‚Kann Vaters Tod nicht fassen!‘

Thomas Zilk im einzigen Interview über seinen Vater

‚Kann Vaters Tod nicht fassen!‘

Abschied. Sein Tod hat den Sohn aus der Bahn geworfen. In MADONNA spricht Helmut Zilks einziger Sohn Thomas über seine Trauer.

(c) Preiss, SingerSeine Augen sind gerötet, der Blick gesenkt. „Ich kann den Tod meines Vaters noch nicht begreifen.“ Der Schmerz über den Verlust ist groß. Doch wenn Thomas (50) – Helmut Zilks († 81) einziger Sohn aus zweiter Ehe – über den verstorbenen Vater erzählt, beginnen seine Augen zu leuchten.

Schwere Stunden für Dagmar Koller (c) Niesner Der Unternehmer reiste sofort nach Zilks Ableben von seiner Wahlheimat Südafrika nach Wien und ist derzeit die wichtigste Stütze für Dagmar Koller (69). „Es geht ihr sehr schlecht“, so Zilk jr., der gemeinsam mit seiner Stiefmutter das Begräbnis seines Vaters (am 8. 11. am Wiener Zentralfriedhof) vorbereitete.

In MADONNA spricht Thomas Zilk über seine Trauer, die Vorbildfunktion des Vaters, seine Kindheit und das Zilksche Womanizer-Gen.


Herr Zilk, wann haben Sie Ihren Vater das letzte Mal gesehen?
Thomas Zilk:
Vierzehn Tage vor seinem Tod. Da habe ich gespürt, dass es ihm nicht gut geht. Aber er hat immer gesagt: ,Ich sag’ dir schon, wenn es mir schlecht geht. Kümmere dich um deine Arbeit!‘ Ich habe mir Sorgen gemacht, aber ich sah damals keinen Anlass, Abschied zu nehmen. Denn der Vater hatte im Leben so viel durchgestanden und ich hoffte, dass er auch diesen Kampf besteht. Er war ja nie wehleidig. Egal, wie krank er war, gejammert hat der Vater nie.

Wie haben Sie von seinem Tod erfahren?
Zilk:
Eine halbe Stunde nach seinem Tod hat mich Dagmar angerufen. Ich war im Auto auf dem Weg zur Arbeit. Ich war sehr schockiert von der Nachricht und kann seinen Tod noch immer schwer begreifen.

Wie gehen Sie mit dem schweren Verlust des Vaters um?
Zilk:
Ich bin nicht der Typ, der drei Tage in Weinkrämpfe ausbricht, und nachher geht das Leben weiter. Aber ich bin sehr traurig und aus der Bahn geworfen. Ich werde mich wohl in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren mit der Trauer beschäftigen müssen.

Wie geht es Dagmar Koller?
Zilk:
Sehr schlecht. Am ersten Tag stand sie noch unter Schock. Aber dann musste sie durch all die Stationen: Kleider aussuchen für den Vater, Sarg auswählen, Partezettel schreiben, das ist sehr hart für sie. Es rufen eine Million Leute an, ins Büro kommt säckeweise Kondolenz-Post. Dagmar möchte niemanden vor den Kopf stoßen, aber es ist menschlich unmöglich, auf alles zu reagieren. Ich war täglich bei ihr, wir haben uns gemeinsam um die Organisation des Begräbnisses gekümmert. Jetzt steht ihr ihr Neffe Steven bei. Ein klasse Kerl, den ich kenne, seit er ein Baby ist.

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Welches geistige Erbe hat ­Ihnen Ihr Vater hinterlassen?
Zilk:
Er war ein großes Vorbild und ein besonderer Mensch. Wahrscheinlich brauche ich zehn Leben, um so weit zu kommen um das zu erreichen, was er geleistet hat. Ich habe von ihm Pflichtbewusstsein, Ehrlichkeit und den Mut geerbt, zu sagen, was man denkt. Und Dinge anzupacken, auch auf die Gefahr hin, dass etwas nicht gleich klappt.

Ganz Österreich trauert. Warum war Helmut Zilk Ihrer Meinung nach so beliebt?
Zilk:
Er hat in seiner Zeit als Bürgermeister aus Wien eine lebendige, weltoffene Metropole gemacht. Bei ihm gab es nie Ausgrenzung. Er hatte für jeden ein offenes Ohr. Wem er auch half: es war nie Augenauswischerei, sondern sein persönliches Anliegen.

Wie oft haben Sie sich gesehen?
Zilk:
Ich bin bis zu sechsmal im Jahr in Österreich. Die Zeit, die ich mit dem Vater verbrachte, war oft nur kurz, aber immer intensiv.

Wurden Sie streng erzogen?
Zilk:
Mein Vater hat mir nie eine Watschen gegeben. Das war nicht nötig; er strahlte auch so eine gewisse Autorität aus. Er hat mich zu nichts gezwungen. Ich wollte nicht studieren. Das hat er akzeptiert. In meiner Sturm-und-Drang-Zeit habe ich seine Ratschläge nicht befolgt. Auch das hat er mir später nie vorgeworfen. Rückblickend muss ich sagen: Er hatte in 98 Prozent aller Fälle Recht.

Ihr Vater war dreimal verheiratet. Haben Sie das Womanizer-Gen von ihm geerbt?
Zilk:
Der Vater hat das weibliche Geschlecht sicher gerne gehabt. Er war sehr attraktiv und charmant. Nur: Ich war öfter verheiratet als der Vater, nämlich viermal (schmunzelt). Aber es ist das Schönste, wenn man mit jemandem ein Leben lang zusammen sein kann. Das gelingt oft nicht und man hat eben Lebensabschnittspartner. Aber Vater hat mit Dagmar seine Lebensliebe gefunden. So wie ich meine Frau Geraldine, mit der ich seit sieben Jahren verheiratet bin.

Haben Sie jemals unter der Berühmtheit des Vaters gelitten?
Zilk:
Selbstverständlich! Vor allem in meiner Schulzeit. Das ist die alte Geschichte: Macht man was gut, heißt’ s: Der Vater hat’ s gerichtet. Macht man etwas schlecht, heißt’ s: Na’ schau dir den Sohn an! Es war immer polarisierend.

Ihr Vater hat das Rampenlicht geliebt. Wie ist es bei Ihnen?
Zilk:
Ich stehe gerne im Rampenlicht, aber nicht als Sohn des Vaters, sondern nur in Bezug auf mich und meinen Job.

Wie haben Sie sich auf die Beerdigung vorbereitet?
Zilk:
Es wird gewaltig! Das Rathaus hat Hunderte Einladungen verschickt. Aufbahrung im Rathaus, Festakt und Requiem im Stephansdom. Ich werde am Grab eine Rede halten. Ich bin kein Freund der großen Feste. Aber der Vater hat es so verdient.