Die Geschichte der Damenunterwäsche

Das Thema Unterwäsche gab, ganz gleich zu welcher Zeit des menschlichen Daseins, immer wieder Anlass für Spekulationen über das Liebesleben der Frau. "Um den Gebrauch von Unterwäsche zu rechtfertigen, berief man sich stets heuchlerisch auf ihre angebliche Schutz- und Hygienefunktion", begründet Augustin Kloiber im Salzburger Heimatwerk das Auftauchen eines "Darunters" im 19. Jahrhundert.

Bis zum 19. Jahrhundert hielt sich die Frau von Welt blank unter ihrem Rock, da das Tragen von Hosen - ganz gleich ob drüber oder drunter - ureigenste Männersache war. So ist die Geschichte der Damenunterwäsche seit jeher eine Erzählung der Zurschaustellung der weiblichen Reize: vom Strumpfband der Römerinnen, die selbiges lasziv trugen, obwohl der Strumpf zu dieser Zeit noch gar nicht erfunden worden war, über die von Maria von Medici salonfähig gemachten knielangen Unterhosen, die jedoch unten offen waren, um sich Liebhabern jederzeit hingeben zu können. Das Mieder sollte schließlich die Brust der Dame voll zur Geltung bringen. "Mäßigt die Mächtigen, stützt die Schwachen und bringt die Entzweiten wieder zusammen," rezitierte Kloiber, vom Heimatkundlichen Museum in St. Gilgen voller Inbrunst und zauberte dem fast ausschließlich weiblichen Publikum ein wohlwissendes und verschmitztes Lächeln auf die Lippen.

"So, wie ein fetter Papst auf einen mageren folgt, wechselt sich die freizügige Mode mit der zugeknöpften ab," veranschaulichte Kloiber den Wandel der Damenunterwäsche bis ins 20. Jahrhundert hinein. Mit jedem Kanonenschlag wurde damals ein Stückchen mehr Stoff fallen gelassen und im Zweiten Weltkrieg fertigte man aus den Stoffbahnen lieber Fallschirme als Strumpfhalter und Höschen. Die Gesichter der lauschenden Damenrunde verrieten auch bei dieser Pointe den allgemeinen Tenor: "Wurde damals wirklich die richtige Priorität gesetzt?"

Nach der geschichtlichen Wanderung durch das lasterhafte Leben der weiblichen Unterwelt, wurde plastisch veranschaulicht, was die Dame von heute "darunter" tragen sollte, um auch mit dem "Darüber" noch brillieren zu können. Susanne Lackner, Miss Salzburg 2009, präsentierte zwischen den trachtigen Stoffbahnen des Heimatwerks die aktuellsten "Sündenhöschen", wobei sich der Trend, nach Jahren hervorblitzender String-Tangas heute wieder auf züchtigem Territorium zu bewegen scheint, bestätigte auch Elisabeth Riedherr von der Corseterie in Salzburg: "Der Trend geht wieder in Richtung Slips bis in die Taille, auch der Body ist wieder sehr aktuell. Der String-Tanga hingegen ist ein rückläufiges Modell."

80 Prozent der verkauften Unterwäsche sind weiß, champagnerfarben oder schwarz. Nur zu Silvester boomen die roten Modelle. Warum, wusste Farb- und Stilberaterin Sabine Staudinger: "Rote Unterwäsche beflügelt und zieht bewiesenermaßen die Männer an."