Trauer und Schuldgefühle

Interview

Trauer und Schuldgefühle

Der tragische Tod von Sophie Zanger († 4) schockierte vor zwei Jahren die Welt. Ihr Bruder Rafael lebt heute bei seinem Vater Sascha Zanger, der nun eine Anklageschrift herausbrachte – gegen das System, die Peiniger seiner Kinder & sich selbst.

"Ich wollte aus dem Fenster springen“
So beschreibt Sascha Zanger (40) den Moment, als er seine Tochter Sophie im Juni 2009 in einem Krankenhaus in Rio de Janeiro vorfand. Das Gesicht der Vierjährigen blau und blutig geschlagen, der ganze Körper bandagiert, um die tiefen Wunden zu verdecken, auf 14 Kilogramm abgemagert. „Sie war bereits gestorben, als ich kam. Ihr Genick war durch einen Schlag mit einem Holzscheit gebrochen“, so Zanger mit leiser Stimme.

Verhängnisvolle Affäre
Seine Liebe zu einer Brasilianerin, die er als 23-Jähriger in einer Diskothek in Brasilien kennengelernt hatte, wurde Sascha Zanger zum Verhängnis. Nachdem Maristela (heute 42) zu ihm nach Wien gezogen war und ihm ihren ersten Sohn geschenkt hatte, veränderte sich Zangers Frau drastisch. „Wie sich später herausstellte, leidet sie an einer starken Nervenkrankheit, die schwere Psychosen verursacht“, erklärt der Kaufmann.

In den Slums von Rio
Nach der Geburt von Tochter Sophie eskalierte schließlich die Situation. Im Jänner 2008 floh Maristela mit beiden Kindern nach Brasilien – und tauchte in den riesigen Favelas (Slums) von Rio unter. „Ich habe alles unternommen, um Rafael und Sophie zu finden“, erklärt Sascha Zanger, Sohn des bekannten Wiener Rechtsanwalts Georg Zanger. Als er erfuhr, dass seine Ex-Frau die beiden Kinder ihrer Schwester und deren Tochter überlassen hatte, schlug der Kaufmann abermals Alarm.

„Ich hatte keine Chance"
Die brasilianischen Behören verweigerten die Anwendung des Haager Konventionsabkommens, erkannten die fremden Personen als Pflegeeltern an.“ Eine Entscheidung mit dramatischen Folgen. Rafael und Sophie wurden monatelang von der brutalen Tante und Cousine misshandelt. Das Geld, das Zanger für seine Kinder überwies, kassierten sie ein und ließen die Kinder hungern. Jeglicher Versuch des Vaters, die Kinder zu sehen oder gar mitzunehmen, scheiterte.

Unfassbare Tragödie
Bis zum 19. Juni. Jenem Tag, an dem ein Schlag auf den Kopf des erst vierjährigen Mädchens tödlich endete. In seinem Buch „Nur die Puppe blieb“ schrieb Sascha Zanger (in Zusammenarbeit mit Autorin Silvia Gredenberg) nun offen und ungeschönt über die unfassbare Tragödie. Aus seiner Sicht und aus der seines heute 14-jährigen Sohnes, der dem Martyrium letztlich entkam und heute mit seinem Vater in Wien lebt.

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