Paper Bird auf "musikalischem Urlaub" in den USA

Hinter Paper Bird steckt die 25-jährige in Wien lebende Kärntnerin Anna Kohlweis, die mit ihrem aktuellen Album "Thaumatrope" (Seayou Records/Trost) ein streckenweise so düsteres wie im gesamten überzeugendes Pop-Album geschaffen hat, das sich nicht hinter den Landesgrenzen verstecken muss. Der Zufall macht es möglich, dass sie im April nun auch erstmals in den USA auftreten wird.

"Es sind kleine Gigs. Ich erwarte mir nichts außer einem netten Abend und ein paar neuen Gesichtern", relativiert die Allround-Künstlerin im Gespräch mit der APA in Wien. "Der US-Aufenthalt ist hauptsächlich Urlaub", trotzdem wird dieser zumindest zwei Gigs in New York beinhalten. Möglich wurde dies durch den US-Songwriter Ian Fisher, der einige Zeit in Wien lebte, im Vorjahr wieder zurück in die Heimat ging und der Paper Bird jetzt für diese zwei Auftritte mit gebucht hat. Das wird aber nicht der letzte Gig außerhalb von Österreich bleiben, denn ihr Label, das kleine, aber durchaus auch international denkende Wiener Indie-Label Seayou Records, plant da noch einiges. Sogenannte "Labelnights" werden in mehreren europäischen Großstädten anvisiert. Der erste Termin steht schon fest und führt am 14. Mai nach Athen, wo auch Sir Tralala dabei sein wird. "Prag und Barcelona sind schon ziemlich fix", so Label-Boss Ilias Dahimene.

Erleichtert wird diese Promotion vor Ort dadurch, dass die Liveumsetzung wenig technischen Aufwand mit sich bringt. Hier reicht ein Laptop, wobei nicht exakt das Album wiedergegeben wird. "Es ist reduziert, manche Chorspuren fallen weg. Es ist also eher eine Art Karaoke-Show, was mir persönlich Spaß macht, weil ich mich so ganz auf das Singen konzentrieren kann", erklärt Kohlweis. Die Songs klingen dabei trotz der zum Teil elektronischen Herstellung erstaunlich organisch. "Die elektronischen Elemente werden zu ungefähr 80 Prozent aus Field Recordings zusammengestoppelt anstatt aus vorgefertigten Beats", lautet die Erklärung der DIY-Künstlerin, die ihr Album bis hin zum Cover-Artwork zu Hause im Alleingang produziert hat.

Paper Bird singt dabei auf Englisch, ihre Texte sind mehr als bloßes Beiwerk, sondern lesenswert, was bei Versuchen jenseits der Muttersprache nicht unbedingt die Norm ist. Bei näherer Befassung wird man bei ihnen den Eindruck nicht los, dass sie ebenso auch Produkte temporärer Insomnie sein könnten. "Sie entstehen genau so", bestätigt Kohlweis. "Ich nehme oft tagelang auf und oft auch in schlaflosen Nächten. Ich brauche aber emotionalen Abstand, denn alles was in totalen Hochs oder Tiefs geschrieben wird, finde ich nach einer Woche schrecklich, peinlich und kitschig." Was ihrem Anspruch, dass Texte auch reflektiert sein sollen, widersprechen würde.

Einen gewissen Widerspruch lösen bei Kohlweis auch Vergleiche mit anderen Künstlern und Zuordnungen in Genres aus. "Ich finde das Vergleichen unsinnig, denn das wäre so, als ob man die Version von jemanden anderem wäre." Muss ja auch nicht sein. Fest steht, dass Paper Bird die österreichische Musikszene mit vielschichtigem und anspruchsvollem Pop im bereichert. Und nicht nur diese, denn ihr Label hat mit Cargo Records, Plastic Head und Topplers Vertriebspartner, die für eine Distribution in ganz Europa sorgen.

INFO: Nächste Österreich-Termine sind am 15. März im Grazer Scherbenkeller und am 20. März im Komma in Wörgl. http://www.paperbirdmusic.com