Als Frau gewann er Gold

Hollywood-Film

Als Frau gewann er Gold

(c) Martin RauchenwaldHeute kann er lachen, wenn er darüber erzählt, wie man ihn damals vor genau 40 Jahren vor einem Wettkampf mit der unfassbaren Wahrheit konfrontierte. „Frau Schinegger“, hatte die Untersuchungskommission der Ski-Weltmeisterin gesagt, „rein genetisch betrachtet, sind Sie ein Mann!“

Zwanzig Jahre alt war Erik(a) Schinegger damals. Damit, dass ihm Männer nie richtig gefielen, hatte er sich längst abgefunden. Auch mit der Tatsache, dass man ihm immer wieder bei Untersuchungen sagte, dass „da unten etwas nicht ganz in Ordnung“ sei. „Die haben immer geglaubt, ich hätte einen Bruch“, erklärt die Skilegende. Wer hätte schon ahnen können, dass seine Geschlechtsorgane einfach nach innen gewachsen waren, und Erik trotz weiblicher Optik von den Chromosomen her schon immer ein Mann war?

Und eben so einer wollte der Kärntner auch sein. „Ich habe schon ein wenig gezögert, ob ich mir diese vielen Operationen antun soll“, erzählte Schinegger im Februar im großen MADONNA-Interview. „Als mein Arzt allerdings auf seine unverblümte Art sagte: ,Wenn wir fertig sind, wirst du die Frauen zum Jubeln bringen!' war für mich klar, da muss ich durch.“

Drehbuch-Recherchen
Szenen, über die Erik Schinegger einst in Marco Schenz’ Buch Mein Sieg über mich offen erzählte und die nun sogar Inhalt eines Hollywood-Blockbusters werden. Die amerikanischen Drehbuchautoren Anna Lisa Nilsson und Bill Huch entdeckten die „Story“ vor knapp sieben Jahren in einem Magazin. „Das ist perfekt für Hollywood“, beschloss das Duo, aus deren Feder Welterfolge wie Knight Rider stammen.

Jahrelange Recherchen und wochenlange Interviews mit Erik Schinegger, der dafür mit seiner zweiten Ehefrau Christa mehrmals nach Los Angeles reiste, ermöglichten dem Autorenteam, ein perfektes Drehbuch zu schreiben. „Als wir in das Büro von Bill und Anna Lisa kamen, war ich direkt schockiert“, erzählt der ehemalige Skistar, der seit Jahren eine erfolgreiche Skischule auf der Simonhöhe betreibt. „Da lagen stapelweise Unterlagen über mich und Hunderte Fotos. Die beiden wussten mehr über mich als ich selbst. Das war eine ganz eigene Erfahrung.“

Arbeitstitel „GOLD“
Die Arbeit von Nilsson, die auch bei der Produktion des Hollywood-Kultstreifens Pulp Fiction mitwirkte, und ihrem Partner Huch hat sich gelohnt. Vor wenigen Wochen reiste Schin­egger abermals nach Los Angeles, um das fertige Werk abzunehmen. „Mir war extrem wichtig, dass die Geschehnisse rund um meine Vergangenheit als Frau, die Geschlechtskorrektur und mein Leben danach völlig wahrheitsgetreu beschrieben werden“, so Schinegger, der auch von dem vorläufigen Titel für den Kinofilm begeistert ist: „In Anlehnung an meinen Goldmedaillen-Sieg als Erika soll er einfach nur Gold heißen!“

Darüber, welche Produktionsfirma den Kinostreifen letztlich produziert, wird derzeit noch verhandelt. „Universal und 20th Century Fox sind im Gespräch“, berichtet Schin­egger, der für die Vertragsverhandlungen einen Wiener Rechtsanwalt beauftragt hat. „Aber auch eine große deutsche Filmproduktionsfirma hat nun Interesse bekundet. Möglicherweise wird es also eine amerikanisch-deutsche Koproduktion.“

Millionenbudget
Dass für den Hollywood-Streifen, der schon vor den Olympischen Winterspielen 2010 fertig sein soll, ein Millionenbudget gestellt werden muss, erfordern allein die aufwendig geplanten Dreharbeiten an den jeweiligen Originalschauplätzen. So soll bereits im Winter im chilenischen Portillo gedreht werden, wo Erik Schinegger zur Weltmeisterin wurde.

Ein Großteil des Films, der laut Drehbuch in der Jetztzeit beginnt und die unfassbare Story Schineggers anhand mehrerer großer Rückblenden erzählt, wird freilich in Österreich und Deutschland aufgezeichnet werden. Vorerst offen bleibt die Frage, ob die Dreharbeiten die Crew auch in den kleinen, verschlafenen Kärntner Ort Agsdorf führen werden, wo Erik Schinegger am 19. Juni 1948 geboren wurde und wo er auch heute lebt – „obwohl mich manche noch immer wie einen Außerirdischen anschauen“, wie er selbst sagt.

Klaus Maria Brandauer und Winona Ryder?
In großen Dimensionen denken die Drehbuchautoren und die interessierten Produktionsfirmen auch in Sachen Besetzung: Als ÖSV-Präsident, der Schinegger nach der Geschlechtskorrektur nicht mehr als Mitglied akzeptierte und damit zweifelsohne die Funktion des „Bösewichts“ über hat, könnte man sich etwa Klaus Maria Brandauer vorstellen. Und auch Hollywood-Superstar Winona Ryder soll für eine entscheidende Rolle im Gespräch sein.

„Es wird auf jeden Fall eine ganz große Sache!“, freut sich Erik Schinegger, der zurzeit mit Ehefrau Christa seinen 60. Geburtstag in Paris feiert. Und bestimmt in der einen oder anderen Stunde geistig Revue passieren lässt, was er schon alles erlebte – 20 Jahre als Frau und 40 Jahre als Mann.
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