"So lief mein sexperiment"

Erotik-Test

"So lief mein sexperiment"

Hightech-Sex-Toys, Tantra-Massage, Dirty Talk, Liebesschaukel u. v. m. Alexandra Reinwarth testete so ziemlich alles, was die Erotikbranche zu bieten hat. Ihr Fazit verrät sie im Talk.

Sie wollte die beste Liebhaberin der Welt werden. Nicht weil der Sex mit dem Liebsten so langweilig war. „Sondern, weil ich mir sicher war, dass das noch nicht alles sein kann – einmal die Woche, meist in der Löffelchenstellung. Nach drei Jahren Beziehung stellte ich mir die Frage: War’s das jetzt?“ So beschloss Alexandra Reinwarth (32), Autorin aus Deutschland, ein Jahr lang alles auszuprobieren, um ihr Liebesleben auf Hochtouren zu bringen. „Also“, so Reinwarth, „habe ich mir ein richtiges Programm zusammengestellt!“
In ihrem Buch Das Sexprojekt – Wie ich (mich) auszog, die beste Liebhaberin der Welt zu werden hat sie ihre – teils humorvollen – Erlebnisse – niedergeschrieben. Im MADONNA-Interview verrät Reinwarth, was Sie unbedingt ausprobieren sollten, wovon man lieber die Finger lässt und wie das Sexperiment ihr Leben veränderte.

Sie haben sich über den Zeitraum von einem Jahr ein umfangreiches Sexprogramm zusammengestellt. Was haben Sie alles ausprobiert?
Alexandra Reinwarth: Ich habe ganz viele lustige Sexspielzeuge ausprobiert, ich habe den G-Punkt und die Prostata gesucht, ich habe ein Edel-Callgirl getroffen, ich habe Strippen gelernt, den Beckenboden ausgebaut und Aphrodisiaka geschluckt – also alles Mögliche. Ich bin in einer Liebesschaukel gebaumelt und habe den Eros CTD getestet.
Bitte was?
Reinwarth: Ein Eros CTD ist eine Höllenmaschine. Vom Prinzip her ist das wie eine Penis-Pumpe, also es erzeugt ein Vakuum, ist aber gemacht für Frauen. Es wird über die Klitoris gestülpt und erzeugt einen Unterdruck. Eigentlich ist es als medizinisches Gerät ausgewiesen, aber derzeit der große Hype in den USA. Es verspricht eine verbesserte Orgasmusfähigkeit von bis zu 50 Prozent.
Und hielt dieses Versprechen?
Reinwarth: Es hat tatsächlich etwas bewirkt, aber nicht, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich war körperlich plötzlich total erregt – leider zu den unangemessensten Zeiten, wie beim Einkaufen. Es ist ein lustiges Spielzeug, aber nicht das ultimative Geheimrezept.
Was würden Sie persönlich weiterempfehlen?
Reinwarth: Was mir sehr geholfen hat und mir sehr gefallen hat, war die Tantra-Massage. Dabei hatte ich so geringe Erwartungen. Ich stellte mir immer vor, es wäre eine Handmassage mit Räucherstäbchen. Gemeinsam mit meinem Freund belegte ich einen Kurs, und uns wurde eine ganz neue Art gezeigt, wie man sich wieder berühren kann. Denn gerade diese Art der Berührung geht nach längerer Zeit oft verloren.
Was sollte man sonst noch ausprobieren?
Reinwarth: Nicht lachen, aber Dirty Talking fand ich ganz toll. Also dieses dreckig Daherreden im Bett, was wahnsinniges Peinlichkeitspotenzial hat, wo man jedoch über seinen Schatten springen muss. Zuerst ist es ganz ungewohnt und eigenartig, es hat aber dann zu einer großen Nähe zwischen uns beiden geführt.
Wovon sollte man lieber die Finger lassen?
Reinwarth: Ich glaube, von den ganzen Aphrodisiaka kann man getrost abraten. Also, wenn man da eine Flasche Bier aufmacht, ist das sinnvoller. Was mich auch sehr amüsiert hat, war die Liebesschaukel. Also diese Apparatur, die man an der Decke aufhängt. Da lag ich wirklich drinnen wie ein sterbender Schwan. Es war wahnsinnig lustig, aber erotisch eine Nullnummer. Vor allem, da mein Freund ein Sicherheitsfanatiker ist und Angst hatte, mit dem Ding von der Decke zu krachen. Zudem etwas mühsam zu befestigen. Die Verkäufer vom Baumarkt haben auch etwas schräg geschaut, als ich einen Deckenhaken für 150 Kilo gekauft habe. Das Kurioseste, was ich getestet habe, war auf jeden Fall das Vibrierende Ei – eine Art Vibrator, den man einführt und der bei z. B. Anrufen vibriert.
Wie hat das Sexprojekt Ihr Liebesleben verändert?
Reinwarth: Es hat insofern sehr viel gebracht, als dass man Dinge ausprobiert, die man sich normal nie trauen würde. Das heißt, man muss sich öffnen, man macht sich verletzlich. Es schafft so eine schöne Stimmung, es schafft so eine ganz besondere Nähe, die hervorragend ist, um guten Sex zu haben. Das ist eigentlich das großartige an dem ganzen Projekt.
Sind Sie jetzt eine bessere Liebhaberin?
Reinwarth:
Ich glaube: Ja! Als ich dabei war, das Buch zu schreiben, habe ich meinen Freund natürlich gefragt. Und er hat dann gesagt, ich wär’s – auf jeden Fall. Also zumindest für ihn. Aber ganz sicher ist man sich da ja nie.
Ihr Tipp für alle Frauen, die 2013 ihr Sexleben aufpeppen wollen?
Reinwarth: Man muss einfach mal anfangen, die Dinge, die man liest oder von denen man hört, auszuprobieren – ohne Scheu. Und man sollte auch Dinge ausprobieren, von denen man glaubt, dass sie einem gar keinen Spaß im Bett machen würden. Zumindest bringen sie einen zum Lachen …