Von der Diva zur Vorzeige-Oma

Generationentalk

Von der Diva zur Vorzeige-Oma

40 Jahre Altersunterschied – und dennoch beste Freundinnen. Schauspiel-Star Christine Kaufmann im ganz persönlichen Talk mit Enkelin Dido.

(c) Inge PraderLass dich drücken“, ulkt Dido mit krächzender Stimme und zieht ihre Oma fest an sich. „Nein, du steckst mich noch mit deiner Grippe an!“, lacht Christine Kaufmann, während die Kamera von Starfotografin Inge Prader beim exklusiven Fotoshooting für MADONNA klickt und pure Harmonie den Raum erfüllt. Es könnten die besten Freundinnen im gleichen Alter sein, die da posieren. Und irgendwie sind sie das auch.

Am 8. 11. In MADONNA: Die Modestrecke mit Christine Kaufmann und Dido!


Super-Omi
Zum ersten Mal lässt sich die 63-jährige Schauspiel-Legende (Rosen-Resli, Stadt ohne Mitleid etc.), zweifache Mutter und vierfache Großmutter mit ihrer 23-jährigen Enkelin Dido (ihre Mutter Alexandra lebt mit Didos jüngerer Schwester Helena in Amerika; Didos Zwillingsschwester Lizzy lebt in London) für ein Magazin fotografieren. „Ich bin sehr stolz auf sie“, strahlt die Autorin zahlreicher Bücher. Nicht umsonst, denn Dido hat nicht nur optisch viel von ihren berühmten Großeltern, Christine Kaufmann und Tony Curtis, mitbekommen. Die Design-Studentin hat auch das künstlerische Talent geerbt. Zurzeit kreiert die gebürtige Amerikanerin, die nun in Berlin lebt, kreative Hüte. „Aber sie malt auch ganz toll“, so Kaufmann, die im großen MADONNA-Interview verrät, was sie zur „Super-Omi“ macht. Und warum es auch wunderschön sein kann, alt zu werden.

Man könnte glauben, da werden Mutter und Tochter fotografiert. Würden Sie Ihr Verhältnis auch so beschreiben?
Dido:
Nein, unsere Verbindung ist eine ganz andere, als die zu meiner Mutter. Nicht besser oder schlechter, sondern eben anders. Freundschaftlicher. Wir sprechen und lachen über andere Dinge, und ich nehme wohl auch so manchen Rat von meiner Oma leichter an, als von meinen Eltern (lacht).

Christine Kaufmann: Als Großmutter betrachtet man vieles schon weit entspannter als früher. Wobei es sehr darauf ankommt, was für eine Oma man ist. Ich werde in Deutschland gerne als Vorzeige-Oma gesehen. Das freut mich. Denn – auch wenn es viele Dinge in unserer Zeit gibt, die wenig erfreulich sind – dass man als Oma heute nicht zum alten Eisen gehört und nicht aussehen muss wie kurz vor der Verwesung, ist toll!

Durch Ihr besonderes Verhältnis zu Ihren Enkeln entstehen aber auch Konflikte mit Ihren Töchtern ...
Kaufmann: Sie meinen wegen meinem kleinen „Raffi“ (Anm.: der siebenjährige Sohn Raphael von Tochter Allegra), der einige Zeit bei mir lebte. Ja, mit Allegra ist es immer wieder zu Spannungen gekommen. Sie hat oft gesagt: ‚Wenn du da bist, sieht mich der Raffi nicht einmal!‘ Mit der Mutter von Dido ist das ganz anders. Alexandra hat kein Problem damit, dass ich eine „Glucke“ bin (lacht).

Dido: Ach, du bist doch gar keine Glucke!

Dido, was haben Sie von Ihrer Großmutter gelernt?
Dido:
Hm, was habe ich gelernt? (überlegt)

Kaufmann: Ich weiß es, aber du hast es wieder vergessen!

Dido: (lacht verlegen) Sicher wie man sich pflegt, viel über Kosmetik, Mode und wie man ein gutes Auftreten hat ...

Kaufmann: ... und Disziplin!

Dido: Stimmt, diesbezüglich muss ich aber noch weiterlernen (lacht).

Kaufmann: Erst gestern habe ich ihr einen großen Vortrag darüber gehalten, denn ich habe kein Interesse daran, eine beliebte Großmutter zu sein. Mir ist wichtiger, dass sich meine Enkel später an die Dinge erinnern, die ich ihnen sage. Und eines davon ist die Bereitschaft, gewisse Dinge zu opfern. Das muss man tun, wenn man irgendetwas erreichen möchte. Und der größte Luxus ist es, einen Beruf zu haben, den man liebt. Dafür muss man aber auch etwas tun.

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Aber haben Sie sich als Kinderstar nicht selbst oft danach gesehnt, einmal nicht diszipliniert sein zu müssen?
Kaufmann:
Natürlich war und bin ich in Sachen Disziplin ein Hardcorefall. Ich fühlte mich schon oft gefangen in dem, was ich tat. Daher stammte sicher auch mein Drang danach, nur noch Hausfrau und Mutter zu sein. Irgendwie wollte ich auch meine Kindheit aufholen. Ich lebte sie mit meinen Kindern förmlich nach. Als ich mich nach vier Jahren zur Frau entwickelt hatte, verließ ich den goldenen Käfig von Tony Curtis. Aber ich bereue nichts.

Dido, haben Sie das Gefühl, einer so erfahrenen Großmutter etwas beibringen zu können?
Dido:
Schwer! Sie hat ja doch ziemlich viel erlebt. Aber ich finde es toll, dass sie sich trotzdem auch für den heutigen Zeitgeist interessiert.

Kaufmann: Es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, wie junge Menschen denken und fühlen. Wir sprechen viel über Politik oder hören gemeinsam Musik. Vielleicht ­habe ich aber auch wirklich Glück, dass wir meist eine sehr ähnliche Meinung haben.

Sie sind bereits zum vierten Mal verheiratet – sprechen Sie mit Ihrer Enkelin auch über Liebesangelegenheiten?
Kaufmann:
Natürlich! Und ich rate ihr immer, nicht die Fehler zu machen, die ich gemacht habe (lacht). Aber ich denke, gerade in diesem Bezug sind die Erfahrungen, die ich zu meiner Zeit gesammelt habe, heute überhaupt nicht mehr anzuwenden. Wir haben für die Freiheit in der Liebe gekämpft – heute kämpft man, um die Fähigkeit in einer Beziehung zu leben. Das sehe ich an meinen Enkeltöchtern Dido und Lizzy, die wie viele darum kämpfen, eine Partnerschaft aufrecht zu erhalten; in diesem heillosen Durcheinander der heutigen Welt.

Dido: Ja, es ist schwer heute. Ich habe gerade eine langjährige Beziehung beendet. Mehr oder weniger zugunsten meines Jobs. Denn ich gehe für einige Monate nach Linz als Kostüm-Assistentin. Das war sozusagen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

Kaufmann: Ich befürworte diese Entscheidung. Gerade für eine Frau ist es wichtig, sich auch einmal für den Beruf und gegen die Partnerschaft zu entscheiden. Für die meisten Frauen ist es selbstverständlich, mitzugehen, wenn der Mann aus beruflichen Gründen die Stadt verlässt. Umgekehrt ist das eine Rarität. Das kann nicht sein! Deshalb versuche ich meinen Kindern eine gesunde Portion Egoismus mit auf den Weg zu geben. Man muss ja nicht so ­eine rabiate Einzelkämpferin sein wie ich, aber nur Kompromisse einzugehen, ist auch nicht richtig.

Über Ihre Ehe mit Klaus Zey wurde kürzlich berichtet, dass sie in die Brüche gegangen sei.
Kaufmann:
Da wird so viel Blödsinn geschrieben. Als wollte man eine Beziehung, die zwar anders ist als andere, die aber dennoch existiert, nicht wahr haben. Es geht uns gut. Wir suchen noch immer einen Bauernhof in Österreich, wo wir unseren Lebensabend verbringen können.

Dido, Ihr Großvater Tony Curtis ist ebenfalls ein Weltstar. Er hat vor Kurzem seine „Lebensbeichte“ herausgebracht, in der er über sein exzessives Leben zwischen Alkohol, Drogen, und Sexsucht erzählt. Wie stehen Sie zu diesem Mann?
Dido:
Im Moment habe ich weniger Kontakt, als ich gerne hätte. Früher haben meine Zwillingsschwester und ich ihn öfter besucht. Aber er wird jetzt irgendwie ... komisch. Schade eigentlich.

Kaufmann: Ich denke, Tony geht es gesundheitlich, aber auch psychisch nicht gut. Und er hat sich ja nie viel um seine Kinder gekümmert. Er schreibt in der Biografie glaube ich ­sogar, dass er ein schlechter Vater gewesen sei. Und das stimmt leider. Er war nie da, wenn es darum ging, Verantwortung zu übernehmen.

Ihre Enkelin wurde Künstlerin. Wie hätten Sie reagiert, wäre sie Buchhalterin geworden?
Kaufmann:
In unserer Familie schlagen alle in die künstlerische Kerbe. Aber ich hätte jeden anderen Berufswunsch meiner Kinder und Enkel genauso akzeptiert. Unter der Voraussetzung, dass sie das lieben, was sie tun.

Wo sehen Sie beide sich in zwanzig Jahren?
Kaufmann:
Mich unter der Erde hoffentlich (lacht).

Dido: Sag’ so etwas nicht!

Kaufmann: Hoffentlich mit vielen Urenkelkindern ...

Dido:
Ja, auf deinem Bauernhof mit Tieren.

Kaufmann: Egal wie es kommt – ich bin glücklich, denn auf die Spur, die ich hinterlasse, kann ich durchaus stolz sein.