Mein Leben mit Lagerfeld

Enthüllt

Mein Leben mit Lagerfeld

Exklusiv: Der erste Insiderbericht über Modezar Lagerfeld, geschrieben von seinem Ex-Assistenten.

(c) Eric Fougere/VIP Images

Genau vier Jahre ist es her, dass er einen Schlussstrich unter seiner Karriere in Karl Lagerfelds Mode-Imperium zog. Und bis jetzt hatte Arnaud Maillard (38) keinen Grund, seine Entscheidung zu bereuen. Der Franzose, der 1990 als Praktikant im Hause des großen Modeschöpfers zu arbeiten begann und später zu seinem Assistenten sowie zum Studioleiter in der Lagerfeld Gallery befördert wurde, schrieb seine skurrilen Erinnerungen nieder. Und landete in seiner Heimat damit prompt einen Bestseller.

Deutsche Version
Nächste Woche erscheint das Buch Karl Lagerfeld und ich auch im deutschsprachigen Raum. MADONNA bringt die amüsantesten Auszüge vorab – beginnend mit jenem Brief, den Maillard am Beginn des Buches an sein langjähriges Idol Karl Lagerfeld adressiert.

Lieber Karl!
Sie waren immer Ziel meines Ansporns. Fünfzehn Jahre lang habe ich gewissenhaft und entschlossen an Ihrer Seite gearbeitet. (...) Sie haben die Gabe, Menschen glücklich zu machen, indem Sie sie an sich binden. Ihre engsten Mitarbeiter werden von Ihnen gewürdigt, gelobt und gehätschelt... und manchmal auch entlassen. "Bei mir steht niemals etwas fest." Diese Strenge ist Ihr Markenzeichen. (...) Strenge nicht zuletzt in Ihren Diäten, die Sie sich verordnen. "Ich bin ein Roboter. Schlimmer noch: eine Marionette." Für die Medien verstecken Sie sich hinter einer Hampelmannfigur, die Sie mit eisernem Willen gezimmert haben. Ein wahrer Geniestreich,... Und was ist Ihre Wahrheit? Sie sind Karl – extrem, liebevoll und tragisch... und unweigerlich allein. Für all das, was Sie mir gegeben, übertragen oder abgeändert haben, bleibt mir nur ein Wort: Danke!

1. Oktober 1990:
Damals noch "fress-süchtig"

Die Tür der Studioleiterin Céline Engel wird in Windeseile aufgerissen: "Er kommt!" Das ist das Signal. Alle stürmen zum Spiegel und es wird nach allen Regeln der Kunst aufgedonnert. Puder, Lippenstift, Parfum – alles kommt zum Einsatz. (...) Monsieur Lagerfeld hat eine Schwäche für die Cola light von McDonald‘s. (...) Das Fitting vor der großen Schau ist die beste Ausrede, seiner Esslust freien Lauf zu lassen, Karl isst mit Hingabe. Jede neue Kollektion macht ihn hungrig, Ganz oben stehen Fleisch, Käse, Hefegebäck und Sahnedessert.

September 1993:
Céline Engels Hinrichtung

Als Karl Lagerfeld mit seiner Mitarbeiterin Céline nicht mehr zufrieden ist, teilt er ihr dies auf unkonventionelle Art mit: Karl nimmt einen Presseblock und beginnt, die Anwesenden skizzenhaft zu zeichnen. (...) Jetzt ist Céline an der Reihe. Karl zeichnet zuerst einen kleinen Kopf. Céline verdreht den Hals, damit sie besser sehen kann, was auf dem Papier entsteht. Der Künstler vollendet die Skizze und steht langsam auf. Unbewegt reicht er der Studioleiterin das Blatt. Man sieht eine Hand, die Célines Kopf an einem Haarschopf festhält. Aus dem abgeschlagenen Hals tropft das Blut. Céline wurde enthauptet. Karl hat eine Widmung beigefügt: "Für Céline, in Erinnerung an diese Kollektion." (...) Céline Engel hat das Studio nie wieder betreten.

Dezember 1995:
Grauenvolle Massengrößen

Maillard über den harten Umgang Lagerfelds mit Models: "Welche Größe trägt sie?" Karl mustert abschätzig das Vorführmodel. Die Dame ist braunhaarig, ziemlich schlank und grell geschminkt. "36, warum?" Karl schenkt uns ein auffälliges Augenzwinkern. "Entschuldigen Sie, aber ich bin diese Massengrößen nicht mehr gewohnt. Das ist also eine schöne bequeme 36 nach dem Geschmack Ihrer Kundinnen, ja?"

Oktober 2000:
Karls Spezialdiät

Nun, da der Modeschöpfer von seinen schweren Möbeln (Anfang 2000 verkaufte er seine Barock-Sammlung für insgesamt 250 Millionen Euro, Anm.) befreit ist, bleibt noch ein großes Vorhaben: die Wiederherstellung seiner Figur. (...) Nach mehreren Untersuchungsterminen bereitete er sich auf seine Diät vor, als handle es sich um einen Eintritt in einen Orden. Zum Aufwärmen beginnt er mit der Mono-Diät: einen Tag Bananen, einen Tag Hühnchen, einen Tag Mangos...

Sommer 2001:
Peinlicher Narzissmus

Er hat die Wette gewonnen und fast vierzig Kilo abgenommen,... An den Wänden des Studios lässt er riesige Spiegel anbringen. "So kann man die Modelle besser von hinten betrachten", meint er. In Wahrheit ist der Modezar die ganze Zeit damit beschäftigt, sich selbst zu betrachten... Sein Narzissmus wird langsam peinlich.
Er spricht mit uns, ohne uns dabei anzuschauen. Wenn er uns antwortet, mustert er sich über unsere Schulter hinweg in einem Spiegel. (...) Karl nimmt jedes Shooting zum Anlass, Porträts von sich selbst zu schießen.

Penible Morgentoilette
Nach der Dusche reibt der Modeschöpfer seinen Körper eingehend mit Crème Caviar von La Prairie ein, der teuersten Kosmetikmarke der Welt. "Ich creme mich überall ein, selbst zwischen den Zehen. Aber vor allem nehme ich das selbst in die Hand, ich ertrage es nicht, angefasst zu werden!"

Tanzfläche in der Wohnung
Seine Leidenschaft ist das Tanzen. In seinem Wohnzimmer wurde schwimmendes Parkett verlegt und sämtliche Möbel sind verschwunden. Hundertzwanzig Quadratmeter Tanzfläche für einen einzigen Schüler. Zweimal pro Woche bestellt Karl einen berühmten Mambo-Lehrer zu sich. "Du solltest sehen, wie biegsam ich bin, wie Gummi."

April 2005:
Endlich bin ich frei

Gar nicht so einfach, sein Weggehen zu verkünden. Es ist der Moment gekommen, an dem ich mich verabschieden muss. Mit 34 fühle ich mich stark genug, meine eigenen Ideen und Wünsche durchzusetzen. Ich möchte nicht länger den Stil eines anderen kopieren müssen. (...) "Was glaubst du eigentlich? Dich nimmt niemand mehr. Du wirst enden wie diese elenden Designerfuzzis." Ich erkenne die Stimme des Modeschöpfers nicht wieder. Ich lege auf. Endlich bin ich frei... Morgen beginnt ein anderes Leben.