Fall Anastasia Sokol - das sagen Experten

Magersucht:

Fall Anastasia Sokol - das sagen Experten

Was tun, wenn – wie im Fall Anastasia „Katzi“ Sokol – eine junge Frau vor den Augen aller zu verhungern droht? Der Report.

Hilfe, mein Kind verhungert!
Sie war 16 oder 17 Jahre alt“, erzählt Svetlana Rockenbauer mit gebrochener Stimme. „Plötzlich fand ich überall in unserer Wohnung Säcke mit Erbrochenem. Ich wusste zuerst gar nicht, was das zu bedeuten hat.“ Die Rede ist von jener jungen Frau, die seit Wochen für internationale Schlagzeilen sorgt. Anastasia Sokol (22), bekannt als Richard Lugners „Katzi“, ist magersüchtig und hat mit einem Gewicht von nur 33 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,66 Meter den absoluten Tiefpunkt ihrer Krankheit erreicht. Ob des medialen Drucks beteuert Anastasia jetzt, dass sie demnächst mit einer Therapie beginnen und sich in stationäre Behandlung begeben will. Eine Behauptung, die ihre besorgte Mutter im MADONNA-Interview so kommentiert: „Ich denke, es gehört zu ihrem Krankheitsbild, dass sie sich einsichtig zeigt.“ Auch Richard Lugner klagt immer wieder über seine Hilflosigkeit. Was tun, wenn ein geliebter Mensch vor aller Augen zu verhungern droht und sich immer weiter zurückzieht?

Im Interview mit MADONNA sprach Svetlana Rockenbauer über die Krankheit ihrer Tochter. Plus: Anastasia Sokol über ihre öffentliche Krankheit.

Das sagt die Mutter:

Frau Rockenbauer, Sie haben kürzlich gesagt, dass Sie Ihre Tochter entmündigen lassen möchten...
Svetlana Rockenbauer:
Ja, ich wollte das schon früher machen. 2007, 2008 war es schon mal ganz schrecklich – damals hat meine Tochter in eine Therapie eingewilligt, hat sie dann aber nie gemacht. Nachdem es ihr dann besser ging, dachte ich, sie hat die Krankheit endlich überwunden. Dabei ist es heute noch schlimmer. Ich weiß mir nicht mehr zu helfen. Was soll ich denn tun? Dabei zusehen, wie mein Kind vor meinen Augen stirbt?

Wie würden Sie Ihr derzeitiges Verhältnis zu Ihrer Tochter beschreiben?
Rockenbauer:
Sie war immer sehr stur und schwierig. Aber es stimmt nicht, dass ich sie zu ihren Großeltern abgeschoben habe. Ich weiß nicht, wieso sie so etwas sagt. Doch egal, was sie sagt, Anastasia bleibt immer mein geliebtes Kind, deshalb will ich ihr unbedingt helfen!

Ihre Tochter sagt, dass sie demnächst in ein Therapiezentrum geht...
Rockenbauer
: Ja, mir hat sie das auch schon gesagt, aber ich glaube es ihr ehrlich gesagt nicht. Es gehört einfach zum Krankheitsbild dazu, dass sie sich einsichtig zeigt.
Wann haben Sie bemerkt, dass mit Ihrer Tochter etwas nicht stimmt?
rockenbauer: Als sie circa 16, 17 Jahre alt war. Ich habe plötzlich Säcke mit Erbrochenem gefunden. Ich habe zuerst gar nicht verstanden, was mit ihr los ist, habe sie zum Arzt geschickt. Dann hatte Anastasia auch noch einen Autounfall, nachdem sie dann total der Krankheit verfiel. Mein Mann und ich haben immer wieder versucht, ihr zu helfen. Doch irgendwann ging mir die Kraft aus. Mein Mann war immer so gut zu ihr, aber irgendwann konnte auch er nicht mehr.

Machen Sie sich heute Vorwürfe?
Rockenbauer:
Ja, ich gebe mir selbst die größte Schuld.

Das sagt "Katzi":

Anastasia, wie geht es Ihnen?
Anastasia Sokol:
An manchen ­Tagen habe ich das Gefühl, dass ich alles im Griff habe. Und dann habe ich wieder Phasen, in denen es mir schlechter denn je geht. Ich kriege keine Linie in mein Leben, das ist das Problem. Aber so geht es ja nicht nur mir, sondern allen Menschen mit Essstörungen.

Sind Sie derzeit in Therapie?
Sokol:
Ich konzentriere mich derzeit auf die medizinischen Untersuchungen, weil ich Befunde brauche, damit mir geholfen werden kann. Ich habe große Angst vor diesen Befunden – ich spüre ja, dass ich krank bin. Wenn ich die Befunde habe, gehe ich in das Therapiezentrum in Kärnten. Ich habe ja eh von Anfang an gesagt, dass ich Hilfe brauche und annehme. Ich weiß, dass ich mich abschotten und zu mir finden muss.

Ohne Richard Lugner und Kameras?
Sokol:
Ja, ich habe gelernt, „Nein“ zu sagen. RTL darf ich mich nur zweimal die Woche für 20 Minuten besuchen...

Wie begann Ihre Erkrankung?
Sokol:
Ja, es hat ganz harmlos damit angefangen, indemdass ich nach meinem ersten Urlaub mit Richard ein paar Kilo abnehmen wollte, weil mir meine Hosen nicht mehr gepasst haben. Und dann wurde ich immer weniger und weniger. Mir ist also völlig klar, wie es passiert ist, ich kann aber nichts dagegen machen. Ich rede deshalb so offen da­rüber, damit mir geholfen werden kann – und auch, um andere Mädchen zu warnen. Das Schreckliche ist, dass ich für manche Magersüchtigen sogar schon ein Vorbild bin.

Hat Ihr Lebensgefährte Richard nicht schon früher Aber Herr Lugner muss ja schon früher gesehen, dass 
Sie krank sind?...
Sokol:
Wenn man mit dem nicht Klartext spricht, merkt er wenig. Er ist halt auch nur ein Mann!

Denken Sie, dass es Ihnen ohne ihn und den permanenten medialen Stress besser ginge?
Sokol:
Darüber habe ich schon so oft nachgedacht und auch schon meine Sachen gepackt. Aber ich kann nicht mit ihm und nicht ohne ihn

MADONNA fragte bei Expertinnen nach, was Angehörige von Essstörungs-PatientInnen tun können, wann Lebensgefahr besteht, was die absoluten No-Gos in so einem Fall sind und ob es rechtliche Optionen gibt. Lesen Sie den ganzen Aritkel und die wichtigsten Fragen rund um Magersucht 6 Co in Ihrer aktuellen MADONNA.

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