So stört Sie Ihr Smartphone im Alltag

Digital Detox

So stört Sie Ihr Smartphone im Alltag

Das Smartphone ist unser ständiger Begleiter und immerzu anwesend. Das tut uns aber nicht gut und wirkt sich negativ auf Körper und Seele aus. Warum Sie unbedingt Digital Detox probieren sollten.

Es piepst, es vibriert, es hüpft. Es leuchtet, es klingelt und blinkt in allen Farben des Regenbogens: Das Smartphone. Die Nabelschnur zur Welt. Die Antenne zur Außenwelt. Das Ein und Alles, unsere intimste und sorgfältigste gepflegteste Beziehung. Der erste Blick am Morgen gilt ihm, den ganzen Tag widmen wir ihm unsere Aufmerksamkeit und bevor uns die Augen endgültig zufallen… - ein letzter Blick auf das Smartphone. Die Beziehung zu diesen kleinen Geräten ist gerade in den letzten Jahren problematisch geworden. Da sitzen Freundesgruppen in Cafés (Pre-Corona selbstverständlich) und beschäftigen sich mit ihren Bildschirmen. In Wartezimmern, in der Straßenbahn – alle kleben am Smartphone. Es ist die Kultur des gesenkten Blickes. 

18 Minuten handyfrei

Mal ganz ehrlich: Wie lange schaffen Sie es nicht auf Ihr Handy zu schauen? Wie oft ertappen Sie sich beim automatischen Griff in die Jackentasche und beim Sinnlosen durchscrollen? Auch wenn es meistens gar nicht so viel Neues zu entdecken gibt. Das ist so, als würde Sie alle zehn Minuten den Kühlschrank öffnen und checken, ob sich da etwas getan hat.  Mehrere Studien haben ergeben, dass die durchschnittliche Zeitspanne 18 Minuten sind, wo Menschen in der Lage sind, nicht ihr Smartphone zur Hand zu nehmen. Dabei ist der reflexartige Griff zum Handy oft keine rationale Entscheidung, sondern wird durch das Glückshormon Dopamin getrieben. Ohne sich dieser Wirkung überhaupt bewusst zu sein, erwartet unser Körper ein Glücksgefühl, wenn wir unser Smartphone zur Hand nehmen. Das ist sehr ungesund und wirkt sich negativ auf Körper und Seele aus. 

Mangelnde Konzentration

Das ständige Abchecken des Smartphones stielt Zeit und macht uns unkonzentrierter. Nur wer wirklich bei einer Sache bleibt und nicht 101 Dinge gleichzeitig erledigt – abgelenkt vom blinkenden WhatsApp-Nachrichten, ambitionierten Foodbowls auf Instagram und aufwändigen Tiktok-Videos – erzielt Erfolge im Beruf und Studium. Auch wenn das Handy mit dem Display nach unten auf dem Tisch liegt, verringert dies bereits die Konzentrationsspanne. Allein die Gegenwart des Smartphone macht uns nervös. In den vergangenen 18 Minuten könnte ja wirklich etwas Wichtiges, etwas absolut Weltbewegendes geschehen sein! Newsflash: Nein.

Steigendes Stresslevel

Smartphones versetzen uns in ständige Alarmbereitschaft. Kein Wunder aber auch. Sie blinken und piepsen und vibrieren und verlangen einfach ständige unsere Aufmerksamkeit. In der heutigen Zeit ist es vollkommen normal Gespräche zu unterbrechen, um „eben Mal kurz, wirklich nur eine Sekunde“, auf das Smartphone zu schauen. Das ständige Kontrollieren und Abchecken schadet der Selbstorganisation. Wir werden freiwillig immer wieder aus unsren Aufgaben herausgerissen und brauchen immer länger, um uns in eine Aufgabe wirklich zu vertiefen. Das stresst. Und zwar ungemein. Dabei sind wir selbst Schuld an diesem Stress. Wer ständig aufs Handy schaut, alle sozialen Netzwerke, alle Social Media Kanäle und noch diverse Nachrichten-Apps checkt, kommt nie zur Ruhe. Gerade in den letzten zehn Jahren diagnostizieren Ärzte immer häufiger „Digitale Depression“ und „Digital Burnouts“. Wenn für den Job ein Smartphone unabdingbar ist, verschwimmen die Grenzen zwischen privater und beruflicher Nutzung und dies erhöht abermals das Stresslevel. 

Suchtgefahr

Wie bereits angesprochen: Dopamin. Das ständige Online-Sein ist wie eine Droge für unser Gehirn. Bei jedem Griff zum Smartphone schüttet das Gehirn  Dopamin aus. Das führt allerdings dazu, dass der Körper aufhört das Glückshormon selbst zu produzieren und somit immer mehr nach der Stimulation von außen verlangt. Sonnenlicht, Comfort-Food, eine Umarmung oder gute Musik reichen plötzlich nicht mehr aus für den Dopamin-Kick. Die Folge: Der Griff zum Smartphone erhöht sich.

Phubbing

Wenn es schon einen Begriff hierfür gibt, muss es wirklich ernst sein. Phubbing setzt sich aus den Begriffen „phone“ und „snubbing“ zusammen, wobei „snubbing“ so viel bedeutet wie „jemanden vor den Kopf stoßen." Jede Beziehung – ganz egal welcher Natur – leidet ab dem Moment, wo ein Smartphone integriert ist. Dabei hat es jeder verdient, in einem Gespräch die vollständige Aufmerksamkeit des Gegenübers genießen zu dürfen, ohne dass sich ein Smartphone dazwischenschiebt.

Digital Detox

Sie sind sich Ihrer problematischen Handynutzung bewusst? Wunderbar. Handeln ist angesagt.  Konsumieren Sie ihr Smartphone bewusst. Gönnen Sie sich Pausen. Und stellen Sie sich vorab folgende Fragen:

  1. Warte ich wirklich auf eine Nachricht oder ist mir einfach nur langweilig?

  2. Was könnt ich besseres machen, statt sinnlos auf Social Media zu scrollen?

  3. Ist es wirklich so sehr wichtig, meinen Followern zu zeigen, wie mein Frühstück heute aussieht?

  4. Sollte ich nicht zuerst diese Sache fertig machen, bevor ich mich meinem Handy widme?

Apps gegen Handy-Sucht

Ja, aller Anfang ist schwer auch bei Digital Detox. Es gibt aber bestimmte Apps, die unterstützen können; mit denen das Abschalten leichter fällt

1. Die Forest-App:

Stay focused, be present. Fokussiertes und konzentriertes Arbeiten – das klingt vielversprechend. In der App werden virtuelle Bäume gepflanzt und nur wenn das Handy eine Zeit lang nicht benutzt wird, kann der Baum wachsen. Forest blockiert alle Apps auf dem Smartphone. Wer der Sucht nach Instagram, Facebook & Co nicht wiederstehe kann, tötet das virtuelle Bäumchen und fühlt sich deshalb gleich doppelt schuldig.

2. Offtime

Die App Offtime blockiert nicht alle Anwendungen, sondern lässt Sie bewusst entscheiden, welche Apps Sie noch benutzen werden. So poppen zumindest nicht WhatsApp-Nachrichten oder Emails auf den Bildschirmen auf und stören Ihre Konzentration. Sie können immer noch ein Wörterbuch benutzen oder etwas googeln. Aber vorsichtig: Nicht im großen Wissenspool des Internets abtauchen und sich auf einmal in einem Artikel über Verschwörungstheorien zur Mondlandung oder niedlichen Katzenvideos auf YouTube wiederfinden.

3. Moment 

Die App Moment gibt Ihnen eine Übersicht, wie lange Sie welche Apps verwenden. Sie können sich zudem ein Zeitlimit auferlegen und somit eine Höchstgrenze von zwanzig Minuten am Tag für Facebook oder Instagram einstellen.

4. Der gute alte Flugmodus

Wenn Ihnen all diese Apps zu lästig sind: Flugmodus an, Timer gestellt und das Handy aus dem Blickfeld entfernen. Am besten hoch oben auf den Schrank oder das Bücherregal ablegen, dann steht der Produktivität nichts mehr im Wege. Und glauben Sie mir: Sie werden rein gar nichts verpassen. Jede blinkende Nachricht, jeder zwinkernde Emoji und jedes lustige Selfie kann warten. Auf später…

 

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