Petra van Bremen: "Beste Zeit seit meinem 40. Lebensjahr"

Madonna

Petra van Bremen: "Beste Zeit seit meinem 40. Lebensjahr"

Best-Age Model Petra van Bremen im Talk über Beruf, Ehe, warum das Leben mit dem Alter schöner wird. 

Als eines der prominentesten internationalen Best-Age Models verrät Petra van Bremen in einem Buch, wie man mit Energie und Stil die zweite Lebenshälfte rockt. Hier die 63-jährige Beauty im  MADONNA-Talk.  

Ihr Buch heißt „Deine beste Zeit ist jetzt“ – warum haben Sie jetzt Ihre beste Zeit?

Petra van Bremen: Meine beste Zeit habe ich eigentlich seit meinem 40. Lebensjahr. Da habe ich festgestellt, dass ich mich als Person in meiner Haut immer wohler fühle. Als junges Mädchen hat man viele Unsicherheiten. Man weiß nicht, wo man sich hinbewegt, die Persönlichkeit ist einfach noch nicht ausgereift, weil man ja auch noch kaum Lebenserfahrung hat. Als ich dann 40 wurde, dachte ich: „Wow, das ist ein schönes Alter! Ich weiß, wer ich bin, wohin mein Weg gehen soll.“

Warum haben Sie das Buch nicht schon damals geschrieben?
van Bremen: Dafür war ich damals noch nicht so weit. Aber dann kam mein Start als Influencerin – plötzlich stellten viele Followerinnen Fragen zu meinem Modestil. Mein 60. Geburtstag war noch einmal so ein Wendepunkt, an dem mir klar wurde, dass ich meine Lebenserfahrungen niederschreiben und weitergeben möchte.

Sie beschreiben sich selbst als sehr unsicher in jungen Jahren – welchen Rat würden Sie jungen Frauen aus heutiger Sicht geben?

van Bremen: Es ist völlig normal, dass man als junge Frau noch nicht bei sich selbst angekommen ist. Man ist da auch noch sehr zugänglich für vieles und ­gerade heutzutage sind die Einflüsse durch Social Media & Co. enorm. Ich denke das Wichtigste ist, dass Mädchen oder junge Frauen Bezugspersonen haben, denen sie sich mit ihren Sorgen, Ängsten und Unsicherheiten anvertrauen können. Erwachsene, die ihnen dann vor Augen führen, wie die reale Welt aussieht.

Nun haben Sie ja selbst als Influencerin eine Vorbildfunktion. Wie gehen Sie mit dieser um?
van Bremen: Ich versuche, meinen Account sehr authentisch zu halten. Da sieht man auf der einen Seite Petra ganz persönlich – mit ihrem Mann im Urlaub oder mit ihrem Hund. Und auf der anderen Seite ist da Petra bei der Arbeit, wo ich Mode zeige. Diese ist natürlich anders – aber auch hier versuchen wir möglichst wenig zu bearbeiten. Ich habe auch keine gekauften Follower, sondern einen ganz authentischen Account mit über 35.000 Followern – 80% davon sind Frauen.

 

 

 

Wenn man Ihr Buch liest, hat man das Gefühl, das Älterwerden macht richtig Spaß. Haben Sie denn so gar keine Angst davor – gerade auch in Bezug auf Krankheiten, die ja auch in Ihrem Leben schon Thema waren ...
van Bremen: Was die Demenzerkrankung meiner Mutter betrifft, habe ich schon noch täglich mit dem Umgang damit und meinen Gefühlen diesbezüglich zu kämpfen. Aber meine Mutter ist trotz ihrer Demenz-Erkrankung ein sehr positiver Mensch – das hilft mir. Ich habe gelernt, in ihre Welt einzusteigen und mich darauf einzulassen, aber natürlich fragt man sich oft, ob diese Krankheit einen vielleicht eines Tages auch selbst treffen wird.

Sie selbst haben vor einiger Zeit die Diagnose Hautkrebs erhalten ...
van Bremen: Ja, aber da war die Situation eine andere. Ich habe sofort gesagt: „Okay, das ist jetzt eben so – wie gehst du damit um? Du könntest dich jetzt hängen lassen ...“, aber da war mir sofort klar, dass ich das keinesfalls machen werde. Ich hatte zum Glück eine Hautkrebsart, die sehr früh erkannt wurde und gut behandelbar war. Natürlich musste ich all meine Projekte stoppen, konnte keine Fotojobs in der Zeit annehmen, weil meine ganze Stirn letztendlich verformt war. Da gab es schon Momente, in denen ich in den Spiegel sah und selbst schockiert war. Aber zum Glück stand mir mein Mann zur Seite – und Gott sei Dank trage ich diese Kraft in mir, immer zu sagen: „Komm, das packen wir jetzt an!“

Ihr Ehemann spielt eine wichtige Rolle in Ihrem Leben. Er gibt Ihnen Kraft und auch Selbstbewusstsein. Denken Sie, Sie würden sich ebenso wohl und glücklich mit dem Älterwerden fühlen, wenn Sie Single wären?
van Bremen: Ob ich all das geschafft und umgesetzt hätte, wenn ich Single wäre, weiß ich nicht. Ich glaube, da wäre ich nicht so einfach aus meiner Komfortzone getreten, was natürlich auch mit finanzieller Sicherheit zu tun hat, die man alleine weniger hat als zu zweit. Was aber meine Persönlichkeit und die Tatsache betrifft, dass ich mich heute besser denn je fühle, wäre es bestimmt genauso.

Ihre erste Ehe ist ja gescheitert – da waren Sie an einem schlimmen Tiefpunkt, wie Sie in Ihrem Buch erzählen. Wie haben Sie sich aus dem Tief geholt?
van Bremen:
Das habe ich mithilfe eines Psychologen gemacht. Das kann ich Frauen auch nur raten: Bitte macht das nicht alles allein mit euch aus! So eine Person hilft dir einfach, Dinge von einer anderen Seite zu beleuchten, an die du selbst gar nicht denkst – oder an die du gar nicht mehr glaubst. Dieser Prozess hat mich nach vorne gebracht und hat mir auch sehr in meiner Entwicklung geholfen, mich selbst als tolle Frau anzunehmen. Plötzlich beginnst du wieder, dich hübsch anzuziehen, hinauszugehen und zu strahlen.

© Getty Images / German Select
Petra van Bremen mit Mann Michael Kublenz

Petra van Bremen mit Mann Michael Kublenz

Sie schreiben auch darüber, dass das Sexleben mit 60 plus immer noch ganz wichtig ist. So viele Paare verlieren – auch schon früher – ihre Leidenschaft füreinander. Woran liegt das?
van Bremen:
Ich denke, das fängt schon bei ganz kleinen Dingen an. Mir wurde vieles durch meine gescheiterte erste Ehe bewusst: dass man unbedingt darauf achten muss, dass Zweisamkeit erhalten bleibt, dass man das Interesse füreinander behält. Ein „Wie war dein Tag? Wie geht es dir?“ Das sind ganz kleine Sachen. Und natürlich ist die Leidenschaft nicht jeden Tag gleich groß. Aber sie kommt auch nicht automatisch. Manche glauben, sie können wie auf Autopilot stellen und kommen so zusammen durch die Jahre, aber das ist es nicht – es ist viel Arbeit, im Sinne der Kommunikation. Es ist ganz wichtig, über alles sprechen zu können. Wir Frauen etwa über die Menopause. Du merkst, dass sich dein Körper verändert, aber dein Mann versteht oft nicht, was mit dir los ist. Also musst du es ihm sagen. Ich denke, Offenheit, Interesse und Respekt sind das Um und Auf, um auch Leidenschaft zu erhalten. 

Zurück zu Ihrem Beruf als Model. Das Business wird immer härter. Denken Sie, Sie würden diesen Beruf als junge Frau heute immer noch so reizvoll finden wie damals, als Sie Ihre Karriere begonnen haben?
van Bremen:
Dieser Wunsch saß schon immer so tief in meinem Herzen, dass ich es wieder wollen würde. Modeln ist ein harter Beruf, das ist gar keine Frage – und sicher heutzutage noch mehr als damals. Ich glaube, man sollte sich als junges Mädchen gut informieren und eine sehr gute Agentur suchen, denn heute ist die Branche eine regelrechte Maschinerie. Früher war das Business weit persönlicher. Ich finde es schade, dass man als Model heute wie ein Roboter herumlaufen soll. Persönlichkeiten, wie es sie früher einmal gab, sind heute sehr rar.

Sind Sie jemand, der öfters der „guten, alten Zeit“ nachtrauert? Oder muss man sich einfach auf all das Neue einlassen?
van Bremen:
Manchmal hat man gar keine andere Wahl. Man wird da förmlich mit eingezogen, weil man sonst gar nicht – beruflich – bestehen kann. Und plötzlich merkst du, wie du gelebt wirst – du lebst nicht selbst, du wirst gelebt. Persönliche Kontakte, richtig viel Zeit mit den Liebsten zu verbringen, all das rückt in den Hintergrund. Eine Geburtstags- oder eine Urlaubskarte ... das vermisse ich, diese kleinen persönlichen Dinge, die Interaktion mit Menschen, die mir wirklich am Herzen liegen. Das habe ich mir auch auf meine Liste für 2023 gesetzt: die Zeit besser zu nutzen und wieder zurück zu persönlichen Werten zu finden.

Sprich, Sie gehen immer mit einer konkreten Vorsatzliste ins neue Jahr?
van Bremen: Ja. Da stehen dann all die Dinge drauf, die ich mir vor das kommende Jahr vornehme, wie etwa: Ich muss meine Kleidung aussortieren, mein Büro endlich mal auf Vordermann bringen, die Garage ausräumen. Ich habe jedes Jahr ein neues Büchlein, in das ich das alles reinschreibe. Kann aber gut sein, dass mein Mann am Ende des Jahres wieder sagt: „Das schreibst du schon seit drei Jahren hinein.“ (lacht)

In Ihrem Buch schreiben Sie, dass man nie aufhören soll zu träumen – wovon träumen Sie noch?
van Bremen:
Ich möchte eine Show laufen auf dem Runway in Paris, Mailand oder New York. Als junges Mädchen bin ich da noch nicht hingegangen, weil ich mich nicht getraut habe. Aber jetzt würde ich das sehr gerne machen. Das ist vielleicht nichts Großartiges, aber etwas, wo ich denke: das ist noch mein berufliches Ziel. Man muss so etwas visualisieren und träumen. Und ich glaube, irgendwann werde ich auch das noch schaffen. 

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