Heike Makatsch als „Hilde“

Im Talk

Heike Makatsch als „Hilde“

Im März startet der Kinofilm über die Diva. MADONNA traf Hauptdarstellerin Heike Makatsch zum Talk in Berlin.

(c) ReutersAuf der Berlinale strahlte Heike Makatsch (38) bis über beide Ohren. Ihr charakteristisches Lächeln, das hat sie schon zu VIVA-Zeiten berühmt gemacht, als sie das Girlie-Image erfand. Doch diesmal galt ihre Fröhlichkeit der Uraufführung der Filmbiografie Hilde (Österreich-Kinostart: 13.3.) über das bewegte Leben einer deutschen Ikone: Hildegard Knef. Makatsch selbst hatte das Projekt von Beginn an forciert, wollte unbedingt die Knef spielen.

Die optische Ähnlichkeit ist zweifelsohne vorhanden, und Makatsch, die zuletzt eher kleinere Independent-Produktionen oder aber TV-Filme, wie jenen über Teddybären-Fabrikantin Margarete Steiff machte, war sich sicher: „Es war an der Zeit, wieder einmal einen Film zu drehen, der sehr, sehr viele Zuschauer erreichen kann.“ MADONNA traf die Schauspielerin, die einst mit Daniel Craig liiert war, bevor er zu „James Bond“ geadelt wurde, in Berlin zum Interview über Hilde.

Frau Makatsch, seit Jahren fällt den Medien auf, dass Sie eine große optische Ähnlichkeit mit Hildegard Knef haben...
Heike Makatsch
: Ich wusste, dass es keine völlige Verbiegung von mir wäre, Hildegard Knef zu spielen. Ich finde aber nicht, dass ich eine sehr große optische Ähnlichkeit mit ihr habe, aber mit Make-up war das ganz gut hinzukriegen.

Ist es eigentlich schwierig, so eine Ikone zu spielen?
Makatsch:
Man ist sich die ganze Zeit bewusst, eine Ikone zu spielen. Das spornt einen an, noch härter zu arbeiten. Ich hatte das Gefühl, ich muss mich auf eine intensivere Weise vorbereiten als sonst. Dadurch hatte ich das Gefühl, dass mein Spiel auf einem Fundament steht.

Der Film zeigt Knefs Karriere von den 40er bis zu den 60er Jahren. Wie hat man damals auf sie reagiert?
Makatsch:
Die Welt war noch nicht bereit für die Knef. Heute ist das anders! Deutschland war damals ein Land, in dem man als lebensfroher Mensch nicht unbedingt sein wollte. Es war alles kaputt, trauerbehangen, grau und voller Schuld. Das war ein Problem für Hildegard Knef, gerade am Anfang, weil sie nie gegebene Grenzen akzeptieren wollte. Sie hatte viele Facetten. Wir wollen mit dem Film auch erzählen, dass die Synergie zwischen ihrer Persönlichkeit und ihrem künstlerischen Output den Zenit in ihrer Gesangs­phase erreichte.

Wann entschieden Sie sich, die Lieder der Knef im Film selbst zu singen?
Makatsch:
Es war immer klar, dass ich die Chansons selbst singen würde. Ich singe ja einerseits gerne, aber es ist natürlich schon gewagt, so was zu versuchen, und ich nahm über ein Jahr Gesangsunterricht. Knefs Stimme ist außergewöhnlich und besonders, doch der Unterricht gab mir eine Stütze. Im wahrsten Sinne des Wortes, weil da das Volumen der Stimme gestützt und ausgearbeitet wird. Außerdem habe ich mich sehr intensiv mit den Liedern auseinandergesetzt und auch, wie Hildegard Knef sie interpretiert hat.

Was macht die Lieder Hildegard Knefs so besonders?
Makatsch:
Knef hat aus einer großen Selbstbezogenheit sich und die Welt betrachtet, und trotzdem eine große, allgemein gültige Weisheit in ihre Texte gelegt. Sie war sehr offen, legte ihr Gefühlsleben auf ein Tablett. Zugleich strotzten ihre Texte vor Humor, Selbstironie und Brüchen. Sie zeigte ihren Mut und ihre Ängste. Die Texte sind allesamt sehr klug. Da stimmt jedes Wort. Das Zarte, das Harte, das Sexuelle, das Burschikose, das ist alles manchmal in einem einzigen Wort zu finden gewesen. Ich muss zu meiner eigenen Schmach gestehen, dass ich vor der Beschäftigung mit Knef dachte, sie hätte Schlager gesungen. Dabei war das ja tief gefühlte Kunst.

Für eine Frau war diese große Portion Selbstbewusstsein und Emanzipation in der damaligen Zeit recht ungewöhnlich
Makatsch:
Sie hatte keinen theoretischen Überbau, was Emanzipation anging. Sie musste einfach so sein, wie sie war. Sie wollte nicht für Emanzipation kämpfen, da steckte kein Plan dahinter. Sie für sich allein, ihr eigenes Leben, musste sie so gestalten, wie sie wollte. Was auch mal Leid bedeutete. Sie musste nach vorne, musste Entscheidungen treffen, Dinge hinter sich lassen. Das war sicher ungewöhnlich für eine Frau in dieser Zeit. Mein Frausein war für mich nie ein Hindernis. Das kommt aus einem Selbstverständnis, ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass das Frausein mich vor etwas bewahren sollte.

Was haben Sie aus Ihrer Beschäftigung mit Hildegard Knef gelernt?
Makatsch:
Ich zitiere dazu das Lied „So oder so ist das Leben“, das auch im Film „Hilde“ vorkommt. Knef formuliert ­darin, dass das Leben heute glücklich sein kann, und morgen leidvoll. Und dass das einzige, was dir letztlich bleibt, ist, deinen Lebensweg immer wieder neu zu entscheiden. Das Leben ist nicht beständig, sondern es besteht aus Ebbe und Flut.