Donatella Versace

Neues Enthüllungsbuch

Die ganze Wahrheit über Donatella

Koks & Exzesse. Skandal um Donatella Versace - worüber lange gemunkelt wurde, wird nun in einem Buch aufgedeckt.

Wir schreiben den 30. Juni 2004. Es ist ein warmer Sommerabend in Mailand. Modeschöpferin Donatella Versace (heute 54), Schwester des 1997 in Miami von einem Serienkiller erschossenen Modegottes Gianni Versace, hat zur großen Party zum 18. Geburtstag ihrer Tochter Allegra geladen. Ein besonderes Fest: denn Gianni hat die damals Elfjährige per Testament zur Alleinerbin gemacht. Nun volljährig kann Allegra erstmals in die Versace-Geschäfte eingreifen. Doch das Imperium steht vor der Pleite. Nie konnte der kreative Krater, den Giannis plötzlicher Tod schlug, gefüllt werden. Und Donatella ist inzwischen zur „destruktiven Diva“ geworden, wie jetzt das neue Skandalbuch House of Versace der US-Reporterin Deborah Ball enthüllt.

Im Kokain-Nebel hatte sie die Firma fast im Alleingang an den Rand des Abgrundes geführt. Allegras Geburtstagsfest war der perfekte Anlass zur „Intervention“, so die Autorin: Verwandte und Freunde hatten sich in der Via Gesú versammelt. Wieder verschwand Donatella im Badezimmer, um sich eine Linie Koks reinzuziehen. Plötzlich betrat Elton John den Raum – Donatella erstarrte: Sie wusste, dass sie ihn nicht eingeladen hatte. Elton, ihr Bruder Santo und Allegra führten sie in ein Extrazimmer. Der Popstar hatte Donatellas Selbstzerstörung sechs Monate zuvor bemerkt, als sie bei einem seiner Konzerte weinte und zitterte. Einen Assistenten schrie er damals an: „Sie stirbt, wenn nicht etwas passiert!“ Jetzt, auf der Geburtstagsparty ihrer Tochter, sah der Superstar in ihre Augen und sagte: „Donatella, du musst in die Entzugsklinik, ein Jet steht schon bereit.“ Sie willigte ein, nüchterte in einer Klinik in Arizona aus. Und Versace konnte schließlich durch Donatellas Heilung, gepaart mit der Installation tüchtiger Manager, gerettet werden. Heute hat die extravagante Blondine die Zügel fest in der Hand.

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Donatella und Gianni Versace

Donatella mit ihrem geliebten Bruder Gianni, der 1997 erschossen wurde. Bild: (c) Getty Image

Einblicke
Doch nun kommt ein herber Rückschlag: Denn das neue Buch von Ball beschreibt mitunter die dunkelste Seite der Schwester des Modegottes, dessen dramatischen Tod sie wohl nie überwunden hat. Der Schock des 15. Juli 1997 sitzt wohl zu tief: Donatella richtete gerade vor einer Modeschau in Rom ein Kleid eines Models zurecht, als plötzlich ihr Bruder Santo rief: „Komm, sofort! Ein Irrer hat Gianni angeschossen.“ Und dann die erschütternde Bestätigung eines Assistenten: „Gianni ist tot.“ Sie schrie. Der schrille Ton hallte durch den Raum, die Models zuckten – dann fiel Donatella Versace in Ohnmacht.

Nicht umsonst war ihr Verhältnis zum geliebten Bruder innig, war es doch auch sie, der er seinen fulminanten Aufstieg verdankte: Während der besonnene Bruder Santo die Finanzen des Unternehmens lenkte, inspirierte die studierte Wirtschaftswissenschafterin Gianni als „Muse“, korrigierte aber auch potenzielle Ausrutscher. Er liebte sie als Schwester und als beste Freundin. „Sie war die erste, der Gianni als Teenager über seine homosexuelle Neigung erzählte“, so die Biografie. Die zweifache Mutter stand ihm sogar bei, als der Versace-Clan wegen angeblicher Mafia-Verbindungen belagert wurde.

Absturz
Doch als Gianni-Erbin versagte Donatella. Ihr Koks-Konsum eskalierte. Sie schnupfte völlig ungeniert vor den Angestellten, hatte die Droge in der Handtasche stets bei sich, so das Enthüllungsbuch. Erst gegen Mittag erschien Donatella im Büro. Geschäftspartner ließ sie stun-denlang warten. Immer lauter wurde auch die Kritik an ihren Mode-Kreationen, ihr Bruder Santo bezeichnete eine entworfene Kollektion schließlich als „kompletten Mist“.

Autorin Deborah Ball beschreibt auch, wie ihre Verschwendungssucht die Firma in den Ruin trieb: Als immer exzentrischere Prima Donna, deren neurotisches Benehmen auch in den Ateliers lang gediente Kräfte in die Flucht schlug, verprasste sie hemmungslos Millionen. Flog nur in Privatjets, beschäftigte eine Entourage aus Visagisten und Friseusen, verschleuderte das Firmenvermögen bei Exzessen und mit Schönheits-OPs. Sie bestellte für eine Modeschau im letzten Moment 200 Paar Schuhe, schenkte den Models Diamantenketten – und das bei sinkenden Umsätzen.

Gerettet hat Donatella und das Haus Versace am Ende bloß das spartanische Leben in der Entzugsklinik nahe Phoenix, schreibt Ball: „Sie hat ihre Dämonen in der Wüste Arizonas zurückgelassen.“ Elton John sei Dank.

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House of Versace

Das neue Buch „House of Versace“ von Deborah Ball (bisher nur in den USA erhältlich) sorgt für Diskussionen.

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