Krieg als Inspiration bei Pariser Modeschauen

Verwischte Graublautöne sollten an den englischen Himmel erinnern. Brave Rüschenblusen aus zarter Spitze kamen zu rasanten transparenten Shorts und silberfarbenen Sandaletten. Mit blütenförmig gerüschten Ärmeln warteten knallweiße Hängerkleider auf. Sanfte Rosenmuster oder aufgedruckte Hirschkäfer auf rauchigem Grund und Nasseffekte auf langen Paillettenkleidern wirkten stimmig.

"Tess war auch ein Vorbild", sagte Josse nach dem Defilee, und so erinnerte die märchenhafte Braut am Ende der Show an die Romanheldin von Thomas Hardy aus dem Jahr 1891. Sie kam im Kleid mit einem T-Shirt-Oberteil aus Tüll zum Schleppenrock mit aufgesetzten Federn.

Dramatisch und blutrot waren am Vorabend die insgesamt fünftägigen Couture-Schauen gestartet. Designer Josephus Thimister hatte sich in seiner ersten Kollektion nach jahrelanger Laufsteg-Abstinenz vom grausamen Ersten Weltkrieg inspirieren lassen. Dabei ließ er aus dem Horror vollkommene Schönheit wachsen. Über klar geschnittenen Abendkleidern flocht sich in Streifen geschnittene Silberfolie. In hellem Leuchtrot schillerten mit Pailletten bestickte Cocktailkleider. Röcke kombinierte Thimister zu Militärjacken, bei denen deutsche Flaggenabzeichen auf den Ärmeln wie kurz vor der Schau übermalt wirkten.

Ein scharlachrotes Kleid aus Seidencrepe, dessen Rückenteil dank eines wunderschön geschwungenen Schals viel Haut freilegte, offenbarte die große Handwerkskunst des Modemachers. Neben den Couture-Modellen zeigte Thimister auch von russischen Uniformen inspirierte Männermode und schuf damit einen guten Übergang. Kurz vor Beginn der Couture waren die Herrenmodenschauen zu Ende gegangen.

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