Lagerfeld im Interview

König Karl reduziert Personal

01.09.2009

Auch der Modezar reagiert auf die Krise. Lagerfeld über sein „spartanisches“ Leben mit nur drei Luxus-Limos.

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(c) Getty ImagesEs ist nicht so, dass er es nötig hätte, aber „ich habe mich selbst lange so sehr verwöhnt“, erklärt Modezar Karl Lagerfeld (75), „dass mir einiges zum Hals raushing.“ Folgerichtig hat in König Karls Leben eine neue Bescheidenheit Einzug gehalten.

Sehen Sie hier die Videos seiner Kollektionen:

Sommer-Kollektion

Herbst-Kollektion


„Leben vereinfachen.“
In Paris hat er die Villa gegen eine kleinere eingetauscht, und auch sein Ferienhaus in Vermont beschreibt der Luxus-Designer als „puritanisch“. Dafür gibt er es auch bei seinen Musen etwas billiger und lässt sich jetzt gern mit dem lesbischen Mega-Kurvenstar Beth Ditto ablichten, die mit dem dreifachen Body-Mass-Index des Chanel-Kreativen ausgestattet ist. Warum das alles, verrät Lagerfeld im Gespräch mit der Zeit:

Haben Sie sich in letzter Zeit von irgendwelchen Ideen verabschiedet? Gab es Irrtümer?
Karl Lagerfeld:
Ich bin innerhalb von Paris umgezogen in ein kleineres Haus. Ich hatte mich selbst lange so sehr verwöhnt, dass mir einiges zum Hals raushing. Jetzt möchte ich mein Leben vereinfachen. Ich habe keine Lust mehr auf so viel Personal.

Sie haben Personal entlassen?
Lagerfeld:
Ich habe es restrukturiert. Zwingend bleiben Zimmermädchen, Chauffeur und Koch rund um die Uhr. Mein Traum ist es, irgendwann im Hotel mit Room Service zu leben.

An welchem Stück hängen Sie besonders?
Lagerfeld:
Ich hasse Besitz! Aber eine Reproduktion der Tafelrunde von Friedrich dem Großen, gemalt von Adolph Menzel, gehört zu meinen Lieblingssachen. Das Bild habe ich mir als Kind zu Weihnachten gewünscht und zu meiner Mutter gesagt: „So müsste das Leben aussehen.“

Wo hängt es heute?
Lagerfeld:
Es ist in einem Möbellager. Das Bild kommt in mein neues Haus in Vermont, das ich gerade gekauft habe und renovieren lasse. Es ist von 1840, very Emily Dickinson. Es ist nicht riesengroß, beinahe puritanisch. Das ist für mich die neue Bescheidenheit.

Ein Wort, das man nicht mit Ihrem Lebensstil assoziiert.
Lagerfeld:
Ich bin von sehr puritanischer Natur. Ich erlaube mir nichts, gönne mir wenig. Ich könnte sehr spartanisch leben.

Beeinträchtigt denn die Finanzkrise Ihren Alltag?
Lagerfeld:
An meinem Alltag hat sich noch nichts geändert, aber fragen Sie mich in einem Jahr wieder. Man muss das Geld zum Fenster rauswerfen, damit es zur Tür wieder reinkommt. Geld muss zirkulieren, und das tut es im Moment nicht.

Sie haben zur Jahrtausendwende 40 Kilo abgenommen, um die schmalen Entwürfe von Hedi Slimane für Dior tragen zu können. Slimane ist weggegangen. Was tragen Sie jetzt?
Lagerfeld
: Immer noch Dior. Ich bin deren größter Kunde, habe ich gehört.

Der Lagerfeld der 90er war arrogant und elitär. Jetzt posieren Sie für das französische Verkehrsministerium in gelber Sichtweste, es gibt Sie als Steiff-Teddy und Held eines Computerspiels. In Dubai entwerfen Sie Wohnhäuser. Man erkennt Sie kaum wieder
Lagerfeld:
Die Welt hat sich geändert, ich habe mich geändert. Vor allem fing ich an, mich zu langweilen. Mir ist es wichtig, in der Gegenwart zu leben, denn es gibt keinen Kredit auf Vergangenes.

Sie lassen sich vorzugsweise im Hummer SUV herumchauffieren, dem größten Geländewagen, den es gibt.
Lagerfeld:
Ich habe drei Stück davon. Zwei hier in Paris, einen in Monte Carlo. Ich will nicht auf derselben Höhe wie die anderen fahren. Der Hummer ist wie ein Panzer, er gibt mir ein Sicherheitsgefühl.
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