Darsteller im privaten Talk

'Gut gegen Nordwind'

Darsteller im privaten Talk

Als e-mail-Freunde stehen Ruth Brauer und Alexander Pschill ab 7. Mai in „Gut gegen Nordwind“ erstmals gemeinsam auf der Bühne. Der private Talk über Ehe & Liebeskummer.

(c) KernmayerEin einziger falscher Buchstabe kann das Leben zweier Menschen für immer verändern. Aufgrund eines Tippfehlers landet Emmis e-mail bei Leo. Woraufhin sich Freundschaft und später große Gefühle entwickeln. Die Sehnsüchte? Bleiben zunächst unerfüllt.
Das Stück „Gut gegen Nordwind“ nach dem Bestseller von Daniel Glattauer feiert am 7. 5. Premiere in den Wiener Kammerspielen.

MADONNA besuchte die Hauptdarsteller Ruth Brauer alias Emmi (37) und Alexander Pschill alias Leo (38) bei den Proben. Seit den gemeinsamen Jahren am Gymnasium sind die beiden Freunde. Brauer ist mittlerweile Mutter (Tochter Alina ist 4) und mit Musiker Kyrre Kvam glücklich verheiratet. Pschill lebt seit kurzem wieder als Single und kann sich bestens mit seiner Rolle als ewig suchender Leo identifizieren.

Im ersten Doppelinterview sprechen die beiden über Liebe, (Ex)-Beziehungen und Sehnsüchte. Und sie verraten, warum Schauspielern oft das Liebesglück verwehrt bleibt.

Zwei Menschen verlieben sich per Zufall über das Internet. Ist Ihnen das schon passiert?
Ruth Brauer:
Noch nicht, aber ich kann es gut nachvollziehen. Die Magie der Worte löst viel in Menschen aus, man kippt in eine Fantasievorstellung, die oft besser ist als das tatsächliche Kennenlernen.

Alexander Pschill: Ich habe bis jetzt noch nie versucht, eine Frau übers Internet kennenzulernen. Aber ich schließe nicht aus, dass ich es einmal versuchen werde. Leo sagt: ‚Schreiben ist Küssen mit dem Kopf‘. Man geht durch das Schreiben vorsichtiger, langsamer und gefühlvoller mit Worten um. Dadurch baut sich eine Liebesbeziehung langsam auf – die Sehnsucht ist enorm.

Brauer:
Das große Thema ist, dass wir heutzutage oft leichtfertig unsere Beziehungen wegwerfen. Wir denken, dass wir etwas verpassen, wenn wir uns auf einen Menschen voll und ganz einlassen.

Ihre Figur, die Emmi, erliegt als verheiratete Frau dem „Reiz des Neuen“. Könnte Ruth Brauer das passieren?
Brauer:
Man darf niemals nie sagen. Aber im Moment habe ich viel zu tun und bin sehr glücklich. Der Reiz ist es, in einer Beziehung den Reiz des Neuen wiederzuentdecken. Mein Mann und ich nehmen uns immer wieder Auszeiten.

Alexander, Sie sind frisch getrennt von Ihrer Freundin, der Soziologin Diana Gaida...
Pschill:
Zwischen dem Charakter Leo und mir gibt es Parallelen – das ist ein großer Vorteil für mich. Leo ist wie ich gerade getrennt, war nicht in einer glücklichen, sondern in einer komplizierten Beziehung. Wie ich. Im Laufe des Stücks verliebt er sich neu. Ich brauche dafür noch Zeit. Meine Freundin und ich hatten Heiratspläne. Es ist nicht leicht, solche Träume wegzuwerfen.

Ist es für Schauspieler leichter, eine Beziehung mit einem Kollegen zu führen?
Brauer:
Mein Mann ist Musicaldarsteller und Musiker. Für mich ist das ganz toll, mit einem Künstler zusammen zu sein, der allerdings nicht am selben Theater spielt. Er versteht, dass ich zwei Wochen vor einer Premiere verrückt werde und dass ich zu den Feiertagen arbeiten muss.

Pschill:
Oder, dass wir zu viel Zeit haben, weil wir arbeitslos sind und dann noch grantig.

Brauer: Oder, dass ich fremde Männer knutsche.

Pschill: Meine Ex-Freundin ist keine Künstlerin, hatte aber auch kein Problem damit, dass ich Kolleginnen küssen musste. Im Ernst: Das Problem bei uns war, dass wir aus verschiedenen Welten kamen.

Auch am Ende des Stücks finden Leo und Emmi nicht zueinander. Sind unerfüllte Sehnsüchte denn die schönsten?
Pschill:
Ja, damit arbeitet auch der Roman. Man kann durch rein schriftlichen Kontakt alles in eine Beziehung projizieren. Du hörst nicht, wie eine Person etwas sagt, sieht nicht, wie sie aussieht. Daraus entsteht etwas, das unerfüllbar ist. Davor haben Leo und Emmi ja auch Angst.

Brauer: Nein. Ich möchte, dass alles erfüllt wird, was ich mir wünsche, auch wenn es später den Bach runtergeht!

Was macht für Sie den Reiz des Theaterstücks aus?
Pschill:
Der Reiz ist das Anonyme. Und die Aufgabe, ein Beziehungsdrama auf die Bühne zu bringen, von Menschen, die sich nie getroffen haben. Und das Ganze darf natürlich nicht zu einer Lesung verkommen. Schwer!

Was haben Sie bei den Proben über die Liebe gelernt?
Brauer:
Die Lust am Provozieren. Emmi und Leo messen sich ständig aneinander. Ich streite mich mit meinem Mann nie. Ich habe gelernt, wie man dadurch zueinander findet.

Pschill:
Wir verletzen viel zu schnell. Ich entdecke die Langsamkeit, Behutsamkeit und Feinfühligkeit, mit der man einem Partner begegnen sollte. Das ist etwas Schönes. Das will ich in meine nächste Beziehung mitnehmen.