"Forever Young": Alphaville-Gala zum Jubiläum

Mit Popjuwelen wie "Forever Young" und "Big In Japan" startete Alphaville 1984 von Münster aus eine internationale Karriere. Ihr 25-jähriges Bandjubiläum feierten die Musiker um Frontsänger Marian Gold am Freitagabend in Prag. "Dass ihr hier seid und wir hier sind, erklärt alles", rief Gold auf Englisch den knapp 1.000 Fans im gut gefüllten barocken Zofin-Palast der tschechischen Hauptstadt zu.

Den großen Festsaal mit stuckverzierten Decken, riesigen Kronleuchtern und Engelmotiven in den Freskenmalereien hatten sich Alphaville für ihren musikalischen Rückblick ganz bewusst ausgesucht. Und dort, wo sonst prominente Hochzeitsgesellschaften tafeln und im Winter die Ballsaison ein Zuhause hat, funktionierten vor allem die alten Hits immer noch. "Dance With Me" sang Gold gleich zweimal, zunächst im Disco-Sound und zum Schluss der zweistündigen Show ganz pur. Das Publikum ist zwar mit Alphaville in die Jahre gekommen - aber Tanzen, Klatschen und Mitsingen wollen die erwachsenen Fans, überwiegend älter als 40, wie vor 25 Jahren.

Umjubelter Höhepunkt: Frontmann Gold entdeckt die tschechische Schlagerlegende Karel Gott in der Bühnenecke und bittet ihn, scheinbar überrascht, zum Duett. "Forever Young" ("Für immer jung") singen die beiden, 55 Jahre alt ist Gold inzwischen, Karel Gott feierte im Sommer seinen 70. Geburtstag. Nach der Show sagt Gott, er habe Alphaville schon lange bewundert und wünsche ihnen weitere Jahrzehnte voller Erfolg. "Wir fühlen uns sehr geehrt", sagt Gold, der das Konzert auch seinen fünf Kindern widmet.

Mit "Gravitation Breakdown" stellte Alphaville auch einen neuen Song vor. Keyboarder Martin Lister sagte der dpa, ein neues Studioalbum solle in den kommenden Monaten erscheinen, das erste seit "Salvation" von 1997. Von der ursprünglichen Alphaville-Besetzung ist mittlerweile nur noch Sänger Gold mit an Bord, der Klang ist rockiger geworden: am echten Schlagzeug wirbelt Jakob Kiersch, Gitarrist David Goodes treibt die Melodien an.

Eine Disco-Kapelle wollte Alphaville nie sein, der Bandname wurde einem französischen Science-fiction-Film entliehen. Songtexte und Musikvideos drehen sich oft um Themen wie Drogensucht, Kriege oder Weltreligionen. Auch in Prag wurden Symbolfotos auf Leinwände projiziert, das Jesus-Kreuz und betende Muslime wechselten sich etwa ab mit hungernden Kindern aus Afrika und kommunistischen Machthabern.

Der Partystimmung tat dies kaum Abbruch. Nach dem Konzert ließen sich Gott und Gold geduldig fotografieren. Nicht fehlen durfte die mit "25 Jahre Alphaville" verzierte Schokoladentorte auf dem Buffet.