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Elina Garanca im großen MADONNA-Interview

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Mezzosopranistin Elīna Garanča im MADONNA-Talk zum Weltfrauentag mit Chefredakteurin Daniela Schimke.

Virtuoser Rollenwechsel auf der Bühne und im Leben. Die lettische Opernikone Elīna Garanča (45) meistert als Mutter zweier Töchter (8 & 10), Ehefrau von Dirigent Karel Mark Chichon und Botschafterin der österreichischen Naturkosmetikmarke Master Lin den Wechsel zwischen den vielen Facetten des Lebens. Im Talk zum Weltfrauentag spricht sie über die Leitmotive, denen sie folgt, wo sie genauer hinhört und welche Werte sie ihren Töchtern auf den Weg mitgibt.

Sie haben einmal gesagt: „Schönheit ist für Sänger:innen nicht alles“ – welchen Stellenwert hat Schönheit in Ihrem Leben?

Elīna Garanča: Ich glaube, inzwischen wird es auch für den Opernbetrieb immer wichtiger, dass man ein gewisses Aussehen hat. Allein schon, weil Social Media immer mehr an Bedeutung gewinnt – auch in der klassischen Musik. Man ist in der Theaterwelt immer gnadenloser – nur eine schöne Stimme reicht nicht unbedingt für eine mediale Karriere. Wenn ich auf die Bühne gehe, zittere ich zwar noch immer viel mehr um meine Stimme als um meine Haare, aber es ist einem natürlich bewusst, dass es auch eine visuelle Show sein kann, darf und soll. Deshalb macht man sich schon einige Gedanken.

Wie wichtig ist Ihnen Ihr Aussehen, wenn Sie ganz privat sind?

Elīna Garanča: Ich mache jedenfalls meine Hausaufgaben. Zwischen Fototerminen wie heute und Auftritten, wo ich stark geschminkt bin, pflege ich die Haut sehr, gebe ihr Zeit, sich zu erholen, lege Masken auf und setze auf Naturkosmetik.

Sind Sie drastischeren Mitteln, sprich Beauty-Eingriffen, abgeneigt?

Elīna Garanča: Es kommt darauf an, was und vor allem auch wann. Ich verstehe nicht, warum ein 18- oder 25-jähriges Mädchen schon so viel in ihr Gesicht investiert. Natürlichkeit ist meiner Ansicht nach das Wichtigste – und in diese kann man mit den richtigen Pflegeprodukten gut investieren, ohne sich schon im frühen Alter unter das Messer zu legen. Ich bin nicht dagegen, dass man da und dort ein wenig Botox oder Hyaluron benutzt – aber bei uns Sängern ist das ein sehr heikles Thema, weil alles, was die Muskulatur lähmt, gefährlich ist für uns. Ganz prinzipiell finde ich: Man muss in Würde altern, aber wenn man den Prozess etwas verlangsamen kann, dann nur zu.

© Kernmayer
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Elīna Garanča beim Shooting für das MADONNA-Magazin.

Auch in der Opernwelt wird das Aussehen von Frauen weit strenger bewertet als jenes von Männern. Ärgert Sie das?

Elīna Garanča: Teilweise schon, vor allem, was die Kleidung und die Schuhe angeht. Männer können jahrelang in den gleichen Outfits auftreten. Bei uns muss es immer ein neues Kleid sein, das auch noch in der Pause umgezogen wird. Aber – es tut mir leid – dafür sind wir das schönere Geschöpf. (lacht)

Viele Schauspielerinnen beklagen sich, dass sie, je älter sie werden, immer weniger oder schlechtere Rollen bekommen. Wie ist das in der Oper?

Elīna Garanča: Es hängt sehr viel von der Stimmlage ab – für die jungen Sopranpartien wird die Stimme ab einem ge­wissen Punkt zu alt. Dieses Repertoire braucht eine gewisse Energie. Und wenn man dann eine 28-jährige statt einer 48-jährigen Sängerin haben kann, bevorzugt man diese natürlich. Dafür kommen umgekehrt mit dem Alter viele spannende Rollen dazu, die Ausdauer und Erfahrung brauchen. Bei meiner Stimmlage, Mezzosopran, ist der Vorteil aufgrund der Rollen, dass man, wenn man noch gut bei Stimme ist, 30 Jahre lang verschiedenste Partien singen kann.

Am 8. 3. ist Weltfrauentag – wie gleichberechtigt fühlen Sie sich in dieser Welt?

Elīna Garanča: Ich bin in meinem Beruf und meiner Position sicherlich privilegiert: was Verdienst und Anerkennung angeht, bin ich in einer weit besseren Situation als viele Männer. Mir ist die Thematik aber natürlich sehr bewusst. Nichtsdestotrotz geht mir die Emanzipation manchmal einen Schritt zu weit und ich stimme nicht immer allem zu, was in der Welt so abgeht und gesagt wird.

Sie sind seit 2006 mit Karel Mark Chichon verheiratet. Gibt es ein Erfolgsgeheimnis für eine Ehe – noch dazu zwischen zwei Künstlern?

Elīna Garanča: Ich glaube, unsere Grundbasis ist das Big Picture, das wir immer im Auge behalten: die Familie. Wir haben uns beide dazu entschieden, Kinder in die Welt zu setzen, und der eigene Egoismus darf nie überhandnehmen. Diese zwei haben das Recht, in einer funktionierenden Familie aufzuwachsen. Deshalb ist das, was ich wünsche, nicht unwichtig, aber es ist nicht primär wichtig. Das ist natürlich auch schwer, denn jeder hat sein Ego und es braucht sehr viel Kraft und Zeit, darüber zu reden, wie man gemeinsam diesen Weg gehen kann. Aber das sind wir den Kindern schuldig. Wir machen auch kein großes Geheimnis daraus, dass nicht immer alles picobello ist bei uns – wir sind zwei starke Persönlichkeiten. Wie gesagt: Das große Ganze zählt. Und vielleicht hilft uns auch, dass wir sehr unterschiedlich sind: mein Mann ist der Kopf, ich bin die Hände – und wir balancieren uns gut aus.

Ist das genug für Sie als Frau, als leidenschaftliche Frau?

Elīna Garanča: Jein, manchmal ja, manchmal nein. Aber ich bin ja viel alleine unterwegs, wo ich dieses Frausein vollkommen auslebe, wie heute bei diesem Fotoshooting, wo ich Aufmerksamkeit bekomme, schöngemacht werde und mein Ego gestreichelt wird. Dann habe ich die wunderbare Möglichkeit, mit den tollsten Künstlern auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen, und dann wieder alleine zu sein. So wird ein großer Teil in mir befriedigt – und wenn ich nach Hause komme, bin ich ganz Mama und Ehefrau. Bis ich dann wieder ein bisschen flüchten kann.

Was geben Sie Ihren Töchtern mit auf den Weg, damit sie ihre Erfüllung im Leben finden?

Elīna Garanča: Dass sie sich niemals von jemandem abhängig machen sollen. Nur so können sie ihr eigenes Leben steuern. Und auch, dass sie sich auf sich verlassen können – die weibliche Intuition, die uns von der Natur gegeben wurde, ist eine so unglaubliche Kraft, dass man sie nie abstumpfen lassen darf, sondern diese immer hören muss.

Würden Sie sagen, wir Frauen sind das stärkere Geschlecht?

Elīna Garanča: Wir sind einfach ein Unikat, weil wir anderes Leben kreieren können – wobei wir das ohne den männlichen Part auch nicht können. Ich glaube an Yin und Yang, die männliche und weibliche Energie in uns – und dass wir eine Balance finden müssen.

Das gesamte Interview, sowie Einblicke in die Schönheitsrituale der Operndiva, finden Sie in der aktuellen Ausgabe des MADONNA-Magazins!
 

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