anlegestelle des "Admirals der Meere" gewesen zu sein, streiten sich heute die Städte Baracoa und Gibarra in der Provinz Holguin. Wo überall Kolumbus landete, pflanzte er ein Kreuz zum Zeichen der Besitznahme im Namen Gottes für die Könige des Vereinigten Spanien, Ferdinand und Isabella auf. In Baracoa zeigt man heute noch das "Para-Kreuz", das Kolumbus hier aufgestellt haben soll. Es war später in einem Haus eines der ersten Bewohner des 1513 gegründeten Baracoa gefunden worden. Kleine Teilchen wurden immer wieder herausgehauen, so dass das Kreuz immer kleiner wurde, bis man schließlich die Enden versilberte. Heute wird das Kreuz nahe dem Hauptaltar der Kirche von Baracoa aufbewahrt.

In der Gegend seines Landungsplatzes erforschte Kolumbus einige Flussläufe, über einen verfasste er einen ausführlichen Bericht in seinem Bordbuch. Der nahe von Baracoa gelegene flache Plateaufelsen El Yunque ("Amboss") war Kolumbus auch aufgefallen, im Bordbuch beschrieb er ihn als "hohen und quadratischen, einer Insel gleichenden Berg". Kolumbus Suche nach Gold wurde nicht befriedigt, von ihm erfuhr Europa aber von der Angewohnheit der auf Kuba lebenden Eingeborenen, Blätter der Coluba-Pflanze (Tabak) zusammenzurollen, anzuzünden und den Rauch einzuatmen. Das sollte später zu einem großen Geschäft der Kolonisatoren werden.

Kolumbus, dessen Denkmal in Havanna im Hof des Palacio de los Capitanes Generales (heute Stadtmuseum) steht, kam bei seiner zweiten Reise 1493 nochmals nach Kuba. Er entdeckte die Hafenbucht des heutigen Santiago, die er wegen ihrer ausgesprochenen Schutzlage Puerto Real ("Königshafen") nannte.

Wenn Kolumbus als "erster" Entdecker Amerikas gilt, so ist Alexander von Humboldt (1769-1859) "zweiter" Entdecker dieser Weltregion. Über Kuba, das er zusammen mit dem ihn begleitenden französischen Naturwissenschafter Aime Bonpland zweimal besuchte (Dezember 1800 bis März 1801 und nach seiner Rückkehr aus Südamerika und Mexiko von März bis April 1804) schrieb er in sein Tagebuch: "Es gibt keine Insel, die so reich an Düften ist wie Kuba". Wie auf der ganzen Reise durch die Neue Welt stellten beide Wissenschafter Studien über Natur, Geographie und Gesellschaft der besuchten Länder und damit auch über Kuba an. Bei der Weiterreise nach dem ersten Aufenthalt auf Kuba nach Cartagena (im heutigen Kolumbien) machten beide kurz Station in Trinidad an der Südküste Kubas, wo das Haus, in dem sie wohnten, heute noch eine Gedenktafel trägt. Beim zweiten Aufenthalt von Humboldt und Bonpland in Kuba war der US-Konsul in Havanna, Vincent Gray, auf beide aufmerksam geworden. Er überredete sie, die Heimreise nach Europa über die USA zu unternehmen. Dort nahmen Präsident Thomas Jefferson und Außenminister James Madison ihre Berichte mit Interesse entgegen. Humboldts 1826 veröffentlichter "Essai politique" wurde von der spanischen Kolonialregierung auf der Insel verboten, weil Humboldt darin die Sklaverei scharf kritisiert hatte ("Die Sklaverei ist das größte aller Übel, welche die Menschheit gepeinigt haben").

Heute trägt ein Nationalpark im Osten Kubas den Namen Humboldts. In Havannas Altstadt haben die Kubaner mit deutscher Hilfe ein allerdings nicht allzu reichhaltiges Humboldt-Museum im Haus eingerichtet, wo die beiden Wissenschafter während ihres ersten Kuba-Aufenthaltes gewohnt hatten. Im kleinen Park davor steht ein Denkmal Humboldts.

(Von Harald Krachler/APA)