‚Mundl steckt in jedem von uns!'

Der MADONNA-Talk

‚Mundl steckt in jedem von uns!'

(c) Michele PautyDer kriagt a Watschn, dass eam vierzehn Tog der Schädl wockelt!“ „Geh, Mundi, muass des denn immer sei?“ Sie sind Kult, die Dialoge zwischen Edmund und Toni Sackbauer. Mit der TV-Serie Ein echter Wiener geht nicht unter schrieben Karl Merkatz, ­Ingrid Burkhard und Co. in den 70er-Jahren Fernsehgeschichte.

Jetzt feiert Familie Sackbauer ihr Comeback im Kinofilm Echte Wiener, der noch im ­Dezember anlaufen soll. ­MADONNA traf Ingrid Burkhard (76) alias Antonia „Toni“ Sackbauer zum Talk über ihre ungewöhnliche Karriere von der eleganten Burgschau-
spielerin zur Seele der Kult-Prolo-Dynastie.

Frau Burkhard, es hat lange gedauert, dass Sie als „Toni“ zurückkehren. Haben Sie sofort „Ja“ gesagt, als man Sie fragte, ob Sie beim Film mitwirken?
Ingrid Burkhard:
Eigentlich schon. Die Idee, den Mundl wieder aufleben zu lassen, gab es ja schon etwa zehn Jahre, nachdem wir die letzte Folge gemacht hatten. Damals waren der Karl Merkatz und ich uns eigentlich einig, dass man das nicht wieder aufwärmen sollte. Jetzt ist das schon wieder etwas anderes. Immerhin sind dreißig Jahre vergangen. Der Mundl feiert seinen 80.
Geburtstag im Film – ich finde, das kann man schon machen.

Ein Projekt, auf das Sie sich besonders gefreut haben?
Burkhard: Sagen wir so: Ich gehe mit großer Freude, aber auch mit einem leichten Bauchgrimmen an die Sache heran. Weil ich weiß: Das muss jetzt sehr gut werden, denn die ­Serie ist ja bis heute Kult.

Absolut. Als Sie allerdings 1975 mit „Ein echter Wiener geht nicht unter“ begannen, war die Serie eher ein Schocker...
Burkhard:
Das kann man sagen. Ich werde nie vergessen, wie wir am Rosenhügel in einer Baracke gedreht haben. Wir haben dort ja beinahe ein Underdog-Leben geführt und waren eigentlich nur geduldet. Dazwischen mussten wir
immer wieder mit den Folgen pausieren, bis wir wieder ein „Ok“ von oben bekamen, dass wir weiterdrehen dürfen. Es war eben das erste Mal, dass die Sprache aus Proletariatskreisen in einer Fernsehsendung gesprochen wurde. Zu den damaligen Zeiten ein Skandal. Heute sprechen alle noch viel ärger.

Hatten Sie damals gar keine Hemmungen, die Rolle anzunehmen?
Burkhard: Nein! Mir hat das Projekt von Anfang an gefallen. Aber natürlich war meine Mutter entsetzt. „Wie kannst du da nur mitmachen?“, hat sie immer wieder gesagt. Dabei wurde die Sendung dann so erfolgreich.

Sie haben ja das Reinhardt-­Seminar absolviert, haben unter anderem auch am Burg­theater gespielt. Hat es Sie manchmal geärgert, dass Sie durch die Rolle als „Toni“ berühmter wurden, als mit seriösen Stücken?

Burkhard: Nein, überhaupt nicht. Für mich ist die Toni doch genauso seriös wie jede andere Rolle! Ich habe zum Beispiel noch während wir den Mundl gedreht haben, in der Josefstadt Goethes Hermann und Dorothea gespielt. Und ich fand es wunderbar, einmal so und dann wieder ganz anders sein zu dürfen.

Wie schwer war es für Sie, sich den derben Wiener Dialekt anzueignen?

Burkhard: Gar nicht schwer. Denn mein Vater war immer bemüht darum, dass ich
schönes Deutsch mit richtiger Grammatik spreche. Aber er hat auch immer gesagt: „Wer seinen Dialekt nicht beherrscht, beherrscht seine Sprache nicht.“ Ich habe das Wienerische also quasi in die Wiege gelegt bekommen.

Hätte es für Sie Grenzen gegeben? Karl Merkatz muss als „Mundl“ sehr ordinär werden.
Burkhard:
Ja, ausgesprochen ordinär wäre ich nicht gerne geworden, so wie es der Mundl ja sehr oft ist. Aber Gott sei Dank ist das als Toni ja nicht nötig. Da bin ich schon froh.

Sie drehen zurzeit auch in der Großfeldsiedlung, wo man sich früher oft über die Sendung beschwerte. Wie reagiert man heute dort auf Sie?
Burkhard:
Lustigerweise sehr positiv. Die Leute sehen das heute nicht mehr so streng. Mittlerweile sind die Sackbauers liebenswerte Wegbegleiter. Außerdem sind sie ja nicht anders, als andere Menschen. Vom Empfinden her steckt im Grunde in jedem von uns ein Mundl oder eine Toni Sackbauer. Natürlich drückt sich der Mundl anders aus, aber er ist ein leidenschaftlicher Familienmensch, ein guter Kerl. Und die Toni und er haben dieselben Gefühle wie andere Eheleute, die einmal glücklich und einmal weniger glücklich miteinander sind. Was mir an dem neuen Drehbuch gefällt ist, dass auch Handlungen integriert wurden, die in den 70ern noch kein Thema waren. Wie Komasaufen und natürlich auch das Rauchverbot.

Über das sich der Mundl und die Familie Sackbauer sicher extrem aufregt...
Burkhard: Davon können Sie ausgehen (lacht und zündet sich eine Zigarette an).

War „die Toni“ rückblickend ­Ihre Lieblingsrolle?
Burkhard: Nicht unbedingt. Aber natürlich mag man Rollen, mit denen man Erfolg hat besonders. Drum mag ich auch die Toni gern (schmunzelt).

Der Film wird wohl die letzte Episode aus „Mundls“ Leben sein. Sehen Sie dem Dreh mit ein wenig Wehmut entgegen?
Burkhard:
Nein. Es ist schön, die Toni zu spielen. Und irgendwie wird sie immer zu mir gehören. Aber trotzdem ist und bleibt sie eben nur eine Rolle.
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