Stark durch Hormone

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Stark durch Hormone

Die bedeutende Rolle von Östrogen und Progesteron.

Frauen sind aus biologischer Sicht sehr widerstandsfähig und den Männern überlegen. Ihre Stärke liegt nicht zuletzt an den weiblichen Hormonen. Gynäkologe Prof. Johannes Huber klärt auf.

Der Körper einer Frau ist ein Wunderwerk! Das weibliche Geschlecht ist biologisch gesehen das wahrhaft starke! Frauen sind widerstandsfähiger als Männer und ihnen weit überlegen!" Diese und ähnliche Aussagen liest man im neuesten Buch des renommierten Wiener Gynäkologen und Hormonexperten Prof. Johannes Huber. Der Arzt beleuchtet aus medizinisch-biologischer Sicht in "Wunderwerk Frau", mit welchen Vorteilen und Eigenschaften die Evolution Frauen ausgestattet hat und unter anderem welche Rolle die weiblichen Hormone dabei spielen.

Überlegenheit der Frauen

"Männer sind aufgrund ihrer geringeren Genanzahl benachteiligt und eigentlich das schwächere Geschlecht", so der Mediziner. Denn der weibliche Körper verfüge mit dem zweiten Reserve-X-Chromosom über 1.000 Gene mehr als der männliche und sei daher genetisch überlegen. Dadurch können Frauen länger leben und erkranken weniger schwer. Auch der Alterungsprozess verläuft Prof. Huber zufolge bei Frauen langsamer und durch jede Schwangerschaft könne er sogar noch weiter verzögert werden. Der weibliche Organismus verfüge generell über mehr Regenerationskapazität -das liege nicht zuletzt an den weiblichen Hormonen.

Die Hormone der Frau

Die wichtigsten Hormone der Frau sind das Gelbkörperhormon "Progesteron" und das Eierstockhormon "Östrogen" - ein Oberbegriff, der die Hormone Östradiol, Östron und Östriol umfasst. Progesteron und Östrogen sorgen dafür, dass das Immunsystem im Zaum gehalten wird und hemmen Entzündungsprozesse im Körper (Anm.: siehe auch Infobox rechts und auf S. 12). Daher verläuft beispielsweise eine Covid-19-Infektion bei Frauen vor dem Wechsel milder als bei Männern. Das Eierstockhormon könne auch vor der Menopause das Cholesterin im Körper senken. Das Privileg der Cholesterinverwertung fehle aber den Männern. Verfügen Frauen über genügend Östrogen, sind sie darüber hinaus besser vor Herzinfarkten geschützt.

Das Gelbkörperhormon, das der Mediziner als "Wunderhormon" bezeichnet, wirkt bei Frauen wie ein Psychotherapeutikum - es entspannt, beruhigt und ist zudem stimmungsaufhellend. "Viele Konflikte und Kriege wären der Menschheit erspart geblieben", so Prof. Huber, "besäßen Männer mehr Progesteron".

Sport und Östrogen

Östrogene und sportliche Aktivität sind Koalitionspartner, verrät der Arzt. Möchte man seine Hormone aktivieren, sollte man sich daher unbedingt regelmäßig bewegen. Denn laut dem Hormonexperten können Bewegung und Sport die Wirkung des Östrogens verstärken: "Östrogen und Muskeln arbeiten intensiv zusammen", so Prof. Huber. Das Eierstockmolekül Östrogen ist sogar in der Lage, Muskelgewebe aufzubauen. Das sei laut Prof. Huber in Zukunft möglicherweise als Therapieoption nach Verletzungen des Muskelgewebes nicht uninteressant. Das Hormon könne darüber hinaus in Kombination mit Sport antidiabetogen wirken. Bewegt man sich regelmäßig, verringert oder verlangsamt man die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes zu erkranken.

Die Erkenntnis über Sport und das Eierstockhormon könne sogar Frauen in den Wechseljahren, die Östrogene nehmen, zugutekommen. Denn während der Hormonersatztherapie werden die Hormone abends appliziert, informiert der Frauenarzt. Plane man vorher etwas Abendsport ein, könne das Hormon zielsicherer wirken. Gehe man dann auch noch hungrig ins Bett, habe man nach neuesten Erkenntnissen außerdem ein effizientes Anti-Aging-Konzept umgesetzt.

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Östrogen: Das Eierstockhormon

Nutzen

Östrogen kann vor der Menopause den Cholesterinspiegel senken. Es erweitert die Blutgefäße und senkt damit den Blutdruck. Herzinfarkte sind bei Frauen vor den Wechseljahren, solange sie noch über ausreichend Östrogen verfügen, eine Seltenheit. Das Hormon kann das Immunsystem stärken und Entzündungsprozesse im Körper hemmen. Bei Frauen verläuft daher eine Coronainfektion aufgrund des Hormons meist milder.

Wirkung verstärken

Bewegung und Sport können die Wirkung von Östrogen verstärken. Prof. Hubers Tipp: Frauen in der Menopause, die Östrogene nehmen, sollten daher abends körperliche Aktivität einplanen.

Lokale Applikation

Mit lokal aufgetragenem Östrogen kann man nicht nur Scheidentrockenheit erfolgreich behandeln, sondern auch Augentrockenheit (Sicca-Syndrom) heilen. Man appliziert die Östrogensalbe unterhalb der Augen in die Augenringe. Dadurch verbessert sich außerdem der Augendruck. Die Creme hilft auch bei schmerzenden Gelenken. 


Progesteron: Ein Wunderhormon

Entspannung

Progesteron wirkt stimmungsaufhellend, beruhigend und entspannend wie ein Psychotherapeutikum.

Gehirn/Gedächtnis

Das Gelbkörperhormon verbessert die weibliche Gehirnfähigkeit. Es kann die Myelinscheiden, also die weiße Substanz im Gehirn, verbessern. Folglich regeneriert das Gehirn besser und die Gedächtnisleistung verbessert sich. In der Schwangerschaft erreicht die olfaktorische Leistung ihren Höhepunkt: Unter dem Einfluss von Progesteron und dem Hormon Prolaktin, das der weibliche Körper in der Hirnanhangdrüse bildet, vermehren sich die Neuronen im Riechkolben dort, wo die Riechempfindungen stattfinden.

Einnahmetipp

Fällt das Progesteron in der Lebensmitte ab und führt zu depressiven Stimmungen und Angstzuständen, kann eine hormonelle Therapie mit dem bioidenten Progesteron Abhilfe schaffen. Am besten verwendet man das Hormon sequenziell. D. h. bis maximal 14 Tage pro Monat, bevorzugt in jener Zeit, die der Progesteron-Produktion in der Gelbkörperphase entspricht.

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