Unterweger: 'Ich will etwas bewegen'

Neue ZiB-Lady im Talk

Unterweger: 'Ich will etwas bewegen'

Claudia Unterweger (39) bezeichnet sich per Selbstdefinition als „Afro-Österreicherin“, als Teil einer Generation von jungen, schwarzen Menschen, die in Österreich aufgewachsen sind und immer noch als Ausnahmeerscheinung angesehen werden“. Welcher Elternteil von wo kommt, darüber schweigt sie sich aus, genauso über ihren Familienstand. „Zu privat!“ Aber so viel gibt sie von sich preis: Sie ist Mutter eines zwölfjährigen Sohnes und eine Frau mit Gerechtigkeitssinn, die als öffentliches Gesicht noch so einiges für Afro-Österreicherinnnen bewegen will. In MADONNA spricht sie über ihre Karriere, Rassismus und das Frau-Sein:

Sie feierten diese Woche als ZiB-Flash-Moderatorin Ihr Debüt. Hatten Sie Lampenfieber?
Claudia Unterweger:
Gleich der erste Tag war eine sehr spannende Erfahrung. Minütlich sind neue Meldungen aus Libyen eingetroffen. Mir macht die neue Aufgabe sehr viel Spaß. Da ist auch das Lampenfieber in den Hintergrund getreten.

Wie kam es zu dem ORF-Engagement?
Unterweger:
Ich habe davor zehn Jahre bei FM4 gearbeitet. Ich wurde gefragt, ob mich der Job interessieren würde, und habe am Casting teilgenommen. Ich habe mich nicht aktiv beworben, obwohl das jetzt nicht gut klingt, wenn man als Frau sagt, man kümmert sich nicht aktiv um die Karriere (lacht).

Sie sind die erste ORF-Nachrichtensprecherin mit afroamerikanischen Wurzeln. Welche Signale möchten Sie setzen?
Unterweger:
Ich würde mich als Mensch mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn beschreiben. Ich möchte das Bewusstsein schärfen, dass es innerhalb unserer Gesellschaft für unterschiedliche  Schichten leider ganz unterschiedliche Chancen gibt.

Waren Sie je von Rassismus und Vorurteilen betroffen?
Unterweger:
Ja, denn Rassismus ist in Österreich eine tägliche Realität – vor allem durch die aktuelle Politik. Ich hatte das Glück, dass in meiner persönlichen beruflichen Laufbahn meine Herkunft keine Rolle gespielt hat. Aber ich bin mir bewusst, dass schwarze Frauen in Österreich massiv mit Vorurteilen konfrontiert sind. Sie müssen noch mehr leisten als andere, um ernst genommen zu werden. Diese Situation kostet wahnsinnig viel Kraft, so viel Kraft, die andere nützen können, um persönlich weiterzukommen.

Was bedeutet Ihnen der Weltfrauentag?
Unterweger:
Allein die Tatsache, dass es eines Frauentages bedarf, ist bedenklich. Leider gehen Frauen mit Migrationshintergrund oft an diesem Tag unter. Ich würde mir wünschen, dass noch verstärkt Bewusstsein für diese Frauen geschaffen wird.

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