Schutzhaltung

16 Tage gegen Gewalt an Frauen: Beunruhigende Zahlen & neue Aktionen

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Gewalt gegen Frauen ist ein brandaktuelles Problem, alleine in Österreich gab’s von 2010 bis 2020 319 Femizide. Studien und neue Kampagnen sollen Gewalt vorbeugen – nicht immer ohne Kontroversen.  

Das Sichtbarmachen von Gewalt an Frauen steht leider aktuell mehr denn je im Fokus – das machen auch die „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ (25. November bis 10. Dezember) deutlich. Zu drastischen Mitteln greift deswegen der italienische Künstler Alexsandro Palombo, der mit seiner Initiative international für erhitzte Gemüter sorgt. Denn: Er porträtiert Stars wie Herzogin Kate, Kamala Harris oder Michelle Obama mit blauen Augen, blutigen Lippen oder Blutergüssen als Opfer von häuslicher Gewalt – Fotomontage macht’s möglich. Die Botschaft: „Sie hat ihn angezeigt. Aber keiner hat ihr geglaubt.“ Unglaublich ist auch, dass die abgebildeten Promi-Damen offenbar nicht gefragt wurden, ob sie als Models für diese Kunstaktion, die ohne Zweifel wichtig ist, herhalten dürfen – das bestätigte zumindest Kates Sprecher.

Zahlen.
Ganz ohne Montage kommen diese aktuellen Studienergebnisse aus Österreich aus. 319 Frauen wurden hier zwischen 2010 und 2020 getötet, 90,5 % der Täter waren Männer – über die Hälfte der Vorfälle passierte in familiären Beziehungen. „Es gibt keine Maßnahme, die zu 100 Prozent Gewalt an Frauen und Frauenmorde verhindern kann“, meinte Frauenministerium Susanne Raab beim Gewaltschutzgipfel letzte Woche. Sie betonte dennoch: „Wir sind aber nicht machtlos. Wir müssen alles tun, damit wir im Gewaltschutz besser werden – politisch, aber auch im Zusammenhang mit der Gesellschaft.“ Durch die Coronapandemie nahm die häusliche Gewalt an Frauen und Kindern zu, alleine 2020 wurden 20.587 Opfer familiärer Gewalt von Gewaltschutzzentren und Interventionsstellen betreut. Nachsatz: Im heurigen Jahr wurden bereits 29 Frauen von Männern getötet – traurige Realität in Österreich. Die hat ihren Preis: Frauenorganisationen wie der Österreichische Frauenring (ÖFR) fordern Investitionen in der Höhe von 228 Millionen Euro und 3.000 Extra-Jobs für den Gewaltschutz.

Kampagne.
Sozialminister Wolfgang Mückstein und Justizministerin Alma Zadic rücken jetzt mit der Aktion „Mann spricht’s an“ die Prävention in den Fokus. Denn: Gewalt an Frauen betrifft uns alle – nicht nur deshalb, weil die Täter in den meisten Fällen männlich sind. Als Sensibilisierungskampagne bezeichnet, soll das Bewusstsein geschärft werden, „wo Gewalt beginnt und wie geholfen werden kann“, so Mückstein. Und: „Ich will direkt bei Männern ansetzen, bevor es zu Gewalt kommt und dabei nicht die Symptome behandeln, sondern die Wurzeln. Das traditionelle Männerbild, das leider auch heute noch oft von Gewalt geprägt ist, ist überholt. Männer sollten anerkennen, dass sie Hilfe brauchen, wenn Frustration und Angst in Hass und Aggression umschlagen.“
Hilfe. Nicht wegschauen, sondern helfen: Die Stadt Wien ruft Bürger:innen mit der neuen Kampagne „Halt! Zu mir!“ auf, einzuschreiten, wenn Frauen belästigt werden oder in Gefahr sind. Tipps: auf das Opfer konzentrieren, Hilfe anbieten und andere Personen zur Unterstützung miteinbeziehen. Das Einschreiten ist oft nicht einfach und mit Angst verbunden – konkrete Tipps liefert die Initiative. Und: 2022 bietet das Frauenservice Wien kostenlose „Rettungsanker goes Zivilcourage“-Workshops an.

Nummern & Infos (kostenlos & rund um die Uhr erreichbar):
● 24-Stunden-Frauennotruf der
Stadt Wien: 01 71719
● Frauen-Helpline: 0800 222 555
● Frauenhäuser: www.aoef.at
● Männerinfo-Hotline: 0800 400 777
  

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