21. Juni 2013 14:25
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RTL-Supernanny und Autorin Katharina Saalfrank

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Wir stehen kurz vor den Ferien – wie sollte diese Zeit von Familien genutzt werden? 
katharina saalfrank: Grundsätzlich steht die Schule sehr im Mittelpunkt des Lebens von Familien und es ist gut, wenn die Ferienzeit auch zu einer Zeit des unbelasteten Miteinanders werden kann. Zeit, wo man Erinnerungen schafft, wo Familien etwas gemeinsam machen und ihre Beziehungen zueinander stärken können.  


Sind neun Wochen Ferien zu lange?
Saalfrank:
Eine Bewertung wie „zu lange“ oder „zu kurz“ steht ja immer im Verhältnis zu etwas! Grundsätzlich sind Pausen wichtig, um Kraft zu schöpfen, durchzuatmen und wieder neu anzusetzen. Für berufstätige Eltern sind diese Zeiten wichtig, aber auch für Kinder. Sie verbringen immer mehr Zeit in öffentlichen Einrichtungen. Einerseits ist es gut, dass wir diese Möglichkeiten zur Betreuung geschaffen haben. Andererseits steht aus meiner Sicht der Beziehungsaspekt bei der Betreuung nicht genügend im Vordergrund. Ob Kita oder Schule, Kinder brauchen sichere, stabile Beziehungen, um sich gut zu entwickeln und wenn in den Einrichtungen zu wenig Zeit und zu wenig gut ausgebildetes Fachpersonal zur Verfügung steht, kann das fatale Folgen für Kinder haben.


Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass so viele Kinder unter Lernschwächen leiden?
Saalfrank:
Ich bin mir gar nicht sicher, dass so viele Kinder unter einer „Lernschwäche“ leiden. Wir Erwachsene nehmen das erst mal so wahr! Dabei haben wir dazu beigetragen, dass sich dieses Bild so ergibt, denn wir haben zahlreiche Messinstrumente, Tabellen, Kurven und Beobachtungsbögen eingeführt. Dadurch hat sich unser Blick auf das, was „normal“ und entwicklungsgerecht sein soll, automatisch enorm verengt. So sind wir auf der Suche nach Schablonen- und Musterkindern, anstatt die Entwicklungsvielfalt und individuellen Potenziale von Menschen zu sehen. Es hat sich die Vorstellung durchgesetzt, dass jedes Kind sich auf die gleiche Weise und im gleichen Tempo entwickeln soll. So gibt es für alles heutzutage eben sehr schnell die Nachhilfe, wenn das Kind nicht unsere Ansprüche erfüllt.


In Ihrem Buch fordern Sie von Eltern BEziehung statt ERziehung. Was sind die häufigsten Fehler von Eltern?
Saalfrank:
Ich werde das oft gefragt und störe mich an der Frage nach dem Defizitären. Außerdem wird Erziehung immer von Adjektiven wie „falsch“ und „richtig“, „gut“ oder „schlecht“ begleitet. Das kommt aus diesem Modell heraus, wo suggeriert wird, dass es ein „richtig“ und ein „falsch“ gibt. In der Beziehung zu unseren Kindern gibt es das nicht – wir machen Erfahrungen, die uns prägen und dazu führen, dass wir beim nächsten Mal genau das Gleiche wieder tun oder es auch anders probieren. Hier ist der Weg das Ziel. Oft merken Eltern nicht, dass sie nicht die Botschaft an die Kinder senden, die sie eigentlich senden wollen. Für Kinder ist entscheidend, was bei ihnen zwischen den Zeilen ankommt und nicht, was Eltern senden wollten.


In welchen Situationen sind Sie als vierfache Mutter „verzweifelt“?
Saalfrank:
Verzweifelt bin ich nicht. Manchmal merke ich, dass ich etwas nicht gut gemacht habe. Dann spreche ich mit meiner Familie und versuche, es das nächste Mal anders zu machen. Das ist das Schöne an Beziehung. Man darf es noch mal anders probieren und kann aus einer scheinbar „schlechten“ Erfahrung eine gute machen.