CD-Kritik

Falco - Seine allerletzte CD ist da...

04.12.2009

... aber es ist kein Nr.-1-Hit drauf! Und: Wirbel um "Spirit Never Dies".

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© APA/Herbert Pfarrhofer
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"Kindergarten Kindergarten. Autobahn Autobahn. Kindergarten auf der Autobahn!“ Nein, das ist nicht der neue Hit von DJ Ötzi! Sondern eine Songzeile der „neuen“ Falco-CD. Am 4.12., fast 12 Jahre nach dem tragischen Unfall-Tod von Österreichs einzigem Popstar von Weltformat bringen Ex-Manager Horst Bork und die Plattenfirma Warner Music das Vermächtnis The Spirit Never Dies.

Ein wirrer Zusammenschnitt aus Altbekannten (Coming Home), Unveröffentlichtem (Poison) und viel Nachbearbeitetem (Return To Forever). Dazu das Jeanny-Finale The Spirit Never Dies und das avantgardistische Dada Love samt erwähnten Jandl-artigen Reimen. „Das ist Dada und das ist immer so“, rappt Falco dazu als Erklärung.

„Falco nicht neu erfinden"
22 Jahre lang waren diese Songs, die 1987 von Falco und der Plattenfirma, für die CD Wiener Blut als zu schlecht befunden wurden, verschollen, jetzt sollen sie dem Falken einen letzen Weihnachts-Hit bringen. Produzent Gunther Mendes fand die Masterbänder im Sommer bei einer Studioübersiedlung und bastelte draus ein ganzes „neues“ Album.

„Wir wollten nicht Falcos Arbeit neu erfinden, sondern ein rundes authentisches Produkt abliefern. Auch wenn vieles modern klingt, so hat es Falco bereits 1987 eingesungen.“

Erregung
Die Bastelstunde – in Summe bietet The Spirit Never Dies zwar viel Musik, aber wenig Text und noch weniger Falco-Originalität – erregt die Gemüter: In den Fan-Foren wird vor allem der neue Hit The Spirit Never Dies als zu schlagerlastig disqualifiziert.

Dazu wundern sich Musik-Insider und Wegbegleiter über den musikalischen Stellenwert. „Für Falco und vor allem als Finale der Jeanny-Trilogie ist diese CD einfach viel zu banal“, fasst Amadeus-Erfinder Mario Rossori die momentane Grundstimmung gegen diesen aktuellen Falco-Ausverkauf zusammen.

Keine Nummer-eins-Hit für Falco
Ein weiterer Nummer-eins-Hit für Österreichs letzten Popstar scheint in weite Ferne gerückt: Casting-Ikone Susan Boyle bringt am selben Tag ihre neue CD und bricht mit den Vorbestellungen alle Rekorde. Und als Single wird der neue Falco-Hit erst gar nicht veröffentlicht!

Bleibt das Musik-TV
Gemeinsam mit Falcos letzer Freundin Caroline Perron filmte Rudi Dolezal dafür in der Wiener Kanalisation ein emotionelles Video auf den Spuren von Jeanny.

1. CD-Kritik: So klingen die neuen (?) Falco-Songs

  • Nuevo Africano

Zu treibenden Afrika-Beats rappt Falco „The Spirit of the Velebration hält dich fest. Lässt dich nicht gehen“ Disco-Hammer.

  • Jeanny – Coming Home – The Spirit Never Dies

Die Jeanny-Trilogie als Highlight der Bastel-CD.

  • Qué Pasa Hombre

Wirres Zusammenspiel aus Salierei-Mix-Elementen, Dire-Straits-Zitaten („Money for nothing“) und Flamenco-Klängen. Dazu selbstgefällige Texte wie „Der Mann mit der zitternden Nase und Stahl in der Hose“.

  • Poison

„Everybody is feeling the feeling but everybody is breaking hearts.“ Ballade, die Falco als einfühlsamen Sänger zeigt. Ein Hit!

  • Sweet Symphony

„No Time for Zeros now this world needs Heroes“ singt Falco in einem Emotional-ähnlichen Bombast-Epos.

  • Kissing In the Kremlin

Textlich spannender Egotrip, der sich musikalisch als leicht eintöniger Komissar-Abklatsch erweist.

  • Dada-Love

„Oberschenkel. Oberschenkel. Unterlippe. Unterlippe. Oberschenkel bis zur Unterlippe“ Bizarre Versuche als Dadaist. Grenzwertig, aber gelungen.

  • The Spirit Never Dies – Special Mix

So speziell, dass kaum ein Unterschied merkbar ist...

  • Forever

Die dritte Version von Spirit als Bombast-Instrumental. Falco ist dabei nicht mehr zu hören.

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