'Das Ende ist mein Anfang'

Talk über Verlust und Trauer

'Das Ende ist mein Anfang'

Sinnsuche
Das Leben geht, wie einst der Maler Paul Klee eines seiner Werke betitelte „Haupt- und Nebenwege“. Und immer sind wir auf der Suche nach dem Lebenssinn, den der Journalist Tiziano Terzani so simpel wie schier unmöglich erklärt: „Der Sinn des Lebens“ nämlich sei einfach „der zu sein, der man ist.“ Um das zu erfahren, ging Terzani – weltbekannter Autor und langjähriger Asienkorrespondent für das Magazin Der Spiegel – nach seiner Krebserkrankung und der Enddiagnose „austherapiert“ drei Jahre allein auf den Himalaja, um der zu werden, der er war. Seine Bestseller zum Thema Leben, Krankheit, Sinnsuche und Tod – Noch eine Runde auf dem Karussell und Das Ende ist mein Anfang – wurden zum Soundtrack vieler Sinnsucher.

Erika Pluhar Das Ende ist mein Anfang © Universum Film
Großes Kino
'Das Ende ist mein Anfang': Bruno Ganz brilliert als Autor Tiziano Terzani, der in den letzten Lebenstagen versucht, dem Sohn den Sinn der Welt zu erklären. An seiner Seite glänzt Erika Pluhar als wissende Ehefrau. Ab 6. Januar im Kino. 

Großer Verlust
Jetzt hat Regisseur Jo Baier 'Das Ende ist mein Anfang' (ab 6. Januar im Kino) für das Kino sensibel in Szene gesetzt. Es ist die Lebensgeschichte Terzanis, die er seinem Sohn Folco in den letzten Tagen erzählt. Und es ist der einfühlsame Bericht seines, Terzanis, „letzten großen Abenteuers“ – des Todes.  Im Film verkörpert Erika Pluhar die Frau Terzanis. Für Das Ende ist mein Anfang ist sie auf die Leinwand zurückgekehrt und hat sich mit genau jenem Thema auseinandergesetzt, das sie seit dem Tod ihrer geliebten Tochter Anna so schmerzhaft „durchwandert“ hat. Kurz nach den Dreharbeiten starb auch Pluhars treuer vierbeiniger Begleiter „Zecherl“, der schöne bayerische Gebirgsschweißhund mit dem liebvollen Blick; er starb viel zu früh. „Ich vermisse ihn verzweifelt“, erklärt Pluhar, die mit Adoptivsohn Ignaz – die Reise in seine afrikanische Heimat wird gerade filmisch finalisiert – zurückgezogen lebt, im Interview. Doch den vielen Lebensverlusten, so die große Autorin, Mimin und Chansonnière, setzt sie immer wieder ein kraftvolles „Trotzdem“ entgegen. Der Talk.

Warum haben Sie sich entschieden, in ausgerechnet „Das Ende ist mein Anfang“ mitzuwirken? Schließlich hat man Sie länger nicht im Film gesehen…
Erika Pluhar:
Weil ich das Buch so gut kannte und mich mit Tiziano Terzani und seinem gesamten Werk intensiv beschäftigt habe. Dann kam die Anfrage des Regisseurs Jo Baier – und ich dachte, da muss ich wohl mitmachen. Es ist ja keine große Rolle im Film, ich hatte nicht die Absicht, damit als Schauspielerin „zurückzukehren“.

Wann und auf welchem Weg sind Sie zum ersten Mal mit dem Werk von Tiziano Terzani in Verbindung gekommen?
Pluhar:
Eine sehr gute Freundin hat mir Das Ende ist mein Anfang-Buch geschenkt. Es hat mich gepackt – vor allem der Mensch Terzani – und ich bin seinen Büchern und seinem Leben auf der Spur geblieben. Er war ein Zeitgenosse, den ich gern kennengelernt hätte.

Im Film sagen Sie als seine Ehefrau, die ihn die letzten Lebenstage begleitet: „Ich bin gewohnt, dass du weite Reisen machst, und ich weiß, dass ich dir irgendwann folgen werde...“ Ist der Gedanke, den geliebten Menschen, die nicht mehr sind, in den Tod zu folgen, für Sie ein Trost?
Pluhar:
Nein. Ich bedenke nie ein Jenseits. Aber ich weiß, dass man einen geliebten Menschen, der gegangen ist, in sich selbst bewahren und lebendig erhalten kann. Und der eigene Tod wird durch Verluste tröstlicher.

In dem Film geht es um den Sinn des Lebens. Eine Frage, die wir uns wohl täglich stellen. Terzani sagt, der Sinn des Lebens besteht darin, einfach der zu sein, der man ist. Wäre das auch Ihre Antwort auf die Sinnfrage? Worin besteht er denn für Sie, der Sinn des Lebens?
Pluhar:
Ja, da bin ich wohl in etwa Tizianos Meinung. Der Sinn des Lebens ist für mich schlicht das Leben selbst. Ich fühle mich aufgerufen, es TROTZDEM zu bejahen, es anzunehmen, mich in diesem Leben nach bestem Wissen und Gewissen zu verhalten. Kalkül, Lüge, Machtansprüche und das Manipuliertwerden möglichst zu vermeiden – schlicht gesagt: ein möglichst aufrechter, liebevoller Mensch zu werden, ehe ich abtreten muss.  
Sie haben sich leider zu oft mit dem Abschied geliebter Menschen und zuletzt mit dem Ihres treuen Begleiters ­„Zecherl“ auseinandersetzen müssen. Was gibt

Ihnen immer wieder Trost und Kraft, aufzustehen?
Pluhar:
Mein bereits zitiertes TROTZDEM. Es gibt Menschen, die den Schmerz um den Tod eines Hundes nicht verstehen können, und ich werfe es ihnen nicht vor. Ich jedoch kämpfe immer noch damit, er war ein wunderbares Wesen, ein Gefährte, und ich vermisse ihn verzweifelt. Aber ich lebe auch diesmal weiter.

Hat die Arbeit zum Film Ihre Gedanken über Tod, Sterben und Verlust verändert? Wenn ja, auf welche Weise? Konnte der Film Sie trösten?
Pluhar:
Es bedurfte keines Filmes, diese Gedanken bei mir zu verändern. Ich habe meine Tochter Anna verloren, und das Wissen um Tod, Sterben und Verlust auf das tiefste durchwandert. Einen schmerzlicheren Anstoß dafür gibt es nicht.

Erika Pluhar Das Ende ist mein Anfang © Kernmayer
Bild: (c) Kernmayer
Nach Annas Tod nahm Erika Pluhar Ignaz zum geliebten Adoptivsohn. Er ist Jungschauspieler.

Erika Pluhar Das Ende ist mein Anfang © Niesner
Bild: (c) Niesner
Erika Pluhar im offenen MADONNA-Interview über Tod, Verlust und Trauer mit Alexandra Stroh.

Autor: Alexandra Stroh
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