Fächer strahlen eine gewisse Eleganz aus

Eleganter Frauentraum von einst: Der Fächer

"Frauenträume von gestern" lässt das Deutsche Fächermuseum in Bielefeld wahr werden. Rund 220 Accessoires, mit denen sich vornehme Damen einstmals schmückten, zeigt das bundesweit einzige Museum dieser Art in einer Sonderausstellung.

Von Sonnenschirmen mit wertvoller Perlenstickerei über Kämme für die Hochsteckfrisuren bis zu winzigen Notizbüchern aus edlen Materialien gibt es dort etliche Schmuckstücke zu sehen. "Alle Frauen liebten es zu jeder Zeit, nicht nur durch ihre Kleidung, sondern auch durch das Beiwerk der Mode zu bezaubern. Unsere Exponate aus der Zeit von 1870 bis 1930 verdeutlichen die große Bandbreite dieses schmückenden Zubehörs", sagt Günter Barisch, der das Museum gemeinsam mit seiner Ehefrau Marie-Luise im Jahr 1996 eröffnet hat.

Ins Ballvergnügen stürzte sich die Dame von Welt nie ohne Sträußchenhalter. Mit einem Ring am Finger getragen, dienten die schmalen Gefäße aus feinstem Silber als Vase für die Blumen, die die Männer ihrer Liebsten vor dem Tanz überreichten. Bei diesen festlichen Anlässen durfte auch der Fächer nicht fehlen. Mit ihm wedelten sich die enggeschnürten Frauen in den stickigen Ballsälen nicht nur ein wenig Frischluft zu, sondern demonstrierten ihren Wohlstand: Fächer aus weißen Straußenfedern und schwarzer Chantilly-Spitze, deren Stäbe Gold, Edelsteine und Korallen zieren, zeugten von erlesenem Geschmack.

Wahre Schmuckstücke waren auch die Hutnadeln, mit denen die ausladenden Kopfbedeckungen am Haarknoten befestigt wurden. In der Bielefelder Straßenbahn, so weiß Günter Barisch zu berichten, kam es wegen dieses Accessoires im Jahr 1912 beinahe zu Ausschreitungen. "Es passierte immer wieder, dass die hervorstehenden spitzen Nadeln andere Fahrgäste verletzten. Doch die Bahnschaffner wussten Rat: Sie verkauften ihren weiblichen Passagieren Hülsen, die die Verletzungsgefahr bannten", sagte er.

Das älteste Exponat der Sonderausstellung, die bis Ende Februar 2011 zu sehen ist, ist zugleich das kurioseste. Als Parfümflakon diente um 1760 die Dame aus Meißner Porzellan, die einen Mops auf dem Arm hält. Erst auf den zweiten Blick ist zu erkennen, dass die Köpfe von Frau und Hund abnehmbare Stöpsel sind. "In der Figur konnten zwei verschiedene Parfümsorten aufbewahrt werden", erläuterte Günter Barisch.

INFO: Deutsches Fächermuseum, Am Bach 19, 33602 Bielefeld. Mittwoch bis Freitag 14.30 bis 17.30 Uhr und nach Vereinbarung.