Die Salzburg

Minichmayr als "Buhlschaft"

Die Salzburg "Regentinnen"

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Salzburg sei ja unterm Jahr ein "Kaff", schmunzelt Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler (62). Aber seit diesem Wochenende ist die Stadt an der Salzach der Nabel der Welt. Mit Beginn der Festspiele trifft sich das internationale Who is Who aus Kultur, Politik, Wirtschaft und Hochadel, um im Jubiläumsjahr (die Festspiele werden 90 Jahre, Anmerkung) das Festspieltreiben zu genießen. MADONNA bat mit "Buhlschaft" Birgit Minichmayr, Präsidentin Helga Rabl-Stadler und Protokollchefin Suzanne Harf die wichtigsten Frauen an der Salzach zum Gespräch.

Festspielzirkus
Seit 1995 führt Helga Rabl Stadler mit starker Hand die Festspiele durch oft stürmische Zeiten. Der Finanzskandal im Frühjahr – in dessen Folge sich der technische Direktor Thomas Kretschmer von der Brücke gestürzt hatte und seither gelähmt ist – hat auch bei ihr tiefe Spuren hinterlassen. Ebenso wie bei Protokollchefin Suzanne Harf (54), die Empfänge, Premierenfeiern und Events managt und rund um den Skandal einen, wie sie sagt "Streifschuss erlitt, der mich zutiefst gekränkt hat." Trotzdem sehe sie 2010 positiv entgegen. "Gefeiert wird auch heuer, aber die Kunst steht mehr im Vordergrund."

Neu ist der Salzburger Almauftrieb noch für Birgit Minichmayr (33), die in atemberaubender Traumrobe am Sonntag als "Buhlschaft" Premiere feierte. "Salzburg und der Jedermann", erklärt sie, "haben was von Karneval."

Birgit Minichmayr - Die Buhlschaft im Interview

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Haben Sie den "Jedermann" eigentlich schon einmal gesehen?
Birgit Minichmayr: Ja, einmal, in der Traumkombination mit Gert Voss und Sophie Rois. Das ist schon länger her, und ich kann mich hauptsächlich an die Hitze erinnern. Meine Freundin Johanna und ich hatten Stehplätze. Ich habe damals aber nicht davon geträumt, selbst einmal im "Jedermann" zu spielen. Solche Gedanken kamen eher von meinem Vater.

Die Buhlschaft ist keine große Rolle, aber eine mit großer Bedeutung. Wie schwer waren die Vorbereitungen?
Minichmayr: (lacht) Wenn ich in einem Jahr mehr weiß, werden Sie es als erster erfahren. Ich habe mich entschieden, mitzumachen. So groß ist die Rolle auch nicht, dass ich mich lange darauf vorbereiten musste.

Die Buhlschaft zu spielen, ist natürlich ein Karriere-Symbol in Österreich.
Minichmayr: Es ist eine Prestigerolle, aber ich möchte Ihnen sagen: Müsste ich mich entscheiden zwischen Medea und Buhlschaft, würde ich tausend Mal lieber die Medea spielen. Gott sei Dank habe ich die Medea schon gespielt, also dachte ich mir, okay, nehm ich die Buhlschaft halt auch noch mit. (lacht) Ich freue mich natürlich, dass ich die Buhlschaft spielen kann; es ist eine interessante Rolle, weil sie von einer Legende umgeben ist. Aber schauspielerische Herausforderungen warten natürlich in anderen Stücken, da muss man schon den Schuster bei seinen Leisten lassen. Es ist eine große Sache, und natürlich erwartet einen eine andere Öffentlichkeit als sonst. Das war mir bewusst, als ich zusagte. Ich bin sehr gespannt.

Der Salzburger „Jedermann“ hat einen starken Star-Glamour.
Minichmayr: Ja, er hat aber auch etwas von Karneval. Ich habe meinen Berufsweg nicht eingeschlagen, um ein Star zu werden, und ich weiß auch nicht genau, was ein Star ist. Ein Star zu werden, kann man nicht planen – dazu wird man eher von außen gemacht.

Wie lange wollen Sie das machen?
Minichmayr: So lange ich Freude daran habe.

Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler im Interview

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Die Salzburger Festspiele feiern 90-jähriges Jubiläum. Wie schlägt sich der Geburtstag im Programm nieder?
Helga Rabl-Stadler: Das Jubiläum spiegelt sich im gesamten Programm der Festspiele wieder. Aber: Dass unser Jahresmotto die Mythen sind, passt gut, wo die Festspiele längst zu einem Mythos geworden sind.

Wie hat sich das Nobelfestival an der Salzach auch strukturell verändert?
Rabl-Stadler: 90 Jahre Festspiele sind eine Hochschaubahn der Gefühle. Wunderbare Aufführungen aber auch Skandale, Standing Ovations vom Publikum, manch kalte Dusche in den Medien. Großes Welttheater eben – auf der Bühne und neben der Bühne.

Was erwarten Sie sich dieses Jahr von der neuen "Jedermann" Ära?
Rabl-Stadler: Es waren von jeher "Buhlschaft" und "Jedermann", die dem Stück neue Prägung gegeben haben. Minichmayr und Ofczarek haben das Zeug dazu.

Sie gelten als starke Präsidentin. Wer fängt Sie auf?
Rabl-Stadler: Selbst große Sorgen wie dieses Jahr lassen mich nicht vergessen, wie wenig Menschen so viele Chancen zur Gestaltung bekommen.

Protokollchefin Suzanne Harf im Interview

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Sie sind Herrin der Gästelisten, Premierenpartys und Empfänge. Wie viele neue Roben haben Sie für die Festspiele 2010 gekauft?
Suzanne Harf: Nicht ein einziges. Ich kombiniere dieses Jahr nur meine vorhandenen Kleider neu (lacht).

Wie haben die Skandale der Vergangenheit, in die leider und fälschlicherweise auch Ihre Person einbezogen wurde, sich auf die Festspiele 2010 ausgewirkt?
Harf: Den Festspielen geht es gut, es handelte sich beim Skandal um die Machenschaften eines Einzeltäters. Dass auch ich hier einen Streifschuss erlitt und man versucht hat, mich in diesen Skandal hineinzuziehen, hat mich zutiefst verletzt.

Stichwort Wirtschaftskrise: Wird bei den glanzvollen Festen gespart?
Harf: Es wird nach wie vor gefeiert, aber man konzentriert sich endlich wieder mehr auf das Wesentliche, nämlich die Kunst.

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