Wenn Brustimplantate krank machen

Die Brust in Gefahr

Wenn Brustimplantate krank machen

Risiko im Check. Die Wissenschaft widmet sich aktuell dem seltenen Phänomen der Breast Implant Illness. Der Experte erklärt in MADONNA, was es mit der „Brust Implantat Erkrankung“ auf sich hat und woraufPatientinnen mit Implantaten achten sollten.

Brustvergrößerungen gehören zu den häufigsten Operationen in der plastischen Chirurgie. Dank neuer Technologien und Methoden lässt sich der Eingriff mittlerweile sehr sicher durchführen, doch keine OP ist frei von Risiken. Während die meisten Patientinnen nach Brustvergrößerung beschwerdefrei das Leben mit der neuen Wunsch-Oberweite genießen, tauchen auf Social Media immer häufiger Erfahrungsberichte von Frauen auf, die nach der Operation unter Nebenwirkungen leiden. Die Betroffenen berichten von schmerzhafter Verhärtung oder Verformung des Implantats, Einziehungen oder Asymmetrien. In Internetforen kursiert der Begriff „Breast Implant Illness“ und auch die Wissenschaft geht dieser Erkrankung vermehrt nach.

Nachgefragt. Prof. Dr. Florian Fitzal vom Brustgesundheitszentrum der Medizinischen Universität Wien hat uns über den aktuellen Wissensstand der Forschung aufgeklärt.

Herr Professor, auf Social Media klagen ­immer mehr Frauen über die sogenannte „Breast Implant Illness“. Handelt es sich hierbei um ein neues Phänomen?
Prof. Fitzal:
Nein, wir kennen dieses Phänomen seit den 1990er-Jahren, aber wir haben aufgrund von Social Media mehr Awareness dafür. Es geht hier um das Auftreten von körperlichen Symptomen wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen oder auch Schwindel und anderen sehr allgemein Symptome, welche auch bei Menschen ohne Implantate vorkommen.

Hatten Sie schon solche Fälle in Ihre Ordination und wie sieht die Therapie aus?
Prof. Fitzal:
Da solche Symptome sehr allgemein sind, ist es schwer, diese dem Implantat alleine zuzuordnen, tatsächlich ist mir ein gehäufter Zusammenhang zwischen diesen Symptomen und Brustimplantaten in meiner persönlichen Praxis nicht aufgefallen.

Müssen sich jetzt Frauen mit Implantaten Sorgen machen?
Prof. Fitzal:
Nein, das ist überhaupt nicht notwendig. Die einzige für mich doch relevante Erkrankung, welche durch Implantate entstehen kann, ist das sehr seltene BIA ALCL, eine Lymphomart (Krebs des Immunsystems). Weltweit sind nur 700 Fälle dokumentiert. Dieser Zahl stehen in etwa 20–25 Millionen Implantate gegenüber. Das Risiko von Implantatträgerinnen, diese Krankheit zu entwickeln, steht also bei etwa 1:10000.

Wird dann das Implantat herausgenommen oder gibt es andere Therapieansätze?
Prof. Fitzal:
Wenn man die Diagnose Lymphom hat, muss man das Implantat und die Kapsel herausnehmen. Jedes Implantat wird vom Körper abgekapselt. Das ist etwas, was immer – zu hundert Prozent – passiert. In der Bindegewebskapsel, welcher der Körper um das Implantat formt, steckt das Lymphom drin. Was man im Anschluss an die Behandlung macht, hängt vom Geschmack der Patientin ab: Man kann natürlich wieder ein Implantat einsetzen, sollte aber vorsichtig sein, welches man nimmt, und besprechen, ob das psychologisch für die Frau überhaupt eine gute Entscheidung ist.

Gibt es Patientinnen, denen Sie im Vorfeld einer Operation eher abraten würden, sich ein Implantat einsetzen zu lassen?
Prof. Fitzal:
Da haben wir aufgrund der geringen Fallzahlen wenig Wissen, aber es dürfte sich so verhalten, dass Frauen mit Systemerkrankungen (spezielle Auto-Immunerkrankungen oder Kollagenosen) eher zu Lymphomen neigen könnten. Da würde ich Patientinnen nicht abraten, aber aufklären. Frauen sollten wissen, worauf sie sich hier einlassen. Ich sehe auch keinen Grund, gewisse Implantate zu verbieten, aber das könnte sich durchaus mit den Daten in den nächsten Jahren ändern. So, wie die Datenlage jetzt ist, sehe ich keinen Grund, das zu ändern. Es gibt Sicherheitskommissionen, die sich das genau anschauen und regelmäßig tagen. Solange es hier keine Warnung gibt, sehe ich keine Bedenken.

Vernünftige Nachsorge bei Brust-OP ist Pflicht

Bereits im Vorfeld informieren

Wer sich für eine Brustvergrößerung entscheidet, sollte sich informieren und den richtigen Spezialisten wählen: „Suchen Sie sich einen Experten, der auch chirurgisch tätig ist“, rät Prof. Fitzal. „Der Arzt oder die Ärztin sollte ein fundiertes Wissen und jahrelange Erfahrungen mit Brustvergrößerungen haben. Die Chemie zwischen Arzt und Patient ist auch ein ganz entscheidender Faktor, um mit einem guten Vertrauen den Weg gemeinsam weiter zu gehen. Mit der Brustvergrößerung endet der Weg ja nicht, sondern sollte bei der Nachsorge weiter gegangen werden.“

Auswahl des Implantats

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder der Ärztin verschiedene Implantatsmodelle zeigen und die Unterschiede erklären. Es ist nicht für jede Frau das gleiche Implantat das richtige. Erkundigen Sie sich auch über die Operationsmethode.

Bewusstsein für Eingriff


Auch wenn Brustvergrößerungen mittlerweile sehr sicher vorgenommen werden, sollten Sie sich von Ihrem Arzt über mögliche Risiken und Komplikationen aufklären.

Empfehlungen des Arztes

Patientinnen, die sich für den Eingriff entscheiden, können zum Erfolg der Operation beitragen: Halten Sie sich an die Checkliste und Anweisungen Ihres Arztes: Vermeidung gewisser Medikamente, Nikotinverbot etc. Befolgen Sie die Anweisungen für die Nachsorge und halten Sie Kontrolltermine ein.

1 Mal jährlich Magnetresonanz

Neben der Brustkrebsvorsorge ist auch die Implantatkontrolle von größter Wichtigkeit: „Bei Brustvergrößerung hat man einen Fremdkörper im Körper, deshalb sollte regelmäßig nachgesorgt werden“, klärt Prof. Fitzal auf. „Was den Frauen oft nicht gesagt wird: Laut rechtlicher Vorschrift der Implantate sollte man einmal im Jahr eine Magnetresonanz zur Überprüfung machen.“ Sein Appell an Implantatträgerinnen: „Wenn ich Implantate habe, lasse ich 1–2 Mal im Jahr – je nach Alter – eine Magnetresonanz an der Brust vornehmen.“

© Prof. Dr. Fitzal

Facharzt für Allgemeine Chirurgie und Viszeralchirurgie. Er ist stellvertretender Leiter der Brustchirurgie im Brustgesundheitszentrum der Medizinischen Universität Wien und führt eine Ordination in Wien. www.fitzal.at