'Habe für Ivo gebetet!'

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'Habe für Ivo gebetet!'

(c) Sabine StarmayrSie sieht das EURO-Aus für Österreich mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Weinend, weil Anni Vastic ihrem Mann und dem Team den Einzug ins Viertelfinale gegönnt hätte. „Das war eine einmalige Chance, die nicht mehr so schnell kommt“. Und lachend, weil die attraktive Frau von Österreichs neuem Nationalhelden Ivo Vastic hofft, medial endlich nicht mehr im Mittelpunkt zu stehen.

„Ich wurde in den letzten zwei Wochen mehrmals am Tag von Medien angerufen. Das ist nicht mein Leben. Ich bleibe lieber im Hintergrund“, so Vastic bescheiden. Auch wenn Interviews nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen zählen, für MADONNA hat die dreifache Mutter (Tin, 7, Lara, 13, und Toni, 16) eine Ausnahme gemacht und ihre persönliche EURO-Bilanz gezogen.

Außerdem verrät die gebürtige Kroatin, warum Ivo und sie seit 20 Jahren den verliebten Doppelpass beherrschen. Und wie es sich an der Seite eines Fußballhelden lebt.

Frau Vastic, Ihr Mann hat das einzige Tor des österreichischen Teams geschossen und damit den Traum vom Viertelfinale aufrecht erhalten.
Sind Sie enttäuscht, dass Ihr Mann beim Deutschland-Match nicht zum Einsatz kam?
Anni Vastic:
Die Enttäuschung, dass die Österreicher die einmalige Chance nicht genutzt haben, um Deutschland zu schlagen und ins Viertelfinale aufzusteigen, ist bei mir eigentlich größer. Ivica hätte sicher gerne gespielt und alles für Österreich gegeben.

Wie haben Sie den Elfmeter gegen Polen erlebt?
Vastic:
Ich konnte gar nicht hinschauen, habe die Hände vor meine Augen gehalten, weil so viel am Spiel gestanden ist. Ich dachte, ich bekomme vor Aufregung einen Herzinfarkt und ich habe gebetet, dass Ivica das Tor schießt.

Nach jedem Match durften die Frauen ins Teamhotel nach Stegersbach. Warum haben Sie diese Gelegenheit als einzige Spielerfrau nicht genutzt?
Vastic:
Das hat mehrere Gründe. Meine Kinder mussten am nächsten Tag wieder in die Schule und ich wollte Ivica nicht stören. Wir haben ein ­Leben lang miteinander, da kommt es auf die paar Nächte nicht an. Der Erfolg bei der EURO war uns wichtiger. Ich hätte auch gerne unseren anschließenden Kroatien-Urlaub dafür geopfert.

Sie kennen Ihren Mann seit 20 Jahren, haben drei Kinder mit ihm. Finden Sie es nicht diskriminierend, dass der Teamchef bestimmt, wann Sie Zeit mit Ivica verbringen dürfen? Vastic: Natürlich ist das komisch. Denn während der Bundesliga muss Ivica selbst entscheiden, wie er sich auf ein Spiel vorbereitet und er schafft das auch ohne Anleitung. Aber diese Kasernierungen sind im Fußball üblich und man gewöhnt sich daran. Als Spielerfrau muss man diese Art der Vorbereitung hinnehmen.

Als Fußballerfrau muss man die eigenen Interessen hinten anstellen. Alles dreht sich um König Fußball. Ist das schwer zu akzeptieren? Hätten Sie auch gerne eine eigene Karriere angestrebt?
Vastic:
Als ich Ivica kennenlernte, war ich 16 Jahre alt und es war damals noch gar nicht sicher, ob Ivica Profi-Fußballer wird. Ich habe nach dem Schulabschluss sogar ein Jahr Wirtschaft studiert, als Ivo mit der Nachricht kam, dass er nach Österreich gehen wird. Damals habe ich mich für ihn entschieden.

Wenn du in diesem Leben drinnen bist, dann beginnst du dich für Fußball zu interessieren und arrangierst dich damit. Aber ich bin froh, dass ich bei meinen Kindern sein kann. Vielleicht kann ich mich später noch beruflich verwirklichen. Eine eigene Karriere geht mir jetzt nicht ab

Haben Sie einen Traumberuf?
Vastic: Ich interessiere mich für Mode und Dekoration. Derzeit mache ich gerade ­einen Nähkurs.
Sie führen mit Ivica seit 20 Jahren eine glückliche Partnerschaft. Was ist ihr Liebesgeheimnis?
Vastic:
Wir glauben an die große Liebe und jeder akzeptiert den anderen wie er ist. Wenn man eine glückliche Partnerschaft führen will, dann müssen sich beide bemühen, das Beste von sich zu geben. Das versuchen Ivica und ich – und bis jetzt ist es uns gelungen.

Die Karrierestationen haben Ihren Mann bis nach Japan geführt. Haben Sie Ihn überall hin begleitet?
Vastic:
Ich war überall mit, nur in Stegersbach nicht (lacht). Mir macht es Spaß fremde Länder kennenzulernen und egal, wo uns der Fußball hingeführt hat, bin ich auf freundliche Menschen gestoßen. Japan war für uns ein großes Erlebnis. Anfangs gab es natürlich Probleme mit der Sprache, aber wir haben uns schnell eingelebt. Auch für die Kinder war die Zeit in Japan sehr interessant.

Ihr Mann wird von den Medien gerne als Team-Oldie bezeichnet. Er ist jetzt 38 Jahre alt, wann wird er seine aktive Karriere beenden?
Vastic:
Als er seine Karriere gestartet hat, dachte ich, dass Ivica bis 34 Fußball spielen wird. Er lebt für den Sport und im Herzen ist Ivica viel jünger. Er ist gerne mit jungen Menschen zusammen und auch mit unseren Kindern verbringt er viel Zeit. Vielleicht hält ihn das jung.
Ich kann mir vorstellen, dass er auch nach der EURO für die Nationalmannschaft zur Verfügung steht, wenn man ihn braucht.

Ivica Vastic wurde in den letzten Tagen gerne als Held bezeichnet. Ist er das auch für Sie ganz privat?
Vastic:
Er ist und bleibt mein persönlicher Held und ich liebe ihn. Er selbst sieht sich allerdings überhaupt nicht als Held. Nur als Fußballer.
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