Clubbing statt Opernball

Grand Dame Lotte Tobisch (86)

Clubbing statt Opernball

Tabubruch. Stillstand ist ein Fremdwort für Lotte Tobisch. Mit 85 wird die ehemalige Opernball-Lady zur Schirmherrin des Glamour-Clubbings „Glitzeria“.

Über 2.500 aufgestylte Menschen, verrückte Partyleute, die es richtig krachen lassen, Hetero- und Homosexuelle bunt gemischt, tanzend zu heißen Beats der DJs – und mitten drunter: Lotte Tobisch. Die 85-jährige Grande Dame, einst Schauspielerin, 16 Jahre lang erfolgreiche und geliebte Opernballorganisatorin und heute karitativ engagierte, junggebliebene Weltbürgerin, ist Schirmherrin von „Glitzeria“. Zusammen mit Almdudler-Boss Thomas Klein, Modeexperten Adi Weiss, Event-Profi Christian Lakatos und Ottakringer-Event-Manager Harald Neger bittet Lotte Tobisch am Samstag, dem 3. Dezember, in die Wiener Ottakringer Brauerei zum Tanz – oder besser gesagt: auf den Dancefloor. Das Interview.

Frau Prof. Tobisch, Sie fungieren als Schirmherrin von „Glitzeria“ – wie kam es dazu?

Lotte Tobisch: Eine meiner Tätigkeiten ist mein Engagement für das Künstlerheim in Baden. Das liegt mir wirklich sehr am Herzen, aber es ist leider eine enorme Krux mit dem Geld. Ich mache mittlerweile fast alles, um Spenden dafür zu lukrieren (lacht). Irgendwann hat mich Thomas Klein gefragt, ob ich die Schirmherrschaft seines Clubbings übernehme. Ich habe nicht nur wegen des Künstlerheims zugesagt, sondern auch, weil ich ihn sehr gerne mag. Er ist ein netter, mutiger Mann. Sein Outing (Thomas Klein outete sich als homosexuell, Anm.) hat mir sehr imponiert.
Mit 85 Jahren auf einem Clubbing – das ist ungewöhnlich!
Tobisch: Ich bin auch schon am Life Ball über den Laufsteg gelaufen. Für eine gute Sache bin ich wirklich immer zu haben. Außerdem, was soll mir schon passieren? Ich kann mich ja durchsetzen (lacht). Ich freue mich darauf, obwohl ich ja eigentlich überhaupt kein Partymensch bin. Ich trinke keinen Alkohol, rauche nicht – und tanze um nichts in der Welt Walzer.
Sie tauschen sozusagen Opernball gegen „Glitzeria“. Ist Ihnen der Opernball zu verstaubt?
Tobisch: Der Opernball war nie das Zentrum meines Lebens. Ob meiner Verweigerung von Tanz und Wein war ich im Grunde eine Fehlbesetzung, aber ich habe es gerne gemacht. Und wenn ich etwas mache, dann tue ich es richtig. Mein Herz hat aber nicht daran gehangen und ich habe mir auch nicht schwergetan mit dem Abschied vom Opernball. Ich habe aber niemals auf den Opernball nach „meiner Zeit“ geschimpft und das würde ich auch nie tun.
Aber verstehen Sie Kritiker, die meinen, der Ball müsse mehr mit der Zeit gehen?
Tobisch: Nein, es wurde doch einiges neu gemacht – und mir persönlich gefällt vieles davon aber überhaupt nicht. Die Frage ist auch, ob das so gut ist. Man muss sich nur diesen ganzen royalen Hochzeitszirkus in Monaco und England ansehen. Das ist doch alles nicht mehr zeitgemäß, aber die Leute lieben es trotzdem. Ein Journalist hat mich mal gefragt, ob es noch zeitgemäß wäre, einen Ball nur für feine Leute zu veranstalten. Das ist doch lächerlich: Der Opernball wird von 7.000 Menschen besucht. So viele feine Leute gibt es auf der ganzen Welt nicht! (Lacht.)
Zurück zu „Glitzeria“, einem riesigen Clubbing, bei dem auch sehr viele Homosexuelle feiern. Was halten Sie von der Offenheit dieser Generation in Sachen Sexualität?
Tobisch: Ich habe niemals über Sex gesprochen und bin auch ganz glücklich darüber, dass ich nie eine Sexbombe war. Wenn andere Leute gerne über ihre Intimsphäre sprechen, ist das deren Sache. Wenn es um das Thema Homosexualität geht, ist das etwas anderes. Da geht es darum, dass ein Tabuthema endlich aufgebrochen ist. Das halte ich für sehr wichtig. Abseits davon sehe ich aber nicht ein, warum jeder sein Sexualleben an die große Glocke hängen und die Anzahl seiner Liebhaber verraten muss.
Verraten Sie uns abschließend noch das Geheimnis Ihrer Jugendlichkeit?
Tobisch: Ich schmeiße alles weg, auf dem steht, dass es Falten aufpolstern würde. Das kostet mich nur einen Lacher. Nivea-Creme tut es auch. Es ist aber wichtig, sich zu pflegen und sich nicht gehen zu lassen. Disziplin gehört zum Leben dazu – und ein bisschen Glück.