,Leises Säuseln liegt mir nicht'

Opern-Diva

,Leises Säuseln liegt mir nicht'

(c) Chris SingerSie gilt als beste Mezzo­sopranistin unserer Zeit. Die aus Riga gebürtige Elina Garanca hat es in wenigen Jahren geschafft, ein Superstar der Oper zu werden. Und da sie nicht nur bildhübsch, sondern auch klug und „clever“ ist und ihre Karriere sehr vernünftig plant, wird sie das voraussichtlich auch noch viele Jahre sein.

Garanca live
Heute singt die große Blonde in St. Margarethen. Am 23. Juni gastiert sie in der Wiener Stadthalle. MADONNA sprach mit Garanca über ihren Umgang mit Stress, die Wiener „Carmen“, die sie 2010 (mit Netrebko und Villazón) singen wird, und ihre Liebe zum Elfmeter.

Weshalb singen Opernstars zwischendurch in Steinbrüchen, Arenen oder Hallen? Spaß, leichtes Geld oder der Versuch, ein neues Publikum zu erreichen?
Elina Garanca:
Ein bisschen von allem. Ich glaube, dass zu großen Open Airs Leute gehen, die sonst nie mit Oper in Berührung kommen. Wenn das Wetter toll ist und die Vögel zwitschern, sind alle viel relaxter.

Und die Stadthalle ?
Garanca:
die hat den Vorteil, dass es nicht regnet (lacht). Außerdem singe ich da mit lauter wirklich tollen Kollegen.

Sie haben den Ruf, Ihre Karriere sehr vernünftig zu planen.
Garanca:
Das versuche ich. Denn je berühmter man wird, desto mehr wird von einem verlangt. Und so hat man in zwei Wochen fünf Auftritte und dazu noch Generalprobe und die normalen Proben. Das ist ganz schön flott! Deshalb muss man zum Beispiel aufpassen, dass man seiner Stimme keine zu ermüdenden, „gefährlichen“ Partien zumutet.

Wurde der Stress durch die große Plattenfirma „Universal“, die jetzt wie bei Netrebko und Villazón hinter Ihnen steht, noch größer?
Garanca:
Es ist stressig, ja. Aber es ist ein Job und ich versuche, ihn mir, so gut es geht, einzuteilen. (Lacht) Immerhin gebe ich noch keine Interviews am Tag einer Aufführung! Ich bereite mich auch physisch und emotional auf Promotion-Termine vor. Und ich weiß, nach einem Tag mit Interviews hab ich nicht mehr die Stimme, die Kraft und die Aufmerksamkeit, eine neue Rolle zu studieren.

Bei Villazón heißt es ja, er habe zu viele Interviews gegeben.
Garanca:
Manche Kolleginnen können bei Interviews stimmschonend säuseln. Das kann ich nicht, das entspricht nicht meiner Natur! Wenn ich rede, dann bin ich involviert, dann sage ich, was ich meine, dann rede ich viel, schnell, laut – so bin ich!

Stimmt es, dass Sie mit Ihrer Mutter bisweilen per Bildtelefon kommunizieren?
Garanca:
Ja, mit dem Laptop. Als ich in New York war, haben wir so telefoniert. Man erspart sich viel Geld und sieht einander auch noch in die Augen!

Sind Sie gerne in New York? ­Immerhin haben Sie die „Met“ im Sturm erobert!
Garanca:
Wenn ich mich in Europa zwischen den Opernhäusern bewege, finde ich das ganz okay. Aber Amerika – das ist mir zu weit weg von zu Hause und meinen Freuden. Ich kann die Kollegen sehr gut verstehen, die ganz bewusst eine europäische Karriere anstreben! Amerika ist nicht mein Land und New York mag ich – abgesehen von der supertollen „Met“ und dem Publikum dort – auch nicht

weshalb denn?
Garanca:
Ich fühl mich erdrückt von den Hochhäusern, man sieht den Himmel kaum. Und im Winter sind die Leute alle deprimiert. Also, eine Wochen New York: fein. Zwei Wochen: okay. Aber dann muss ich schnell weg!

In St. Margarethen singen Sie auch Arien aus „Carmen“. Ein Testlauf für Ihre mit Spannung erwartete Wiener-Staatsopern-„Carmen“?
Garanca:
Wir haben ohnehin schon gescherzt: Machen wir in St. Margarethen ein Voting, wo die Leute abstimmen können, ob sie mich als Staatsopern-Carmen sehen wollen

ist diese Produktion noch gar nicht fix?
Garanca:
Doch, doch. Aber wie Maestro Harnoncourt immer sagt: Wer weiß schon, was mit uns in einem Monat ist? Woher soll ich wissen, ob ich 2010 nicht schwanger bin? Oder ob ich die Stimme verloren habe? Oder ob ich mit dem Flugzeug abgestürzt bin? Oder ob die Oper abbrennt Was Gott verhüten möge! Aber, ich kann Sie beruhigen: Ich bin da vertraglich gebunden.

Ihr Stadthallen-Konzert ist knapp vor dem EM-Finale. Interessieren Sie sich für Fußball?
Garanca:
Ich interessiere mich nur für Elfmeter. Und für den Massenwahn, den so ein Spiel auslösen kann. Aber ich hab Angst, in so etwas hineinzugeraten, weil ich auch nicht still auf der Bank sitzen könnte. Ich würde brüllen, springen, kreischen, schimpfen. Und dann wäre meine Stimme für zwei Wochen kaputt.
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