Bill Kaulitz liebt die Maskerade

Tokio Hotel zeigen auf Tour Stacheln

Das Kreischen der Fans in der Oberhausener Arena übertönt das dröhnende Intro, das Tokio Hotel ankündigt. Zum ersten Mal hieß es am Wochenende "Welcome to Humanoid City" im Heimatland der deutschen Rockband, die unter diesem Motto seit vergangener Woche durch Europa tourt, mit einem Stopp am 30. März auch in der Wiener Stadthalle.

Als schwarz glitzernder Engel mit Sonnenbrille schlüpfte Sänger Bill Kaulitz aus einer überdimensionalen Konstruktion, die an eine zerbrochene Eierschale erinnerte. Mit einer Stunde Verspätung rockte die Band los. Einige Fans hatten nicht nur viele Stunden, sondern mehrere Tage vor der Oberhausener Arena gewartet, um ihre Idole aus den vorderen Reihen zu bejubeln.

Neben seinen Bandkollegen, die in weiten Jeans, T-Shirts und Steppweste auf die Bühne kamen, wirkte Bill mit den dunklen zurückgekämmten Haaren und im engen schwarzen Overall wie von einem anderen Stern. Zwischendurch wurde das Kostüm immer neu mit unzähligen Nieten, leuchtenden Röhren, weißen Panzerteilen oder langen Stacheln ausgestattet. Statt der Kleidung wechselte Bills Zwillingsbruder Tom seine Gitarren. Die Farben: schwarz und glänzend, klassisch braun oder strahlend weiß. Bei der ersten Zugabe "Zoom" griff er gar nicht in die Saiten, sondern überraschte an einem kleinen mit Feuer geschmückten Flügel.

Tokio Hotel präsentierten den endlos jubelnden Fans in der fast ausverkauften Halle hauptsächlich Songs aus ihrem dritten und aktuellen Album "Humanoid" sowie einige ältere Hits. Energiegeladen wirbelten die vier jungen Männer durch die Science-Fiction-Szenerie auf der Bühne, dabei flirrten im Hintergrund die Bilder eines modernen Metropolis und aus dem Bühnenrand schossen hin und wieder Feuersäulen empor. Passend zum Titel "Geisterfahrer" kletterte Sänger Bill auf ein futuristisches Motorrad. "Ich glaube, es ist die größte Tokio Hotel Produktion bisher", sagt der Frontmann über die Europatour. "Wir haben zum ersten Mal eine eigene Bühne dabei".

Zwischen eingängigen Songs wie "Lass uns laufen" und "Automatisch" ließen sich Bill, Gitarrist Tom und Bassist Georg auf simplen Barhockern nieder, um dem Publikum zu applaudieren und ruhigere Stücke anzustimmen. Nur Schlagerzeuger Gustav blieb während des Konzerts von seinen Bandkollegen getrennt, denn er thronte über deren Köpfen in der Eierschalen-Konstruktion. Erst am Ende des anderthalbstündigen Konzerts verließ der 21-Jährige sein Instrument und schleuderte ein ganzes Dutzend Drumsticks ins Publikum. Fast bis zuletzt mussten die Fans auch auf "Durch den Monsun" warten, die Single hatte Tokio Hotel vor fast fünf Jahren auf die weltweite Erfolgsspur gebracht.