Geständnisse einer Super-Mum

Jolies neuer Kinofilm 'Der fremde Sohn'

Geständnisse einer Super-Mum

Ihre neue Rolle brachte Super-Mum Jolie an ihre emotionalen Grenzen. Im Talk spricht die Oscar-Anwärterin über die Früchte der Qual.

(c) WireImage.com/GettyEs bedurfte großer Überwindung und hoher Überredungskunst bis Angelina Jolie (33) sich für die „Rolle ihres Lebens“ entschied. Der fremde Sohn (ab 22. Jänner in Österreich im Kino) wurde für die sechsfache Star-Mutter zur Einkehr und Qual und stärkte dennoch das Band zu ihrer 2007 verstorbenen Mutter.

„Emotional sehr fruchtbar“, urteilt Jolie über die wahre Geschichte von Christine Collins, einer Mutter, deren Sohn im Jahr 1928 entführt wurde. Ihre Qual beginnt, als die Polizei ihr ein falsches Kind als eigenes unterjubeln will und die daraufhin rebellierende Mutter sogar in die Irrenanstalt einweist.

(c) Universal Pictures International Germany

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Oscar-Favorit: „Der fremde Sohn“. Die wahre Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, die sich im Jahr 1928 im Kampf um ihren Sohn gegen das Establishment stellt, könnte Jolie ihren zweiten Oscar bescheren. Das Werk unter der Regie von Clint Eastwood liegt hoch im Kurs. Österreich-Start: 22. Jänner.

Oscar für Supermum?
Die Strapazen haben sich trotz Nullrunde bei den Golden Globes ausgezahlt: Das Drama aus der Regie von Clint Eastwood könnte der Multikulti-Mum ­ihren zweiten Oscar – nach Durchgeknallt (2000) – bescheren. In US-Magazinen plaudert die berühmteste Mutter der Welt über die Rolle ihres Lebens, ihre außergewöhnliche Familie und die Vergänglichkeit des Ruhms.

In „Der fremde Sohn“ kämpft eine Mutter gegen das Polizeisystem. Ein fordernde Rolle.
Angelina Jolie:
Es war teils entsetzlich schwer, da ich als Mutter diese Gefühle nachempfinden kann. Ich dachte ständig mit Grauen: Das ist eine wahre Geschichte! Besonders hart war die Szene, als Christine die Polizei anruft: Keine Mutter will ihr Kind vermisst melden. Doch es war auch inspirierend: Christine Collins hat unter widrigsten Umständen um Frauenrechte gekämpft und gezeigt, was man mit der Kraft der Verzweiflung erreichen kann.

Stimmt es, dass Sie Eigenschaften Ihrer verstorbenen Mutter in Christine erkannten?
Jolie:
Ja, viele! Meine Mutter war eine sehr sanfte Frau. Sie wurde nie laut. Doch wenn jemand meinen Bruder oder mich ungerecht behandelte, wurde sie zur Löwin. Sie war von ganzem Herzen Mutter, genau wie Christine Collins.

Wird die Leistung von Müttern heute genug gewürdigt?
jolie:
Ich bin nicht sicher. Frauen sollen alles tun: Kinder zur Welt bringen, Karriere machen, eine tolle Partnerin sein. Dabei ist allein schon Mutter oder Vater zu sein der härteste Job der Welt. In jedem einzelnen Moment fordern dich die Kids und gleichzeitig willst du alles richtig machen: Ihnen genug Zeit widmen, die richtigen Entscheidungen für sie treffen, das ist anstrengend.

Lesen Sie mehr vom Interview: Fühlt Jolie einen Unterschied zwischen Ihren adoptierten und leiblichen Kindern? Und: Wie sexy ist eine Mutter?


Fühlen Sie einen Unterschied zwischen Ihren adoptierten und leiblichen Kindern?
Jolie:
Nein, auch wenn die Erinnerung an den Kaiserschnitt immer bleiben wird. Ich war fasziniert, was der Frauenkörper kann.

Sie haben Kinder aus drei Kontinenten: Absicht?
Jolie:
Absolut. Ich sehe das nicht als Opfer, sondern als Geschenk. Ich gebe ihnen die Kindheit, die ich mir gewünscht habe. Künstler ziehen ihre Kinder anders auf: Wir reden so viel, dass wir ihnen sicher auf den Wecker fallen. Das Haus ist voll von Büchern und Bildern. Wir malen, wir verkleiden uns, wir singen.

Sie sind mit Brad Pitt nicht verheiratet: Wie nennen sie sich?
Jolie:
Schlicht Partner. „Vater meiner Kinder“ ist zu lang. Wir wurden sofort zur Familie als wir zusammenzogen. Und das ist das Wichtigste im Leben. Nach zwei Scheidungen habe ich in Brad alles gefunden, wonach ich gesucht habe.

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Sie haben sechs Kinder, sind oft schwanger. Bleibt da die Erotik nicht leicht auf der Strecke?
Jolie:
Gerade während der Schwangerschaft genoss ich den Sex: Er ist kreativer. Und: man fühlt sich so ganz als vollkommene Frau. Einzigartig

Sie polarisieren wie keine zweite: Man liebt oder man hasst Sie. Warum eigentlich?
Jolie:
Das bestätigt doch nur, dass ich um meine Meinung kämpfe. Ich habe stets zugegeben, wirre Dinge gemacht, mir selbst Schmerzen durch Schnitte zugefügt, die dunkle Seite erforscht zu haben. Das macht mich menschlich, aber auch kontroversiell.

In vielen Ihrer Filme geht es um Gerechtigkeit, Sie kämpfen privat gegen Völkermord wie in Darfur. Wie weit würden Sie dafür gehen?
Jolie:
Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden. Die Henker in Darfur müssen vor Gericht. Menschen, die Furchtbares anrichten, sollen zur Rechenschaft gezogen werden. Natürlich ist ein Film wie Wanted unrealistische Fiktion – ich bin nicht dafür, Menschen ohne Prozess niederzuballern. Doch wenn ich Hitler getroffen und sich die Frage gestellt hätte, ob man ihn erschießen solle? Ich hätte nicht gezögert.

Wie wichtig wäre ein zweiter Oscar für Sie. Es heißt, Sie hätten Ihren Ersten verloren?
Jolie:
Nicht verloren: Ich gab ihn meiner Mutter. Seit ihrem Tod, weiß niemand, wo er ist. Jeder Preis für einen Film, auf den man stolz ist, ist eine Ehre. Doch es gibt auch einen Punkt, an dem man merkt, der Ruhm ist vergänglich, anderes zählt.